Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 9

Der Kreuzungsumbau kostet den SteuerzahlerInnen von Stadt und Land 38 Mio. Euro. Ich hab mal versucht, eine kleine Sammlung zusammenzustellen, was man verkehrspolitisch mit diesem Geld alles machen könnte. Es sind nur einfache Gegenüberstellungen und betrifft FußgängerInnen und RadfahrerInnen.
  • In Linz waren sie so frech und haben einfach Begegnungszonen umgesetzt, sogar mit Bäumen (in Innsbruck beinahe undenkbar – Bäume - kreisch). Kostenpunkt für ca. 400 m – 850.000 Euro, weitere sind in Planung. In Innsbruck bewegt sich diesbezüglich gar nichts. 

    Mit den 38 Mio. könnten in Innsbruck 38 Begegnungszonen umgesetzt werden.
  • In Salzburg gibt es schon lange einen Radverkehrsbeauftragten. Er hat jährlich ein Budget von 1 Mio. Euro zur Verfügung, exkl. Großprojekte wie Brücken.
    
Mit den 38 Mio. könnte in Innsbruck 38 Jahre gearbeitet werden.
  • In Innsbruck gibt es ein sehr ambitioniertes Programm für den Radverkehr (Umsetzungszeitraum: 2008-2012): Kostenpunkt – ca. 6,5 Mio.

    Mit den 38 Mio. könnte in Innsbruck ca. 6x so viel umgesetzt werden.

Innsbruck braucht eine gut durchdachte, komfortable Infrastruktur fürs Gehen und Radfahren.
Vor allem FußgängerInnen bleiben weiterhin ein lästiges Beiwerk der Stadt, die autoverkehrskonforme Umwege in Kauf nehmen müssen.
Viele Plätze in Innsbruck, ob groß oder klein, sind ein Trauerspiel. Nicht mit Bäumen und Parkbänken für Begegnungen gestaltet, sondern als Parkplatz für Autos verschwendet. Allein das Theater um das Wiltener Platzl zeigt die Prioritäten in der Stadt. Da wird um jeden Parkplatz gefeilscht. Immerhin ein Bäumchen wird gepflanzt – uh.

Um den AutofahrerInnen es so bequem wie möglich zu machen, wird viel Gehirnschmalz und Geld bereitgestellt. FußgängerInnen und RadfahrerInnen dürfen sich mit den Krümeln zufrieden geben.


PS: Wenn ich nur ausmale, was wir mit diesem Geld im Sozialbereich alles machen könnten, wird mir ganz schwindlig.

Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 8

Jetzt hab ich eine aufgepeppte Version der Graßmayrkreuzungs-Umbauarbeiten, mit Bildern und einer Übersichtskarte bis zum Bahnhof (dank ins Ländle für den guten Rat). Einfach auf die Karte klicken, dann kommt ihr weiter zu den Details.




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Emile-Bethouart-Steg

Ab 11. Jänner 2010 ist der Steg gesperrt. Die Sanierung dauert voraussichtlich bis 14. Mai 2010. Das heißt für FußgängerInnen und RadfahrerInnen 4 Monate einen großen Umweg einrechnen. Leider ist immer noch nicht geklärt, ob RadfahrerInnen den Steg nach der Sanierung legal benützen werden können.

Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 7

Wenn die A12 als Grobverteiler herangezogen wird, der Südring zurückgestuft wird auf die Feinverteilung, eine Ringtram die Mobiltät erhöht und beschleunigt und die RadfahrerInnen und FußgängerInnen umwegvermeidende Infrastruktur bekommen, gibt es noch den Pechegarten.
Und da schlagen 2 Herzen in meiner Brust. Den AnrainerInnen wurde eine 50%ige Vergrößerung des Pechegartens versprochen. Bei der derzeitigen Planung bleibt die jetzige Südbahnstraße und es kommt zusätzlich der Kreisel von der Olympiabrücke runter, der die Südbahnstraße Neu entlang der ÖBB-Gleise bedingt. Der Pechegarten wird nur um ein paar Quadratmeter entlang der „alten“ Südbahnstraße vergrößert.

Mein Dilemma ist: Wenn ich den Pechegarten ordentlich vergrößern will, muss die „alte“ Südbahnstraße weg und man braucht den Kreisel mit der Südbahnstraße Neu.

Was tun?

Graßmayrkreuzung- die andere Sicht 6

Nun hab ich endlich die Karte fertig, auf der ihr nach Lust und Laune herumklicken könnt. Und wenn ich komplett falsch liege, dann teilt es mir bitte mit. Einfach auf die Karte klicken, dann kommt eine größere Ansicht und eine Navigationshilfe.



Graßmayrkreuzung

Ich bastle gerade an einer Übersichtskarte, damit man sich besser auskennt ... und mit Punkten, auf die man draufklicken kann und ein neues Fenster geht auf. Ich bin allerdings nicht berauschend fit in diesem Programm, das ich dafür brauche, daher dauert es ein bisschen. Sobald ich die Karte fertig habe, wird sie hier veröffentlicht. Mit der Übersichtskarte tun wir uns sicherlich leichter zu diskutieren.

Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 4

Der Ausbau der Kreuzung leistet, laut LHStv. Anton Steixner, „einen weiteren Beitrag für mehr Umweltschutz und Verkehrssicherheit auf dieser bedeutendsten Durchzugsstraße“ (IBK informiert, Dez.09). Beides Killerargumente, die gerne bei der Beschleunigung des Autoverkehrs herangezogen werden, aber nicht stimmen.

a) Umweltschutz:
giftige Abgase und Lärm können ausschließlich durch Reduktion der Autofahrten verringert werden. Mit Sicherheit nicht mit Beschleunigung. Es wird ja auch gern erklärt, dass Stauvermeidung ein ganz wichtiger Beitrag zum Umweltschutz ist. Auch falsch. Wenn tagtäglich Staus die Straßen verstopfen, dann sind zu viele AutofahrerInnen unterwegs. Mit Beschleunigung verringert man nicht das Zuviel, sondern drückt sich vor einschneidenden Maßnahmen, das Zuviel zu minimieren. Mit Umweltschutz hat das reichlich wenig zu tun.

b) Verkehrssicherheit:
FußgängerInnen und RadfahrerInnen sind vor allem bei Kreuzungspunkten die Leidtragenden. Hauptunfallursache beim Autoverkehr ist überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, Ablenkung (meist Handytelefonieren) und im städtischen Umfeld das Ignorieren der roten Ampel. Der Egotrip hat einen weitaus höheren Stellenwert als die Rücksicht. Damit der Egotrip nicht gestört wird, lenkt man FußgängerInnen und RadfahrerInnen in eine Unterführung, die deren Wege beträchtlich erhöht, dafür aber nicht mehr Platz auf der Fahrbahn beanspruchen.

Ausbauprojekte, va. im städtischen Umfeld, haben rein gar nichts mit Umweltschutz oder Verkehrssichheit zu tun, sondern dienen ausschließlich der Bequemlichkeit der AutofahrerInnen.

Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 3

Wenn die A12 als Grobverteiler herangezogen wird, der Südring zurückgestuft wird auf die Feinverteilfunktion und eine Ringtram die Mobilität erhöht und beschleunigt, dürfen die RadfahrerInnen nicht fehlen.
Im Bauprojekt kommen RadfahrerInnen am Rande vor. Sie sollen über einen Kreisel von der Olympiabrücke unter dieser dann durchgeführt werden und landen dann im geplanten Gewerbegebiet Karmeliter. Ein sicherer Radweg zum Bahnhof ist nicht vorgesehen. Von dort geht es weiter Richtung Westen bis zur Neuhauserstraße. Dort endet der Radweg im Nichts. In die Neuhauserstraße dürfen sie nicht, weil Einbahn. Diese Verbindung wird nicht geöffnet. Oder sie dürfen sich weiter Richtung Westen am Südring mit den AutofahrerInnen herumschlagen. Keine wahrlich gute Option.
Auf unsere Frage, warum die AutofahrerInnen nicht auf die A12 gebracht werden, wurde uns die Unmöglichkeit dessen mit der großen Umwegsensibilität der AutofahrerInnen erklärt. Und was ist mit RadfahrerInnen? Die verbrauchen schließlich ihre eigene Energie und treten nicht einfach ins Gaspedal. Conclusio aus diesem Denken: die Umwegsensibiltät der AutofahrerInnen ist dermaßen hoh und führt zu großem Leid und Ungemach, dass diese eine direkte, komfortable Anbindung unbedingt brauchen. RadfahrerInnen sind in Innsbruck anscheinend eine Randerscheinung und sollen sich gefälligst mit den Brosamen begnügen.

3. Forderung:
Umwegvermeidende Einbindung für RadfahrerInnen und südringbegleitender Radweg.

Kein Lärm - kein Nachtfahrverbot



Das Nachtfahrverbot für Mopeds basiert auf einer Lärmverordnung. Dass die Mopeds, va. wenn sie aufgemotzt sind, Menschen nerven, verstehe ich. Elektro-Mopeds machen aber keinen Lärm mehr, sie surren leise vor sich hin. Und genau da hat meine Kollegin Uschi Schwarzl angesetzt und im Gemeinderat eine Ausnahme gefordert. Nun hat STR Peer nachgegeben müssen. Eine Lärmverordnung für ein Gefährt aufrecht zu erhalten, das keinen Lärm macht, geht nicht und daher wird eine neue Verordnung ausgearbeiten.

Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 2



Wenn die A12 mit den 4 Abfahrten als Grobverteiler und Umfahrung für Innsbruck herangezogen wird, tun sich plötzlich Möglichkeiten auf, die bisher nicht diskutiert wurden – eine Ringstraßenbahn. Diese könnte das Gewerbegebiet Rossau mit dem Knotenpunkt S-Bahnhaltestelle Höttinger Au und Regionalbahn verbinden. Jetzt könnt ihr mich als Spinnerin bezeichnen. Das heb ich aus. Aber überlegen wir nicht, wie wir stauproduzierende AutofahrerInnen besser verwalten können, sondern wie wir Mobilität für Alle auf die Reihe bekommen – zuverlässig, schnell, staufrei und mit einer hohen Bedienqualität.
Der Südring selbst sollte nur mehr die Feinverteilung übernehmen.

Übrigens: Mit den 38,5 Mio. könnten die EINZELTICKETS für die Kernzone Innsbruck für ALLE für 18 JAHRE um 1,10 verkauft werden. (Berechnungsbasis sind die Verkaufszahlen des Jahres 2008).

2. Forderung:
Ringtram statt Straßenausbau


Graßmayrkreuzung – die andere Sicht 1

Vergangenen Donnerstag erklärten Verkehrstechniker und –planer die Untertunnelung der Graßmayrkreuzung. Sie behaupten, dass die Probleme – Stau, Abgase, Lärm - nur durch diese Maßnahme lösbar seien. Garniert wurde das ganze mit der Aussage, das 10-Punkte-Programm "Ausbau Südring" umzusetzen.

Das 10-Punkte-Programm stammt aus den 90ern des letzten Jahrhunderts, beseelt vom stetigen Wirtschaftswachstum und weit entfernt von der Energie- und Ressourcenkrise des Jahres 2009. Die Zeit scheint hinter der Windschutzscheibe stehen geblieben zu sein.

Verlassen wir die ausgetretenen Pfade. Stellen wir Fragen.

- Für welche Symbolik steht die Graßmayrkreuzung?
- Sollen wir so weitermachen, wie bisher oder gibt es andere Möglichkeiten?
- Sind die heutigen Probleme nicht eine Folge von Maßnahmen, die uns Experten eingeredet haben?
- Lassen sich zu viele Autos, die die Straßen verstopen, die Luft verpesten und unsere Umgebung mit Lärm zumüllen, nur durch Beschleunigung des Autoverkehrs lösen?

Die nun vorglegte Baumaßnahme steht für die Gewohnheit. Bauen wir aus, dann haben wir das Problem gelöst. Für wie lange, ist im Straßenbau eine unzulässige Frage. Bei der Graßmayrkreuzung wird das Zuviel an Autos einfach ein paar hundert Meter verschoben, und verlagert sich zur Andreas-Hofer-Straße. Klar, es wird geträumt, später auch diese Kreuzung zu untertunneln. Was anderes kommt ja gar nicht in Frage.

Wir haben einen leistungsfähigen Ring entlang unserer Stadt. Man nennt ihn Autobahn. Während der Bauphasen soll der Durchzugsverkehr, immerhin bei der Graßmayrkreuzung 39.000 Autos, auf die Autobahn geleitet werden. Warum eigentlich nur während der Bauphase? Hat sich niemand die Frage gestellt, was diese 39.000 Autos am Südring eigentlich verloren haben? Hat sich wirklich niemand die Frage gestellt, dass man den Durchzugsverkehr auf die A12 bringt und den Südring rückbaut? Die A12 Wilten bietet ausreichend Platz. 4 Abfahrten reichen, um die Verteilfunktion zu übernehmen.

Eine Vergleichsstadt:; Mulhouse stand vor ähnlichen Problemen. So wie der Südring führte eine 4spurige Schnellstaße (2/2) am Innenstadtzentrum vorbei und diente, so wie bei uns, als Verteiler ins Zentrum und in die vielen Tiefgaragen. Auch dort sprachen die Experten von der einzig machbaren Lösung - Verbreiterung, Untertunnelung, Beschleunigung. Was tat der Bürgermeister? Er sagte NEIN und überzeugte den Gemeinderat davon, eine Regionalbahn zu bauen. Die Folge: Rückbau auf 2 Spuren, in der Mitte der Fahrbahn fährt bereits die Bahn, staufrei, mit unglaublichen Fahrgastzahlen. Ein Unterschied besteht zu Innsbruck. Es gibt keine Autobahn, die als Ausweichroute zur Verfügung stand.

1.Forderung:
Durchzugsverkehr raus aus dem Südring + A12 als Umfahrung für Innsbruck einbeziehen.


Emile-Bethouart-Steg IV.

Da engagiert sich die junge ÖVP und sammelt Unterschriften für die Öffnung des Steges für den Radverkehr. Und was tun ihre Altvorderen im Gemeinderat? Ablehnen des grünen Antrags. Die schwarze Ideologie lässt es wohl nicht zu, einem grünen Antrag zuzustimmen und konterkariert lieber die Arbeit ihrer Jugendorganisation. Oder liegt es daran, dass keinEr von ihnen Rad fährt?

Emile-Bethouart-Steg III.

Heute bringen meine Kollegin Uschi Schwarzl und ich wieder einen Antrag für die Öffnung des Stegs für RadfahrerInnen ein. Da sind dicke Bretter zu bohren, aber so schnell geben wir nicht klein bei. Da eine Verbreiterung nicht machbar zu sein scheint, beantragen wir die Erhöhung des Geländers, damit RadfahrerInnen nicht in den Inn kullern können und die Sicherheitsbestimmungen erfüllt sind.

Der denkmalgeschützte Steg braucht selbstverständlich eine sensible Lösung für die Erhöhung. An kreativen Menschen mangelt es mit Sicherheit nicht. Der Mangel herrscht schon eher in der Vorstellungkraft einzelner GemeinderätInnen.



Das Schild entspricht noch nicht der Wirklichkeit. Das hab ich schnell nachgebastelt und raufgeklebt.

Kitsch as Kitsch can

Ich bog heute, nichts ahnend, in die Maria-Theresien-Straße und auf was stieß ich unvermittelt?



Von diesen Dingern stehen 4 in der Maria-Theresien-Straße, wirklich. Naja, echte Bäume waren ja nicht gefragt. Dafür dürfens jetzt Glitzerplastikbäume sein, erhöht, damit sie weithin sichtbar sind und das weihnachtlich gestimmte Auge erfreuen. Und sie werden sicherlich in den Abendstunden mit vielen Lämpchen noch ins rechte Licht gerückt.

Die Stellplatzverordnung und die Bedürfnisse in der Zukunft

In Tirol haben wir eine Stellplatzverordnung, die zwingend Tiefgaragenplätze vorschreibt. Vor allem im verdichteten Wohnbau treibt das die Kosten für Miete oder Eigentum inkl. der Betriebskosten in die Höhe. Wohnbaugelder werden in der Tiefgarage versenkt, anstatt qualitativ in Wohnraum zu investieren. In Innsbruck werden zudem für Aufstockungen und Verdichtungen gewachsene Innenhofstrukturen zerstört und mit Bonsai-Bäumchen als Alibihandlung ersetzt. Die Stellplatzverordnung in Städten ist veraltet und verwaltet die Autogeneration, im Glauben, dass es stetig so weitergeht.

Die Bedürfnissen der Menschen ändern sich, eine andere Infrastruktur ist gefragt. Vor allem die junge Generation hat wichtigeres zu tun, als im Auto zu sitzen.

„Laut Hans Rat wird zudem eine weitreichende Umgestaltung des ÖPNV nötig, weil die junge Generation von heute ein anderes Verständnis im Bezug auf den Verkehr hat. Zwar besitzen auch diese Menschen immer noch eine gewisse Begeisterung für Autos, doch im Gegensatz zu älteren Menschen teilen sie diese Vorliebe mit Enthusiasmus für andere Dinge ... Stadtmenschen denken zudem praktisch: Wohin mit dem Auto, wenn es nicht gebraucht wird? Parkplatznot und die Kosten für Parkraum lassen gerade junge Menschen in Städten von einem eigenen Pkw Abstand nehmen. “ (ganzer Artikel)

Wir haben noch dicke Bretter zu bohren, um einerseits Wohnraum günstiger bereitzustellen und andererseits den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. Unser Vorstoß auf Landesebene und die dazugehörenden dicken Bretter kommentierte ich bereits in meinem Beitrag "Kuriositäten aus dem Land Tirol". Weitere Bohraktionen werden noch folgen.

Ein Schritt zur Kostenwahrheit ...

... oder nur ein Schritt hin zur Überwachung.

Die Niederlande sind das erste europäische Land, das das System der Verkehrsbesteuerung ändert und auf Telematik setzt. Zukünftig soll keine KFZ-Steuer mehr eingehoben werden (Fixkosten runter), sondern mittels GPS die gefahren Kilometer abgerechnet werden (variable Kosten rauf). Für Wenig-FahrerInnen gut, für Viel-FahrerInnen schlecht. Aber das ist ja auch der Sinn und Zweck dieser Maßnahme, das Verkehrsverhalten zu lenken, die Fixkosten herunterzuschrauben und die variablen Kosten der Eigenverantwortung zu übertragen. Technisch ist der Aufwand enorm, datenschutzmäßig bedenklich und der Verwaltungsaufwand ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Das gute daran ist, dass endlich Bewegung in die Kostenwahrheitsdebatte kommt.

Es gibt allerdings eine viel einfachere Methode, Verkehrslenkungsmaßnahmen zu setzen: die Erhöhung der Mineralölsteuer. Einfach und effizient. Weil auch bei diesem einfachen System hängen die Kosten direkt am Fahrverhalten.

PS: Es wird immer Härtefälle geben, die müssen aufgefangen werden. Das sollte aber nicht zum Anlass genommen werden, die Kostenwahrheit zu verteufeln. Im Grunde genommen ist das sofortige Zitieren eines Härtefalls nichts anderes als ein Mittelstands-Killerargument. Am liebsten hab ich ja das „Arme Mutterl“-Argument. Seit wann hat das arme Mutterl ein Auto?

Das liebe Forstamt und die Bildsprache



Ich bin tief beeindruckt. Das Forstamt hat nun ein Transparent aufgehängt, um die erzürnten BürgerInnen über die Notwendigkeit der Schlägerungen zu informieren. Sehr bemüht, das spreche ich nicht ab. Die Rede ist von "Pflege des Bewuchses", das Bild zeigt einen schönen Uferbereich. Nur entsprechen weder Wort noch Bild den Tatsachen.

In Realität sieht es nämlich so aus.



Baumrodungen am Innufer

Es war einmal ... eine schöne Promenade, links und rechts von Bäumen eingefasst. Dann kam das Forstamt und bewies, wieder einmal, wenig Sensibilität. Gerade in der Stadt sind Bäume ein ganz wichtiger Bestandteil für das Wohlbefinden der Menschen. In Innsbruck scheint das noch nicht zum Allgemeinwissen zu gehören, denn weder Forstamt noch Stadtgartenamt pflegen Bäume. Ganz im Gegenteil - radikale Kappungen und nicht fachgerechter Schnitt schwächen Bäume. Damit wird die Grundlage geschaffen, sie endgültig zu entfernen. Zurecht ärgerten sich die AnrainerInnen, dass ohne Information und Mitsprache ein nicht gerechtfertigter Kahlschlag durchgeführt wurde. Wir sind nicht im Wald und auch das Forstamt wird endlich lernen müssen, dass seine Vorgehensweise unerwünscht ist. Teilweise waren Bäume faul - die können und müssen auch geschlägert werden. Zwischendrinn standen aber auch welche, die keine Gefährdung gewesen wären. Man hätte ohne weiteres mehr Bäume stehen lassen können.



Auf Abwegen

In der aktuellen Tiroler Woche, Innsbruck-Ausgabe, haben mein Kollege Gebi und ich noch einmal versucht, unser Klopickerl zu promoten. In der Altstadt besteht ja das Problem, dass es viele Leute aber kein öffentliches Klo gibt. Die Stadtverwaltung hätte klug vorgesorgt und die Gastro-Pachtverträge für Gastgärten an ein unentgeltliches Klogehen geknüpft. Nur vergessen das die Gastrobetreiber so schnell wie sie den Pachtvertrag unterschrieben haben. Wir wünschen uns ein Pickerl bei jedem Gastrobetrieb, das einerseits dem Vergessen Einhalt gebietet und andererseits den BesucherInnen der Innsbrucker Altstadt die Möglichkeit gibt, ohne schlechtes Gewissen das Klo benützen zu können.
Da ich ja nicht nur in der Politik, sondern auch in der Grafik tätig bin, mag ich solche Sitesteps gerne, wo ich kreativ unterwegs sein kann. Ich find unser Pickerl nach wie vor gelungen. Hier ein kleiner Ausschnitt davon.



Versteckte Gehwege

In den alten Stadtteilen findet man immer wieder versteckte Verbindungen für FußgängerInnen, die meist nur den dortigen BewohnerInnen bekannt sind. Einen davon findet man in St.Nikolaus. Der Weg führt von der Innallee zur Innstraße. Von dort geht es weiter durch einen Durchgang beim Haus Nr. 79 in die St.-Nikolaus-Gasse, Bäckerbühelgasse, Riedgasse. Eigentlich eine wunderbare fußgängerInnenfreundliche Strecke. Wäre da nicht die Innstraße, die als Durchzugsstraße von Hall bis Zirl mißbraucht wird. Einen gesicherten Übergang, wenigstens in Form eines Zebrastreifens, gibt es nicht. Die Anhaltebereitschaft der AutofahrerInnen tendiert gegen Null, schließlich wohnt eine satte Mehrheit der Durchfahrenden nicht in St.Nikolaus, sondern will nur Stoßstange an Stoßstange durch den schönen Stadtteil fahren. Schade finde ich auch das tote Eck beim Durchgang selbst. Gestaltung in Form eines kleinen Platzes mit Bäumen würde die Aufenthaltsqualität sprunghaft heben.

Zu Fuß gehen verträgt keine Umwege. Daher braucht es hier eine gesicherte Querung. Mein dazugehöriger Gemeinderatsantrag ist eingebracht und wird in der Dezember-Sitzung behandelt. Mal schauen, ob der Slogan der Stadtkoalition "Stadt der kurzen Wege" auch für FußgängerInnen gilt.



Mehr grün in die Stadt

Wir bekommen laufend Kärtchen mit den Standorten der Bäumchen zugesandt, sodass sich die Google-Map schön langsam füllt. Zwei Bäumchen haben einen weiten Weg hinter sich: 1x Ötztal, 1x Gastein. Aber auch dort werden sie sicherlich hübsch wachsen (diese zwei Standorte habe ich allerdings nicht eingetragen, da sie doch etwas weit weg von Innsbruck sind).


Mehr Grün in die Stadt auf einer größeren Karte anzeigen

So kann es auch gehen

London probiert, für europäische Verhältnisse, ein neues Querungskonzept aus. Klar wird es anfänglich zu etwas Chaos führen, aber ich bin davon überzeugt, dass Menschen intelligenter sind als so manche Verkehrsplaner glauben. Von 30 sec Zeit können wir hier in Innsbruck nur träumen.

Graßmayrkreuzung

Nun steht das Projekt der Untertunnelung der Graßmayrkreuzung. Es geht um den Ausbau des Südrings und damit um die Beschleunigung des Autoverkehrs. Im Akt kommen in einem Absatz FußgängerInnen vor, ansonsten liest man nichts von Beschleunigung des Fuß-, Rad- und Öffi-Verkehrs. Die autoverkehrsberuhigte Zone findet sich zwischen Leopoldstraße und Tschamlerstraße, also dort, wo das Cineplexx steht. Dh. die AutofahrerInnen werden weiterhin Stoßstange an Stoßstange an den Wohnhäusern vorbeikriechen. Außerdem kann zukünftig ohne Dosierungsmöglichkeit direkt von der Abfahrt Mitte zum Bahnhof gefahren werden - eine der wichtigsten Achsen des Öffentlichen Verkehrs (VVT und IVB und Regionalbahn).

Den WiltenerInnen wird das ganze als Zusammenführung des durch den Südring getrennten Stadtteils verkauft. Werden sich die Hoffnungen der WiltenerInnen erfüllen? Oder wird ihnen Sand in die Augen gestreut und das eigentliche Ziel ist ein ganz anderes?

Vorzüge der Regionalbahn

Das Projekt „Regionalbahn“ ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn Federspiel & Co im Stadtblatt dagegen wettern. Rum und Völs als Nirwana zu bezeichnen, ist eine Beleidigung dieser beiden Gemeinden oder sie wissen nicht, was das bedeutet – selige Ruhe nach dem Tode.

Die Straßeninfrastruktur in und nach Innsbruck ist heute schon, auch ohne vermeintliches Verkehrshindernis Regionalbahn, überlastet. Die täglichen Staus zeigen ja jetzt schon, dass ein „noch mehr“ nicht geht. Abgase, Lärm und sinkende Lebensqualität bringen Innsbruck nicht weiter. Die Nachbargemeinden untersagen quasi der Stadt, eigene Ziele zu definieren und Alternativen zum Autoverkehr zu bieten. Klar wollen sich die Nachbargemeinden aus der finanziellen Mitverantwortung schleichen. Es ist ja unglaublich praktisch, wenn den eigenen BürgerInnen die Last der Mobilität durch ein eigenes Auto aufgebürdet wird und der Gemeindehaushalt entlastet ist. Nur, das ist eine kurzsichtige Denkweise, die sich die Menschen in Innsbruck auf Dauer sicher nicht gefallen lassen. Schließlich ist es ihre Lebensqualität, die darunter leidet.

Offensichtlich wissen sie nicht, welche Vorteile ein leistungsfähiger spurgeführter Nahverkehr bietet:
Bei konsequenter Umsetzung ist einiges drin: Fahrgaststeigerungen, FußgängerInnenanteil steigt, Stadtraum wird neu gestaltet (auch mit viel mehr Grün), die Attraktivität der Stadtteile und deren wirtschaftliche Kraft steigt, der Autoverkehr geht zurück.

Der Autoverkehr kann neu geordnet werden, dh. mehr Raum für FußgängerInnen. Ja, die Regionalbahn hat sehr viel mit zu Fuß gehen zu tun. Die Bahn kann als aktives Element zur Erschließung der Innenstadtviertel eingesetzt werden. Die Regionalbahn ist der Türöffner zur Neugestaltung des öffentlichen Raums. Straßburg ist ein gutes Beispiel für konsequente Umsetzung und Neugestaltung. Und siehe da, in den ersten 3 Jahren konnte ein Fahrgastwachstum von über 40% verzeichnet werden. Der Autoverkehr ging um 17% zurück, gleichzeitig stieg der Anteil der FußgängerInnen auf 20%.



Schienengebundener Nahverkehr ist natürlich auch gemütlicher für die Fahrgäste. Ein Schienenfahrzeug läuft wesentlich ruhiger, Schlaglöcher gibt es keine und den Motorenlärm gibt es auch nicht.

Wir haben die Akton "Mehr grün in die Stadt" mit der Videokamera begleitet und ein kleines Filmchen daraus produziert. 





Wir haben bereits 150 Bäumchen verschenkt für "Mehr grün in die Stadt". Auf Google-Map könnt ihr euch anschauen, wohin sie gekommen sind (noch nicht vollständig, weil noch nicht alle Rückmeldungen bei uns eingelangt sind).

Morgen startet die letzte Verteilaktion (außer es schüttet in Strömen):
Wiltener Platzl
10 bis 11 Uhr

Kommt vorbei und holt euch ein Bäumchen.


Mehr Grün in die Stadt auf einer größeren Karte anzeigen

Cui bono?

Die mediale Berichterstattung über die bösen, bösen RadfahrerInnen in Innsbruck macht mich ziemlich stutzig. Abgesehen davon, dass mich dieses falsche Bild, das vermittelt wird, natürlich ärgert.

Aber wem nützt es bzw. wer hat großes Interesse daran, das Rad fahren  mies zu reden. Mittlerweile ist die kritische Masse überschritten. Stand ich vor 10 Jahren noch maximal zu Zweit bei einer Ampel, sind es nun mindestens 10 RadfahrerInnen. Der damals zugewiesene Platz reicht bei weitem nicht mehr aus. Und dann kommen noch die bösen FußgängerInnen, die es sich erlauben, bei zu langer Rotphase einfach über die Straße zu gehen.

Wer müsste nun zurückstecken, um der Menge der RadfahrerInnen ausreichend Infrastruktur zu Verfügung stellen zu können? Die AutofahrerInnen. Und das werden sie gar nicht mögen. 
Dazu kommt noch, dass die Empörung der AutofahrerInnen eine gute Ausrede dafür ist, die RadfahrerInnen auf ihren Platz zu verweisen und nicht handeln zu müssen.  Lieber wird ordentlich geschumpfen, anstatt Lösungen erarbeitet.

Natürlich gibt es auch so manche verantwortungslose RadfahrerInnen. Das sprech ich gar nicht ab. Nur, beim Autoverkehr gibt es die auch und trotzdem gibt es keine vergleichbare mediale Hetze. Nicht, dass ich mir das wünsche, weil gegeneinander bringt nichts. Da komm ich nun wieder zum Anfang: Wem nützt es?

Es geht aber auch anders. Die Wirtschaftskammer Steiermark unterstützt die Handelsbetriebe bei der Fahrradförderung.

www.radlspur.at

PS: Für mehr Platz radelt die unabhängige Plattform „critical mass“ jeden letzten Freitag des Monats. Nächster Termin: Fr, 30.10., 17 Uhr, Treffpunkt Maria-Theresien-Straße, vor dem Rathaus.




Nicht nur auf Plätzen verschwinden Bäume. Auch unsere Straßenräume sind ohne grün. Wo würdet ihr gern einen Baum im Straßenraum haben? Wir verschenken Laubbäume, die ihr dort hinstellen könnt, wo ihr mehr grün wünscht. Bitte gießen nicht vergessen, sonst gehen die Bäumchen ein.

Do, 8.10., 10 bis 11 Uhr
Pradl, Gumppstraße, bei Interspar 

Do, 8.10., 15 bis 16 Uhr
Innenstadt, Maria-Theresien-Straße, bei Sporthaus Okay

Fr, 9.10., 10 bis 11 Uhr
St.Nikolaus/Mariahilf, Ecke Innbrücke/Waltherpark

Sa, 10.10., 10 bis 11 Uhr
Wilten, Wiltener Platzl

Kommt und holt euch ein Bäumchen. Und mailt mir den Standort der Bäumchen, ich trage das dann auf eine eigene Google-Map ein, die über meinen Blog einsehbar sein wird. 


Rail Cargo Austria hat beste Berater

Hier die Datenaffäre, dort "beste" Beratungen. Der volkswirtschaftliche Schaden wird jedenfalls nicht berechnet. Das ist meist auch nicht Aufgabe der Einsparungs-Berater-Branche. Aufgabe ist Bilanzverschönerungen. Wer mehr dazu wissen möchte - hier


Die Wahl in Deutschland II

Ein aufmerksamer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Wahl in Deutschland selbstverständlich auch auf die Mobilität Auswirkungen haben wird. Ich habe im ersten Moment "nur" an die Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gedacht.  
Die gestoppte Privatisierung der Bundesbahnen wird sicherlich wieder aus der Schublade geholt werden. Dass die Privatisierung von Bahn und Nahverkehr nicht funktioniert, beweist eindrücklich Großbritannien. Mit viel Steuergeld musste die privatisierte Bahn wieder zurückgekauft werden, da nichts mehr funktionierte. Wenn die Gier regiert, dann bleiben viele Menschen außen vor. Bahn und Nahverkehr muss mehrheitlich in staatlicher Hand bleiben.


Autoverkehrssichere Kinder oder kindgerechter Autoverkehr?


Kinder brauchen die Freiheit, sich im öffentlichen Raum aufhalten zu können – nicht nur auf Spielplätzen, sondern auch im Straßenraum. Gehen ist schließlich ihre erste selbstständige Mobilität. 

Kinder sind neugierig, verspielt, spontan und bewegungsfreudig. Ihr Entdeckerdrang entspricht nicht den zielgerichteten Wegen der Erwachsenen. Auch der verkehrstechnisch angeordnete Gänsemarsch auf Gehsteigen ist nicht kindgerecht. Am gemeinsamen Schulweg oder auf dem Weg zu einer Freizeitbeschäftigung müssen Neuigkeiten ausgetauscht werden, wird gestritten und gespielt. Dafür brauchen sie Platz. 

Die meisten Gehsteige entsprechen leider nicht dem Bewegungsdrang und der Phantasie der Kinder. Kindern gestehen wir den Platz zwischen Häuserwänden und parkenden Autos zu. Macht doch mal einen Perspektivenwechsel? Macht euch so klein wie Kinder und betrachtet aus deren Höhe, was wir ihnen bieten.  

Wir erziehen Kinder zum autogerechten Verhalten und hinterfragen nicht die Kinderfeindlichkeit der Straßenräume. Für die Schulwegsicherung organisieren Eltern Schülerlotsen, damit die Kinder gefahrlos über den Zebrastreifen kommen. Eltern sollen laut Empfehlung eines recht autofreundlichen Vereins ihre Kinder in quietschgelbe Jacken stecken, damit selbst der unaufmerksamste Autofahrer aufwacht. Wir hinterfragen selten diese Unlogik. 

Es braucht einen neuen Ansatz in der Planungshierarchie. Der Qualität der Gehwege muss oberste Priorität eingeräumt werden, dh. Bäume, Sitzgelegenheiten, breite Gehsteige. Schließlich ist zu Fuß gehen die städtische Mobilitätsform, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen. 


Heißes Eisen Parkplatz

Die Neugestaltung des Landhausplatzes wirft auch die Frage auf, wie wir mit unseren Straßenräumen an sich umgehen. Gibt es genug grün in unserer Stadt?  

Nein. Innsbrucks Straßenraumgestaltung ist nicht besonders attraktiv. Seit Jahrzehnten folgt die Planung dem Glücksversprechen der Autoindustrie und verändert Straßen, Räume und Plätze in der Stadt in deren Sinne. Das Denken ist bereits so weit manipuliert, dass der Besitzanspruch fürs Fahren und Parken nicht in Frage gestellt werden darf. Dieses Ding Auto, emotional stark aufgeladen, verstellt die Sicht. Allein schon die Begrifflichkeiten. „Ruhender Verkehr“ gilt nur für abgestellte Autos. FußgängerInnen, die Parkbänke zum Ausruhen bräuchten, sind damit nicht gemeint.

In der Stadt haben wir nicht unendlich Platz. Trotzdem folgt die Planung der Logik der Autoindustrie, weil – siehe oben – unglaublich viel Glück damit verbunden ist. Nur, das Glück ist beschränkt auf Auto fahrende Menschen. Und die anderen?

Was verhindert die subventionierte Zurverfügungstellung von Parkplätzen eigentlich?
Parkplätze verhindern breite Gehsteige für FußgängerInnen
Parkplätze verhindern Baumalleen in den Straßenräumen
Parkplätze verhindern Grünflächen zum Ausruhen
Parkplätze verhindern Parkbänke für einen Plausch
Parkplätze verhindern ein durchgehendes Radwegenetz

Und, bitte jetzt nicht missverstehen. Es geht nicht darum, das Auto per se zu verteufeln. Ich wünsche mir eine andere Sicht auf dieses Ding. Denn, Grün könnten wir viel haben, wenn wir Straßen vielfältiger gestalten würden. 


Die Wahl in Deutschland

Was hat die Wahl in Deutschland mit meinem Fachbereich Mobilität zu tun? Gar nichts. Und trotzdem muss ich dazu schreiben. Liebe Deutsche BürgerInnen - zieht euch warm an, in eurem Land wird es kalt. Vor der ungebremste, neoliberale Welle, die nun über dieses Land schwappen wird, graut es mir jetzt schon. Die "Leistungsträger" werden sich bedienen. Und der Rest? Selber schuld, täten sie leisten, könnten sie sich auch was leisten. 


Emile-Bethouart-Steg II.

Nun hat auch die JVP erkannt, dass der Emile-Bethouart-Steg eine wichtige Radwegverbindung ist ().

Aber es geht jetzt nicht darum, wer als erster das Thema zur Sprache gebracht hat, sondern wie wir zu einer Lösung kommen.

Problem Richtlinien: Dieses Regelwerk gibt vor, wie was gebaut werden soll. Wenn die Richtlinien auf Punkt und Beistrich für alles umgesetzt werden müssten, dann könnten wir Innsbruck zumachen. Das Regelwerk beschäftigt sich auch nicht mit denkmalgeschützten Stegen und, wie ich in Erfahrung bringen konnte, wollen die MacherInnen des Regelwerks auch nicht alles ins Detail ausarbeiten, Ausnahmen sind sogar erwünscht. Werden die Richtlinien also als Ausrede fürs Nichthandeln verwendet?

Klar ist auch, dass aufgrund der Nähe des Altersheimes sich mehr alte Leute auf dem Steg tümmeln, als anderswo. Wird hier ein Generationenkonflikt herbeigeredet, der so gar nicht existiert? Ich bezweifle stark, dass bei Freigabe des Steges plötzlich der Run entsteht und alle RadfahrerInnen sich auf den Steg stürzen und die alten Menschen niederfahren.

Problem Denkmalamt: Was hat die Stadtregierung nicht schon alles gegen den Willen des Denkmalamtes in den letzten Jahren durchgesetzt. Und bei diesem Steg soll plötzlich das Denkmalamt der große Verhinderer sein? Das glaub i jetzt nit.

Bin ich jetzt zu blauäugig? Es wird sich doch eine Lösung finden lassen? Was meint ihr? 



Wir habens ja

Österreich ist meilenweit entfernt vom Kyoto-Ziel und die SteuerzahlerInnen dürfen seit 2008 90 Mio. Euro jährlich für den Zukauf von CO2-Zertifikaten berappen. Ab 2012 wird es so richtig teuer - ca. 500 Mio. Euro jährlich. Wunderbar. Als wenn wir diese vielen Millionen Euros nicht für Wichtigeres bräuchten, wie Bildung zum Beispiel.

Seit Jahren klettern die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich, vermeintlich unaufhaltsam, nach oben. Ich weiß schon, dass va. für Tirol behauptet wird, die bösen bösen Nicht-ÖsterreicherInnen, die im Grenzgebiet tanken, sind schuld daran. Ja, und die Frächter nicht zu vergessen. Nur, Tirol ist nicht Österreich. Diese Argumentation lenkt doch nur ab vom eigentlichen Problem. Steuerungsmaßnahmen, um vom Sitzen wieder zum Gehen zu kommen, gäbe es genug. Aber, wehe, ÖAMTC und ARBÖ wissen das geschickt zu verhindern. 




Nachfahrverbot für Mopeds

Gestern Abend fand im "Grauen Bären" eine Diskussionsrunde zum Thema: "Nachfahrverbot für Mopeds aufheben - Ja oder Nein" statt. Am Podium waren ein Vertreter der Polizei, Franz Gruber, Walter Peer, Patrizia Zoller-Frischauf, Christian Kogler und meine Wenigkeit. Christian Kogler fordert schon seit einiger Zeit das ersatzlose Streichen des Verbots, weswegen das Stadtblatt die Diskussion organisierte. Das Interesse der BürgerInnen und va. der Jugendlichen war mäßig (was höchstwahrscheinlich auch am Veranstaltungsort selbst lag).

Das Nachtfahrverbot existiert seit den 70er Jahren und wurde vorrangig als Lärmschutzmaßnahmen verordnet. Wir Grünen verstehen die Sorgen der BürgerInnen, die sich über die, leider auch hochgetunten Mopeds, ärgern. Der Lärm ist ja wirklich nervtötend. Die Mopeds können recht leicht entdrosselt werden, was dann zu den hohen Lärmfrequenzen führt, weil die Schalldämpfung nicht darauf ausgelegt ist. 

Wir möchten als Alternative die Förderung von Elektro-Scootern, die als Anreiz vom Nachtfahrverbot ausgenommen werden sollen. Das bringt auch untertags weniger Lärmstörungen. Klar, Elektro-Scootern fehlt noch etwas der Coolheitsfaktor, aber der lässt sich mittels entsprechender Kampagnen  verändern. Ziel muss sein, dass es zukünftig attraktiv ist, mit E-Scootern die neue Freiheit zu genießen. Die Wirkung neuer Technologien auf Jugendliche tut ihr übriges. Klar kann man nicht alle überzeugen, einige wenige werden übrigbleiben, die immer noch dem alten Mythos, je lauter desto stärker, anhängen werden.  

Deshalb wurde gestern vereinbart, eine Lärmschutzverordnung auszuarbeiten, in der alle Fahrzeuge mit erhöhten Lärmwerten fallen, also auch aufgetunte Motorräder und Autos. Das ist eine vernünftige Alternative. Ziel muss aber bleiben, den Weg zu den Jugendlichen (und auch Erwachsenen) für die neuen Technologien zu ebnen.

Übrigens. Wer sich am meisten gewunden hat und sich als einziger nicht festlegen wollte, war unser Verkehrsstadtrat. Mein Kollege Martin hat dazu einen köstlichen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen: http://www.martinhof.net/2009/09/walter-peer-symptom-der-spo.html


Wie kommen Bus und Tram besser voran

Hier ein interessanter Link mit informativem Filmchen, warum Bus und Tram nicht gscheit weiter kommen. Abgesehen davon, dass Verspätungen für die Leutln nervig sind + ein Servicemanko, kostet der Spaß auch einiges. Dieses Geld fehlt dann natürlich wieder für Fahrplanverdichtungen und -erweiterungen. Nehmt euch Zeit und schaut euch den Film an.

Wo gehst du gerne?

Unsere Stadt bietet recht hübsche Gehwege, aber auch solche, bei denen man am liebsten gleich wieder verschwindet. 
Wo gehst du gerne? Welchen Abschnitten auf deinem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, für die Freizeit gibst du ein Plus und welchen ein Minus. Geh einmal bewusst deine täglichen Strecken, mach Fotos und mail sie mir mit deinen Kommentaren und Gedanken zu. Wenn gewünscht, kann ich die Fotos dann auch auf dem Blog veröffentlichen.




Karwendelbrücke


Auch bei der Karwendelbrücke wurde ja fleißig von der Polizei abgestraft. Kann mir bitte jemand erklären, wie man Rad schiebend aneinander vorbei kommen soll? Soll ich das Rad im Begegnungsfall über die Brücke hinaushängen? Oder wie?

Leider wurde bei der Sanierung der Eisenbahnbrücke verabsäumt, mit der ÖBB (ist nämlich ihr Eigentum) gscheit zu verhandeln. Ist ja alles viel zu kompliziert, schließlich geht es nur um die vernachlässigbaren FußgängerInnen und RadfahrerInnen.


Radfahren und der liebe Emile-Bethouart-Steg

Es ist noch nicht lange her, da wurden RadfahrerInnen am Emile-Bethouart-Steg gestraft. Abgesehen davon, dass ich das eine blödsinnige Aktion finde, sind die Postings zum Artikel sehr bedenklich. Mit wie viel Hass RadfahrerInnen bedacht werden. Die wenigen vernünftigen Postings werden gnadenlos niedergebügelt (wer es nachlesen will hier klicken).

 

Es ist auch noch gar nicht lange her, dass eine Studie gemacht wurde, den Steg abzureißen und für den Autoverkehr neu zu errichten.

 

Verkehrte Welt? Nein, das ist die Philosophie der Stadtkoalition.

 

Den denkmalgeschützten Steg für RadfahrerInnen zu öffnen, soll nach den gültigen Richtlinien nicht möglich sein, ihn aber abzureißen und für den Autoverkehr zu adaptieren, wurde sehrwohl angedacht.

 

PS: Übringens hätte ich gerne das Gutachten nach den aktuellen Richtlinien, das das Autofahren in der viel zu engen Höttinger Gasse (beim Innkeller) erlaubt. Der Gehsteig unterschreitet um ein vielfaches die gültige Norm.



Lasst uns den Mythos huldigen

Nicht glauben, das beträfe nur das Land Tirol und hat mit Innsbruck nichts zu tun. Alle 3 Sozialinitiativen haben ihren Sitz in Innsbruck und die Stadt Innsbruck ist für diese Beträge eingesprungen, damit sie weiterlaufen können.






Hohes Unfallrisiko


Mehr als die Hälfte der tödlich verunglückten FußgängerInnen ist älter als 65 Jahre (2008: 102, VCÖ).  Stress und Angst, nicht über die Straße zu kommen, führen bei alten Menschen zu Rückzug und zum schleichenden Verlust ihres Selbstvertrauens. Gerade für alte Menschen ist Gehen die wichtigste Form der Mobilität.   

Vor allem bei ungeregelten Schutzwegen kommt es am häufigsten zu Unfällen. Unaufmerksam, Handy-telefonierend oder mit zu hoher Geschwindigkeit betrachten AutofahrerInnen die Straße als ihr alleiniges Eigentum. Bei 50 km/h haben FußgängerInnen bereits eine 40%ige Chance, bei einer Kollision mit einem Auto tot zu sein. Alte, Kinder und Jugendliche sind die am meisten Gefährdeten.

Nun könnte ich zynisch anmerken, dass die Pensionskassen sich darüber freuen oder behaupten, alte Menschen sind eh nur ein Kostenfaktor und sollen gefälligst den AutofahrerInnen nicht auf die Nerven gehen. Aber HALLO! Was für eine Gesellschaft ist das, die langsameren Menschen nicht ihre Zeit gewährt und ihre Bedürfnisse ignoriert? 

Hohe Autoverkehrsdicht, hohes Geschwindigkeitsniveau und Stadt vertragen sich nicht. Die Dominanz der einen Gruppe geht zu Lasten der FußgängerInnen. Wir brauchen mehr attraktiv gestaltete 30er-Zonen (nicht nur ein 30er-Symbol auf die Straße pinseln), breite Gehsteige, Bäume, Bänke. Ich weiß schon, dass das die Autolobby nicht freut. Die tödlichen Unfälle der zu Fuß gehenden (und jedeR totgefahrene oder verletzte FußgängerInnen ist eineR zuviel) sprechen aber eine eindeutige Sprache. Runter mit dem Tempo und her mit Aufenthaltsqualität.



Geschwindigkeit oder Vereinsamung

Ältere FußgängerInnen haben ein anderes Mobilitätsverhalten als jüngere. Leider berücksichtigt die derzeitige Verkehrsplanung die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Generationen nicht. 

Die viel zu kurzen Grünphasen bei Zebrastreifen führen zu Verunsicherung und erhöhtem Stress, mangelnde Sitzmöglichkeiten zum Ausrasten erschweren die selbstständige Versorgung und die schmalen Gehsteige vermitteln permanent das Gefühl, im Weg zu sein. Gerade für Menschen ab 70Plus ist es wichtig, ihre Mobilität für Selbstversorgung und für einen Plausch auf der Straße zu erhalten. Ansonsten droht Vereinsamung. Die Politik kann Vereinsamung nicht gänzlich verhindern, aber sie kann sie mit ihren Vorgaben beschleunigen oder verlangsamen. Zurzeit beschleunigt die Politik.

Verantwortungsvolles Planen muss alle Lebensabschnitte gleichberechtigt berücksichtigen. Das heißt, dass Jüngere, Schnellere und Mobilere Rücksicht nehmen müssen. Attraktive fußläufige Infrastruktur kommt im Endeffekt ja allen zu gute. 

Gleichberechtigung, Wertschätzung und Sicherheit für Alte, gilt übrigens auch für Kinder, Jugendliche und mobilitätseingeschränkte Menschen.


Wie viel Zeit gestehen wir unseren alten Menschen zu?




Unsere Gesellschaft behandelt das Alter als Defizit. Alte Menschen haben teilweise Schwierigkeiten mit der raschen Erfassung komplexer Verkehrssituationen, ihr Reaktionsvermögen ist langsamer, das Seh- und Hörvermögen lässt nach und sie können nicht mehr in 5 Sekunden über den Zebrastreifen hüpfen.  Ja und, das ist doch kein Defizit, das ist der Lauf des Lebens. Wir alle werden alt. Für alte Menschen sind die künstlich geschaffenen Barrieren, die die autogerechte Planung produziert, ein großer Nachteil und schließt sie aus.  

Ältere Menschen fühlen sich gestresst, wenn sie die andere Straßenseite nicht bei Grün erreichen. Je höher die Autoverkehrsfrequenz, desto mehr werden FußgängerInnen über den Zebrastreifen gehetzt oder dürfen auf Mittelinseln ausharren. Dafür gibt es genug Beispiele in Innsbruck. Die Ampelschaltungen sind nicht an die Bedürfnisse der FußgängerInnen, sondern der AutofahrerInnen, angepasst. 

Natürlich kann man einwenden, dass ja auch noch die Räumphase (dh. es ist bereits rot) als Querungszeit gilt. Nur wissen das offensichtlich die AutofahrerInnen nicht, die hupend und genervt die FußgängerInnen stressen.

Die Norm

Ausgehend vom Regelwerk für Straßenverkehr müssen FußgängerInnen 1 Meter pro Sekunde schaffen, um in die Norm zu passen. Nun, alte Menschen schaffen das meist nie. Abgesehen davon beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 80 cm pro Sekunde. Das findet in der Verkehrsplanung allerdings keine Beachtung. Was ist aber wichtiger?



JedeR VerkehrsteilnehmerIn ist auch FußgängerInnen


Wenigstens ein Hund hat Platz

Die Straße ist der Ort, wo sich die Qualität einer Stadt zeigt. Können FußgängerInnen ein attraktives Umfeld genießen oder müssen sie im Gänsemarsch zwischen Häusern und abgestellten Autos gehen? Müssen sie sich schreiend unterhalten oder können sie angenehm miteinander plauschen? Gibt es genug Sitzmöglichkeiten oder sind FußgängerInnen zum Stehen/Gehen angehalten? 

FußgängerInnen verhalten sich intuitiv, bleiben spontan stehen, wechseln plötzlich die Richtung und  gehen mal langsam, mal schnell. FußgängerInnen bringen auch je nach Alter unterschiedliche persönliche Eigenheiten und Fähigkeiten mit. JedeR kennt das selbst. Zu ihrer eigenen Sicherheit werden FußgängerInnen aber auf ihren Platz verwiesen – den Gehsteig. Sicherheitsbedingte Einschränkungen sollten jedoch bei den VerursacherInnen vorgenommen werden, die die Gefahr für andere schaffen und nicht bei denjenigen, die keine Gefahr sind.
Der Gehsteig ist der letzte öffentliche Raum einer Straße, wo Kommunikation stattfinden kann und den jedeR nach Lust und Laune benützen kann. Fahrbahnen und Parkstreifen sind nicht-öffentlich und sind für den Autoverkehr reserviert, Querungen nur dort möglich, wo es verkehrsplanerisch für den Autoverkehr günstig ist.

Was bietet Innsbruck den FußgängerInnen? Für Gehsteige bleibt nur die Restfläche des Straßenraumes übrig. Er sollte 1,5 m nicht unterschreiten, aber selbst das wird nicht überall eingehalten, wobei es nicht am Platz an sich scheitern würde. Der ist vorhanden, muss aber besser organisiert werden. Die neuen Vorgaben, dass ein neu zu errichtender Gehsteig, wenn möglich, 2 m breit sein sollte, wird als große Errungenschaft gefeiert.
 
Das Blickfeld der FußgängerInnen ist nicht auf die Windschutzscheibe beschränkt. Deshalb brauchen sie ein attraktives Umfeld, Bäume, Platz und Sitzmöblierung zum Ausrasten und Plauschen. Der Platz für Parkraum ist unhinterfragt, der Platz für Sitzmöglichkeiten lässt sogleich die Wogen hochgehen. Aber gerade die Möglichkeit, sich hinzusetzen ist für alte Menschen wichtig, um ihre täglichen Erledigungen zu bewältigen. Aber auch alle anderen FußgängerInnen setzen sich mal gerne hin.
Die Infrastruktur für FußgängerInnen in Innsbruck ist weder kindgerecht noch altengerecht, von barrierefrei ist sie noch weit entfernt. Gehsteigabsenkungen im Kreuzungsbereich sind gut, bringen den FußgängerInnen aber nur punktuell Verbesserungen.  
Wir erziehen unsere Kinder autoverkehrsgerecht, anstatt umgekehrt, wir hetzen die alten Menschen über die Straße, anstatt dass wir uns ihrer Geschwindigkeit anpassen. Mobilitätsbehinderte Menschen müssen einen Hindernisparcour bewältigen. Bei den Ampeln gestehen wir den FußgängerInnen die verbleibende Restzeit zu, dh. je mehr Autos eine Kreuzung passieren, desto weniger Zeit bleibt für querende FußgängerInnen.

Innsbruck hat einen hohen Aufholbedarf. Außer dem innersten Bereich des Zentrums der Stadt sind FußgängerInnen leider nicht willkommen. Je mehr Platz eine Stadt aber FußgängerInnen gibt, desto mehr Kommunikation findet statt und desto sicherer wird eine Stadt. Wo sich viele Menschen zu Fuß bewegen, lebt der Einzelhandel auf, was eine Stadt wiederum attraktiv für Menschen macht. Ein Kreislauf, der keine Beachtung findet.


Nun ....

... fahr ich mit meiner Familie 3 Wochen auf Urlaub. Daher gibt es in nächster Zeit keine aktuellen Einträge. Bis später.


Der grüne Kinderwagen II in Hötting

Hötting Dorf hat eine gewachsene alte und streckenweise verwinkelte Struktur, die autogerecht angepasst wurde. Gehsteige sind zu Gunsten von Parkmöglichkeiten viel zu schmal, die spärlich vorhandenen Zebrastreifen manchmal recht lustig (siehe Film). Wobei es in diesem Stadtteil großteils gar keine Zebrastreifen bräuchte, wenn  mehr aufeinander Acht gegeben würde. Die Gassen sind schmal, eine Querung jederzeit möglich, sodass nicht an jeder Ecke die Regulierungswut fröhliche Urstände feiern müsste.



Der Ruf nach Zebrastreifen resultiert wohl aus der Rücksichtslosigkeit der, leider, meisten AutofahrerInnen. Als ich mit dem grünen Kinderwagen unterwegs war, war das Queren der Straße kein Problem (weil ja auch viel zu auffällig). Alleine stellte sich das schon wieder ganz anders dar. Warten, warten, warten und wenn ich es dann doch wagte, die Straße zu betreten, wurde ich angehupt bis angepöbelt. „Weg da, das ist meins“ ist wohl die Devise viele AutofahrerInnen. Eigentlich ginge es ja ganz einfach: den Besitzanspruch runter, die Rücksicht rauf. 

Die Straßenverkehrsordnung untermauert diesen Besitzanspruch:
§ 78, Abs. 5: Fußgänger haben die Fahrbahn in angemessener Eile zu überqueren. Außerhalb von Schutzwegen haben sie den kürzesten Weg zu wählen; hiebei dürfen sie den Fahrzeugverkehr nicht behindern.

In einer Stadt müsste es umgekehrt heißen – „... hiebei darf der Fahrzeugverkehr NICHT die FußgängerInnen behindern“.  Davon sind wir aber weit entfernt.

Die viel zu schmalen Gehsteige ließen sich auch ändern. Das hat schon wieder was mit dem Besitzanspruch zu tun. Dinge = Auto ist mehr wert als FußgängerIn. Der/die BesitzerIn des Dinges macht auch lautstark auf sich aufmerksam, wenn der Besitzanspruch in Frage gestellt wird. Nun, das Auto per se ist ja nicht schlecht, nur welche Dominanz ihm zugesprochen wird und wie Städte dadurch zu lasten aller anderen verändert wurden, muss neu überdacht werden. 

Hötting Dorf ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Bedürfnisse von FußgängerInnen ignoriert werden. Spazieren Sie/spaziere du einfach mal durch diesen an sich schönen Stadtteil. 



Soko Rad*

Im letzten Gemeinderat unternahm eine Partei, die nichts anderes kennt als Ausschluss, einen Vorstoß, RadfahrerInnen als das Übel schlechthin hinzustellen. „In einem dicht verbauten und durch motorisierten Verkehr gut frequentierten Stadtgebiet wie Innsbruck, stellt das Radfahren ... ein erhebliches Gefahrenpotential dar.“ Es brauche unbedingt eine Eingreiftruppe, um eine hohe Kontrolldichte zu gewährleisten. Diese solle per Fahrrad oder per Pferd unterwegs sein. Ja, wenn man bedenkt, welcher Ideologie dieser Gedanke entspringt, ist schon verständlich, dass das Glück ausschließlich über den Besitz eines Autos erreicht werden kann. Hatten wir schon mal. 

Die Maria-Theresien-Straße ist für dieselbe Partei immer noch der Aufreger schlechthin. Sie bemühte sich zum x-ten Mal, Radfahren in eben dieser Straße zu verbieten. „Die Installation von Gastgärten und eine durch den Erholungswert der Fußgänger erhöhte Besucherfrequenz lassen eine weitere Erhöhung der Unfallgefahr befürchten.“ (Nicht wundern ob der Formulierung, das ist original zitiert. Ich empfehle den Jungs den Besuch eines Deutschkurses.) Aber weiter. Da wir aufgrund unserer „geräuschlosen Fortbewegungsart“ von FußgängerInnen nicht wahrgenommen werden können, kommt es zum „oft folgenschweren“ Zusammenstoß. Ich empfehle weiters das Studieren der Unfallstatistiken, anhand derer erkennbar ist, wer für welche folgenschweren Unfälle verantwortlich ist.  
Vielleicht sollten wir zwitschern wie Vögel, damit wir gehört werden. Da wir uns ja in heimtückischer Art und Weise, von hinten an FußgängerInnen anschleichen, um diese in Angst und Schrecken zu versetzen, könnte das Gezwitscher einer ansonsten hinterhältigen Gruppe positive Stimmung schaffen.

Wen es übrigens interessiert, was Innsbrucks RadfahrerInnen gerne verbessert hätten, wo es Gefahrenstellen gibt und wo gute Lösungen umgesetzt wurden, kann über den Link "radlspur.at" auf diesem Blog oder direkt über www.radlspur.at mitmachen.



*Der Name stammt übrigens nicht von mir, sondern von einem auch in heimtückischer Weise sich fortbewegenden Bekannten. 


Nebenwirkungen erwünscht

Nun geht es wohl los und die Verlängerung der 3er-Linie zum Linserareal kann angegangen werden. Ich möchte hier nicht auf einzelne Problempunkte eingehen, sondern auf die Möglichkeiten, die der Bau einer Straßenbahn/Regionalbahn einer Stadt bieten kann. In Frankreich gibt es zurzeit einen unglaublichen Boom an Straßenbahnbau. Die Stadtverantwortlichen verfolgen dabei 2 Ziele. Erstens den Autoverkehr mit all seinen Problemen (Platzverbrauch, Stau, Lärm, Abgase) zurückzudrängen und zweitens mittels Stadtraumgestaltung den BewohnerInnen Raum zurückzugeben. Was ich favorisiere, dürfte klar sein, sobald Sie/du die Bildergalerie angeschaut haben/hast. Hier liegt ein unglaubliches Potential, das wir aufgreifen können oder brachliegen lassen.



Kuriositäten aus dem Land Tirol

Zurzeit wird die Tiroler Bauordnung reformiert. Wir (mein Kollege Gebi Mair und ich) nutzten die Gelegenheit, leicht zugängliche Fahrradabstellanlagen bei Neubauten gesetzlich zu verankern. Für die Abstellmöglichkeiten der Autos besteht das nämlich schon lange. Nun, einige Kuriositäten der Begründung möchte ich Ihnen/euch nicht vorenthalten.

„Eine generelle gesetzliche Verpflichtung wäre überschießend und ist daher abzulehnen. Außerdem ist ein Automatismus von einem Stellplatz für Fahrräder je vorgeschriebenen Stellplatz für Kraftfahrzeuge sachlich nicht begründbar.“

AH SO, warum denn? Der Automatismus fürs Abstellen des Autos herrscht schon lange, warum soll dieser Automatismus, der unhinterfragt für Autos angewendet wird, nicht für Fahrräder gelten?

Und weiter:

„Dies würde insbesonders im Zusammenhang mit öffentlichen Gebäuden bzw. mit Gebäuden, in denen sich regelmäßig eine große Zahl von Personen aufhält, im innerstädtischen Bereich zu räumlichen bzw. ästhetischen Problemen führen (zB. neues Kaufhaus Tyrol in der Maria-Theresien-Straße ...)“

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Erstens hat das Kaufhaus Tyrol 2 Eingänge und daher braucht es nicht zwingend in der Maria-Theresien-Straße eine Abstellmöglichkeit. Es bietet sich auch die Erlerstraße an. Zweitens sehe ich räumlich kein Problem, weil es in diesem Gebiet vor unausgelasteten Tiefgaragenplätzen nur so wimmelt und Parkstreifen für Autos an der Oberfläche durchaus für Radabstellanlagen geeignet sind. Und drittens, wo ist das ästhetische Problem? Abgestellte Autos sind offensichtlich ein ästhetisches Highlight, wohingegen ein abgestelltes Fahrrad ein Designdesaster darstellt.




Und zum Schluss:

Da es gesetzlich vorgeschrieben ist, pro Wohnung mindestens 1en Autoabstellplatz einzuplanen, kann man derzeit von einer „Autofreien Siedlung“ nur träumen. Es geht gesetzlich einfach nicht. Dass sich Räume und Bedürfnisse der Menschen, vor allem im städtischen Umfeld ändern, will in die Köpfe der Bauordnungs-Bastler nicht hinein.

„Hinsichtlich der ebenfalls in der Entschließung geforderten Änderung der TBO 2001 dahingehend, dass eine Mindestanzahl von KFZ-Stellplätzen im Einzelfall generell entfallen kann, ist festzuhalten, dass dabei vollkommen ungeklärt bleibt, wo die KFZ der Benutzer von so genannten „Autofreien Siedlungen“ abgestellt werden sollen. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass in derartigen Siedlungen nur Menschen wohnen dürfen, die über kein Kraftfahrzeug verfügen.“

Da hat wohl jemand was nicht verstanden und kann sich unmöglich vorstellen, dass Mensch ohne Auto unglaublich glücklich sein kann. Im Fall einer „autofreien Siedlung“ geht es schließlich nicht um DÜRFEN, sondern um WOLLEN.



Herzlich Willkommen ...

... auf meinem Blog. Hier soll ein Diskussionsforum entstehen und unterschiedliche Ideen, Vorschläge und Gedanken zusammengeführt werden. Ich werde Sie/dich sicherlich nicht mit Geschichten à la „was ich heute tue“ langweilen. In diesem Forum sollen die unterschiedlichsten Kompetenzen sichtbar werden, dh. Sie/du bist aufgefordert, sich einzubringen. Eines ist mir noch wichtig. Ich bitte um respektvollen Umgang miteinander, für Beschimpfungen ist hier kein Platz.

In den Schuhen einer/eines anderen gehen



Zu Fuß gehen tut jedeR. Trotzdem werden den FußgängerInnen nur die Restflächen im gesamten Straßenraum zugestanden. Und diese Restflächen sind noch gespickt mit Hindernissen – Stangen für Straßenschilder, behindernde Müllcontainer, viel zu kurze Ampelphasen, fehlende Querungsmöglichkeiten, geparkte Autos ... Von barrierefrei kann keine Rede sein.

Der grüne Kinderwagen dient als Symbol. Mit Kinderwagen unterwegs sein, heißt, langsam unterwegs sein, anderen FußgängerInnen im Weg zu sein, nicht queren zu können, wo man möchte oder von am Gehsteig parkenden AutofahrerInnen zum Stopp genötigt zu werden.

Mehr Platz ist möglich

Verkehrsplanung wird von Erwerbstätigen für Erwerbstätige gemacht. Im Blickfeld der Planung ist daher hauptsächlich die Sicherheit, Flüssigkeit und Leichtigkeit des Autoverkehrs. Das muss aber nicht so sein. Eigentlich sind FußgängerInnen eine starke Lobby.
Wer geht zu Fuß?
  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene mit Kleinkindern/Kinderwagen
  • Mobilitätseingeschränkte Menschen
  • Alte Menschen
  • All jene, die kein Auto besitzen
Zusammen betrachtet sind diese BenutzerInnengruppen keine Randgruppe. In einer Stadt sind es mehr als 50%. Dazu kommen noch RadfahrerInnen und Öffi-BenutzerInnen, die ebenfalls viele Wege zum Ziel zu Fuß bestreiten. Aber ist die Infrastruktur darauf ausgerichtet? Sind wir als FußgängerInnen willkommen in unserer Stadt? Welches Umfeld brauchen wir, um gehen zu genießen?
Wir brauchen eine hohe Aufenthaltsqualität, dh. Bäume, Sitzmöblierung zum Plauschen und Ausrasten, genügend Platz, um nicht im verkehrsplanerisch gedachten Gänsemarsch hintereinander gehen zu müssen. Eine Stadt lebt von FußgängerInnen.



Ihre/deine Mithilfe ist gefragt

Gehen Sie/geh du bewusst durch Ihren/deinen Stadtteil. Erstelle bitte eine Positiv-/Negativliste der vorhandenen Infrastruktur und veröffentlicht diese auf diesem Blog. Auch Fotos sind super. Einfach an meine email-adresse senden und ich erstelle eine Fotogalerie. Wir kommen auch gerne mit dem grünen Kinderwagen vorbei und drehen gemeinsam einen Film.

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