Kuriositäten aus dem Land Tirol

Zurzeit wird die Tiroler Bauordnung reformiert. Wir (mein Kollege Gebi Mair und ich) nutzten die Gelegenheit, leicht zugängliche Fahrradabstellanlagen bei Neubauten gesetzlich zu verankern. Für die Abstellmöglichkeiten der Autos besteht das nämlich schon lange. Nun, einige Kuriositäten der Begründung möchte ich Ihnen/euch nicht vorenthalten.

„Eine generelle gesetzliche Verpflichtung wäre überschießend und ist daher abzulehnen. Außerdem ist ein Automatismus von einem Stellplatz für Fahrräder je vorgeschriebenen Stellplatz für Kraftfahrzeuge sachlich nicht begründbar.“

AH SO, warum denn? Der Automatismus fürs Abstellen des Autos herrscht schon lange, warum soll dieser Automatismus, der unhinterfragt für Autos angewendet wird, nicht für Fahrräder gelten?

Und weiter:

„Dies würde insbesonders im Zusammenhang mit öffentlichen Gebäuden bzw. mit Gebäuden, in denen sich regelmäßig eine große Zahl von Personen aufhält, im innerstädtischen Bereich zu räumlichen bzw. ästhetischen Problemen führen (zB. neues Kaufhaus Tyrol in der Maria-Theresien-Straße ...)“

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Erstens hat das Kaufhaus Tyrol 2 Eingänge und daher braucht es nicht zwingend in der Maria-Theresien-Straße eine Abstellmöglichkeit. Es bietet sich auch die Erlerstraße an. Zweitens sehe ich räumlich kein Problem, weil es in diesem Gebiet vor unausgelasteten Tiefgaragenplätzen nur so wimmelt und Parkstreifen für Autos an der Oberfläche durchaus für Radabstellanlagen geeignet sind. Und drittens, wo ist das ästhetische Problem? Abgestellte Autos sind offensichtlich ein ästhetisches Highlight, wohingegen ein abgestelltes Fahrrad ein Designdesaster darstellt.




Und zum Schluss:

Da es gesetzlich vorgeschrieben ist, pro Wohnung mindestens 1en Autoabstellplatz einzuplanen, kann man derzeit von einer „Autofreien Siedlung“ nur träumen. Es geht gesetzlich einfach nicht. Dass sich Räume und Bedürfnisse der Menschen, vor allem im städtischen Umfeld ändern, will in die Köpfe der Bauordnungs-Bastler nicht hinein.

„Hinsichtlich der ebenfalls in der Entschließung geforderten Änderung der TBO 2001 dahingehend, dass eine Mindestanzahl von KFZ-Stellplätzen im Einzelfall generell entfallen kann, ist festzuhalten, dass dabei vollkommen ungeklärt bleibt, wo die KFZ der Benutzer von so genannten „Autofreien Siedlungen“ abgestellt werden sollen. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass in derartigen Siedlungen nur Menschen wohnen dürfen, die über kein Kraftfahrzeug verfügen.“

Da hat wohl jemand was nicht verstanden und kann sich unmöglich vorstellen, dass Mensch ohne Auto unglaublich glücklich sein kann. Im Fall einer „autofreien Siedlung“ geht es schließlich nicht um DÜRFEN, sondern um WOLLEN.