JedeR VerkehrsteilnehmerIn ist auch FußgängerInnen


Wenigstens ein Hund hat Platz

Die Straße ist der Ort, wo sich die Qualität einer Stadt zeigt. Können FußgängerInnen ein attraktives Umfeld genießen oder müssen sie im Gänsemarsch zwischen Häusern und abgestellten Autos gehen? Müssen sie sich schreiend unterhalten oder können sie angenehm miteinander plauschen? Gibt es genug Sitzmöglichkeiten oder sind FußgängerInnen zum Stehen/Gehen angehalten? 

FußgängerInnen verhalten sich intuitiv, bleiben spontan stehen, wechseln plötzlich die Richtung und  gehen mal langsam, mal schnell. FußgängerInnen bringen auch je nach Alter unterschiedliche persönliche Eigenheiten und Fähigkeiten mit. JedeR kennt das selbst. Zu ihrer eigenen Sicherheit werden FußgängerInnen aber auf ihren Platz verwiesen – den Gehsteig. Sicherheitsbedingte Einschränkungen sollten jedoch bei den VerursacherInnen vorgenommen werden, die die Gefahr für andere schaffen und nicht bei denjenigen, die keine Gefahr sind.
Der Gehsteig ist der letzte öffentliche Raum einer Straße, wo Kommunikation stattfinden kann und den jedeR nach Lust und Laune benützen kann. Fahrbahnen und Parkstreifen sind nicht-öffentlich und sind für den Autoverkehr reserviert, Querungen nur dort möglich, wo es verkehrsplanerisch für den Autoverkehr günstig ist.

Was bietet Innsbruck den FußgängerInnen? Für Gehsteige bleibt nur die Restfläche des Straßenraumes übrig. Er sollte 1,5 m nicht unterschreiten, aber selbst das wird nicht überall eingehalten, wobei es nicht am Platz an sich scheitern würde. Der ist vorhanden, muss aber besser organisiert werden. Die neuen Vorgaben, dass ein neu zu errichtender Gehsteig, wenn möglich, 2 m breit sein sollte, wird als große Errungenschaft gefeiert.
 
Das Blickfeld der FußgängerInnen ist nicht auf die Windschutzscheibe beschränkt. Deshalb brauchen sie ein attraktives Umfeld, Bäume, Platz und Sitzmöblierung zum Ausrasten und Plauschen. Der Platz für Parkraum ist unhinterfragt, der Platz für Sitzmöglichkeiten lässt sogleich die Wogen hochgehen. Aber gerade die Möglichkeit, sich hinzusetzen ist für alte Menschen wichtig, um ihre täglichen Erledigungen zu bewältigen. Aber auch alle anderen FußgängerInnen setzen sich mal gerne hin.
Die Infrastruktur für FußgängerInnen in Innsbruck ist weder kindgerecht noch altengerecht, von barrierefrei ist sie noch weit entfernt. Gehsteigabsenkungen im Kreuzungsbereich sind gut, bringen den FußgängerInnen aber nur punktuell Verbesserungen.  
Wir erziehen unsere Kinder autoverkehrsgerecht, anstatt umgekehrt, wir hetzen die alten Menschen über die Straße, anstatt dass wir uns ihrer Geschwindigkeit anpassen. Mobilitätsbehinderte Menschen müssen einen Hindernisparcour bewältigen. Bei den Ampeln gestehen wir den FußgängerInnen die verbleibende Restzeit zu, dh. je mehr Autos eine Kreuzung passieren, desto weniger Zeit bleibt für querende FußgängerInnen.

Innsbruck hat einen hohen Aufholbedarf. Außer dem innersten Bereich des Zentrums der Stadt sind FußgängerInnen leider nicht willkommen. Je mehr Platz eine Stadt aber FußgängerInnen gibt, desto mehr Kommunikation findet statt und desto sicherer wird eine Stadt. Wo sich viele Menschen zu Fuß bewegen, lebt der Einzelhandel auf, was eine Stadt wiederum attraktiv für Menschen macht. Ein Kreislauf, der keine Beachtung findet.


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