Nun ....

... fahr ich mit meiner Familie 3 Wochen auf Urlaub. Daher gibt es in nächster Zeit keine aktuellen Einträge. Bis später.


Der grüne Kinderwagen II in Hötting

Hötting Dorf hat eine gewachsene alte und streckenweise verwinkelte Struktur, die autogerecht angepasst wurde. Gehsteige sind zu Gunsten von Parkmöglichkeiten viel zu schmal, die spärlich vorhandenen Zebrastreifen manchmal recht lustig (siehe Film). Wobei es in diesem Stadtteil großteils gar keine Zebrastreifen bräuchte, wenn  mehr aufeinander Acht gegeben würde. Die Gassen sind schmal, eine Querung jederzeit möglich, sodass nicht an jeder Ecke die Regulierungswut fröhliche Urstände feiern müsste.



Der Ruf nach Zebrastreifen resultiert wohl aus der Rücksichtslosigkeit der, leider, meisten AutofahrerInnen. Als ich mit dem grünen Kinderwagen unterwegs war, war das Queren der Straße kein Problem (weil ja auch viel zu auffällig). Alleine stellte sich das schon wieder ganz anders dar. Warten, warten, warten und wenn ich es dann doch wagte, die Straße zu betreten, wurde ich angehupt bis angepöbelt. „Weg da, das ist meins“ ist wohl die Devise viele AutofahrerInnen. Eigentlich ginge es ja ganz einfach: den Besitzanspruch runter, die Rücksicht rauf. 

Die Straßenverkehrsordnung untermauert diesen Besitzanspruch:
§ 78, Abs. 5: Fußgänger haben die Fahrbahn in angemessener Eile zu überqueren. Außerhalb von Schutzwegen haben sie den kürzesten Weg zu wählen; hiebei dürfen sie den Fahrzeugverkehr nicht behindern.

In einer Stadt müsste es umgekehrt heißen – „... hiebei darf der Fahrzeugverkehr NICHT die FußgängerInnen behindern“.  Davon sind wir aber weit entfernt.

Die viel zu schmalen Gehsteige ließen sich auch ändern. Das hat schon wieder was mit dem Besitzanspruch zu tun. Dinge = Auto ist mehr wert als FußgängerIn. Der/die BesitzerIn des Dinges macht auch lautstark auf sich aufmerksam, wenn der Besitzanspruch in Frage gestellt wird. Nun, das Auto per se ist ja nicht schlecht, nur welche Dominanz ihm zugesprochen wird und wie Städte dadurch zu lasten aller anderen verändert wurden, muss neu überdacht werden. 

Hötting Dorf ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Bedürfnisse von FußgängerInnen ignoriert werden. Spazieren Sie/spaziere du einfach mal durch diesen an sich schönen Stadtteil. 



Soko Rad*

Im letzten Gemeinderat unternahm eine Partei, die nichts anderes kennt als Ausschluss, einen Vorstoß, RadfahrerInnen als das Übel schlechthin hinzustellen. „In einem dicht verbauten und durch motorisierten Verkehr gut frequentierten Stadtgebiet wie Innsbruck, stellt das Radfahren ... ein erhebliches Gefahrenpotential dar.“ Es brauche unbedingt eine Eingreiftruppe, um eine hohe Kontrolldichte zu gewährleisten. Diese solle per Fahrrad oder per Pferd unterwegs sein. Ja, wenn man bedenkt, welcher Ideologie dieser Gedanke entspringt, ist schon verständlich, dass das Glück ausschließlich über den Besitz eines Autos erreicht werden kann. Hatten wir schon mal. 

Die Maria-Theresien-Straße ist für dieselbe Partei immer noch der Aufreger schlechthin. Sie bemühte sich zum x-ten Mal, Radfahren in eben dieser Straße zu verbieten. „Die Installation von Gastgärten und eine durch den Erholungswert der Fußgänger erhöhte Besucherfrequenz lassen eine weitere Erhöhung der Unfallgefahr befürchten.“ (Nicht wundern ob der Formulierung, das ist original zitiert. Ich empfehle den Jungs den Besuch eines Deutschkurses.) Aber weiter. Da wir aufgrund unserer „geräuschlosen Fortbewegungsart“ von FußgängerInnen nicht wahrgenommen werden können, kommt es zum „oft folgenschweren“ Zusammenstoß. Ich empfehle weiters das Studieren der Unfallstatistiken, anhand derer erkennbar ist, wer für welche folgenschweren Unfälle verantwortlich ist.  
Vielleicht sollten wir zwitschern wie Vögel, damit wir gehört werden. Da wir uns ja in heimtückischer Art und Weise, von hinten an FußgängerInnen anschleichen, um diese in Angst und Schrecken zu versetzen, könnte das Gezwitscher einer ansonsten hinterhältigen Gruppe positive Stimmung schaffen.

Wen es übrigens interessiert, was Innsbrucks RadfahrerInnen gerne verbessert hätten, wo es Gefahrenstellen gibt und wo gute Lösungen umgesetzt wurden, kann über den Link "radlspur.at" auf diesem Blog oder direkt über www.radlspur.at mitmachen.



*Der Name stammt übrigens nicht von mir, sondern von einem auch in heimtückischer Weise sich fortbewegenden Bekannten. 


Nebenwirkungen erwünscht

Nun geht es wohl los und die Verlängerung der 3er-Linie zum Linserareal kann angegangen werden. Ich möchte hier nicht auf einzelne Problempunkte eingehen, sondern auf die Möglichkeiten, die der Bau einer Straßenbahn/Regionalbahn einer Stadt bieten kann. In Frankreich gibt es zurzeit einen unglaublichen Boom an Straßenbahnbau. Die Stadtverantwortlichen verfolgen dabei 2 Ziele. Erstens den Autoverkehr mit all seinen Problemen (Platzverbrauch, Stau, Lärm, Abgase) zurückzudrängen und zweitens mittels Stadtraumgestaltung den BewohnerInnen Raum zurückzugeben. Was ich favorisiere, dürfte klar sein, sobald Sie/du die Bildergalerie angeschaut haben/hast. Hier liegt ein unglaubliches Potential, das wir aufgreifen können oder brachliegen lassen.



Kuriositäten aus dem Land Tirol

Zurzeit wird die Tiroler Bauordnung reformiert. Wir (mein Kollege Gebi Mair und ich) nutzten die Gelegenheit, leicht zugängliche Fahrradabstellanlagen bei Neubauten gesetzlich zu verankern. Für die Abstellmöglichkeiten der Autos besteht das nämlich schon lange. Nun, einige Kuriositäten der Begründung möchte ich Ihnen/euch nicht vorenthalten.

„Eine generelle gesetzliche Verpflichtung wäre überschießend und ist daher abzulehnen. Außerdem ist ein Automatismus von einem Stellplatz für Fahrräder je vorgeschriebenen Stellplatz für Kraftfahrzeuge sachlich nicht begründbar.“

AH SO, warum denn? Der Automatismus fürs Abstellen des Autos herrscht schon lange, warum soll dieser Automatismus, der unhinterfragt für Autos angewendet wird, nicht für Fahrräder gelten?

Und weiter:

„Dies würde insbesonders im Zusammenhang mit öffentlichen Gebäuden bzw. mit Gebäuden, in denen sich regelmäßig eine große Zahl von Personen aufhält, im innerstädtischen Bereich zu räumlichen bzw. ästhetischen Problemen führen (zB. neues Kaufhaus Tyrol in der Maria-Theresien-Straße ...)“

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Erstens hat das Kaufhaus Tyrol 2 Eingänge und daher braucht es nicht zwingend in der Maria-Theresien-Straße eine Abstellmöglichkeit. Es bietet sich auch die Erlerstraße an. Zweitens sehe ich räumlich kein Problem, weil es in diesem Gebiet vor unausgelasteten Tiefgaragenplätzen nur so wimmelt und Parkstreifen für Autos an der Oberfläche durchaus für Radabstellanlagen geeignet sind. Und drittens, wo ist das ästhetische Problem? Abgestellte Autos sind offensichtlich ein ästhetisches Highlight, wohingegen ein abgestelltes Fahrrad ein Designdesaster darstellt.




Und zum Schluss:

Da es gesetzlich vorgeschrieben ist, pro Wohnung mindestens 1en Autoabstellplatz einzuplanen, kann man derzeit von einer „Autofreien Siedlung“ nur träumen. Es geht gesetzlich einfach nicht. Dass sich Räume und Bedürfnisse der Menschen, vor allem im städtischen Umfeld ändern, will in die Köpfe der Bauordnungs-Bastler nicht hinein.

„Hinsichtlich der ebenfalls in der Entschließung geforderten Änderung der TBO 2001 dahingehend, dass eine Mindestanzahl von KFZ-Stellplätzen im Einzelfall generell entfallen kann, ist festzuhalten, dass dabei vollkommen ungeklärt bleibt, wo die KFZ der Benutzer von so genannten „Autofreien Siedlungen“ abgestellt werden sollen. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass in derartigen Siedlungen nur Menschen wohnen dürfen, die über kein Kraftfahrzeug verfügen.“

Da hat wohl jemand was nicht verstanden und kann sich unmöglich vorstellen, dass Mensch ohne Auto unglaublich glücklich sein kann. Im Fall einer „autofreien Siedlung“ geht es schließlich nicht um DÜRFEN, sondern um WOLLEN.