Autoverkehrssichere Kinder oder kindgerechter Autoverkehr?


Kinder brauchen die Freiheit, sich im öffentlichen Raum aufhalten zu können – nicht nur auf Spielplätzen, sondern auch im Straßenraum. Gehen ist schließlich ihre erste selbstständige Mobilität. 

Kinder sind neugierig, verspielt, spontan und bewegungsfreudig. Ihr Entdeckerdrang entspricht nicht den zielgerichteten Wegen der Erwachsenen. Auch der verkehrstechnisch angeordnete Gänsemarsch auf Gehsteigen ist nicht kindgerecht. Am gemeinsamen Schulweg oder auf dem Weg zu einer Freizeitbeschäftigung müssen Neuigkeiten ausgetauscht werden, wird gestritten und gespielt. Dafür brauchen sie Platz. 

Die meisten Gehsteige entsprechen leider nicht dem Bewegungsdrang und der Phantasie der Kinder. Kindern gestehen wir den Platz zwischen Häuserwänden und parkenden Autos zu. Macht doch mal einen Perspektivenwechsel? Macht euch so klein wie Kinder und betrachtet aus deren Höhe, was wir ihnen bieten.  

Wir erziehen Kinder zum autogerechten Verhalten und hinterfragen nicht die Kinderfeindlichkeit der Straßenräume. Für die Schulwegsicherung organisieren Eltern Schülerlotsen, damit die Kinder gefahrlos über den Zebrastreifen kommen. Eltern sollen laut Empfehlung eines recht autofreundlichen Vereins ihre Kinder in quietschgelbe Jacken stecken, damit selbst der unaufmerksamste Autofahrer aufwacht. Wir hinterfragen selten diese Unlogik. 

Es braucht einen neuen Ansatz in der Planungshierarchie. Der Qualität der Gehwege muss oberste Priorität eingeräumt werden, dh. Bäume, Sitzgelegenheiten, breite Gehsteige. Schließlich ist zu Fuß gehen die städtische Mobilitätsform, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen. 


Heißes Eisen Parkplatz

Die Neugestaltung des Landhausplatzes wirft auch die Frage auf, wie wir mit unseren Straßenräumen an sich umgehen. Gibt es genug grün in unserer Stadt?  

Nein. Innsbrucks Straßenraumgestaltung ist nicht besonders attraktiv. Seit Jahrzehnten folgt die Planung dem Glücksversprechen der Autoindustrie und verändert Straßen, Räume und Plätze in der Stadt in deren Sinne. Das Denken ist bereits so weit manipuliert, dass der Besitzanspruch fürs Fahren und Parken nicht in Frage gestellt werden darf. Dieses Ding Auto, emotional stark aufgeladen, verstellt die Sicht. Allein schon die Begrifflichkeiten. „Ruhender Verkehr“ gilt nur für abgestellte Autos. FußgängerInnen, die Parkbänke zum Ausruhen bräuchten, sind damit nicht gemeint.

In der Stadt haben wir nicht unendlich Platz. Trotzdem folgt die Planung der Logik der Autoindustrie, weil – siehe oben – unglaublich viel Glück damit verbunden ist. Nur, das Glück ist beschränkt auf Auto fahrende Menschen. Und die anderen?

Was verhindert die subventionierte Zurverfügungstellung von Parkplätzen eigentlich?
Parkplätze verhindern breite Gehsteige für FußgängerInnen
Parkplätze verhindern Baumalleen in den Straßenräumen
Parkplätze verhindern Grünflächen zum Ausruhen
Parkplätze verhindern Parkbänke für einen Plausch
Parkplätze verhindern ein durchgehendes Radwegenetz

Und, bitte jetzt nicht missverstehen. Es geht nicht darum, das Auto per se zu verteufeln. Ich wünsche mir eine andere Sicht auf dieses Ding. Denn, Grün könnten wir viel haben, wenn wir Straßen vielfältiger gestalten würden. 


Die Wahl in Deutschland

Was hat die Wahl in Deutschland mit meinem Fachbereich Mobilität zu tun? Gar nichts. Und trotzdem muss ich dazu schreiben. Liebe Deutsche BürgerInnen - zieht euch warm an, in eurem Land wird es kalt. Vor der ungebremste, neoliberale Welle, die nun über dieses Land schwappen wird, graut es mir jetzt schon. Die "Leistungsträger" werden sich bedienen. Und der Rest? Selber schuld, täten sie leisten, könnten sie sich auch was leisten. 


Emile-Bethouart-Steg II.

Nun hat auch die JVP erkannt, dass der Emile-Bethouart-Steg eine wichtige Radwegverbindung ist ().

Aber es geht jetzt nicht darum, wer als erster das Thema zur Sprache gebracht hat, sondern wie wir zu einer Lösung kommen.

Problem Richtlinien: Dieses Regelwerk gibt vor, wie was gebaut werden soll. Wenn die Richtlinien auf Punkt und Beistrich für alles umgesetzt werden müssten, dann könnten wir Innsbruck zumachen. Das Regelwerk beschäftigt sich auch nicht mit denkmalgeschützten Stegen und, wie ich in Erfahrung bringen konnte, wollen die MacherInnen des Regelwerks auch nicht alles ins Detail ausarbeiten, Ausnahmen sind sogar erwünscht. Werden die Richtlinien also als Ausrede fürs Nichthandeln verwendet?

Klar ist auch, dass aufgrund der Nähe des Altersheimes sich mehr alte Leute auf dem Steg tümmeln, als anderswo. Wird hier ein Generationenkonflikt herbeigeredet, der so gar nicht existiert? Ich bezweifle stark, dass bei Freigabe des Steges plötzlich der Run entsteht und alle RadfahrerInnen sich auf den Steg stürzen und die alten Menschen niederfahren.

Problem Denkmalamt: Was hat die Stadtregierung nicht schon alles gegen den Willen des Denkmalamtes in den letzten Jahren durchgesetzt. Und bei diesem Steg soll plötzlich das Denkmalamt der große Verhinderer sein? Das glaub i jetzt nit.

Bin ich jetzt zu blauäugig? Es wird sich doch eine Lösung finden lassen? Was meint ihr? 



Wir habens ja

Österreich ist meilenweit entfernt vom Kyoto-Ziel und die SteuerzahlerInnen dürfen seit 2008 90 Mio. Euro jährlich für den Zukauf von CO2-Zertifikaten berappen. Ab 2012 wird es so richtig teuer - ca. 500 Mio. Euro jährlich. Wunderbar. Als wenn wir diese vielen Millionen Euros nicht für Wichtigeres bräuchten, wie Bildung zum Beispiel.

Seit Jahren klettern die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich, vermeintlich unaufhaltsam, nach oben. Ich weiß schon, dass va. für Tirol behauptet wird, die bösen bösen Nicht-ÖsterreicherInnen, die im Grenzgebiet tanken, sind schuld daran. Ja, und die Frächter nicht zu vergessen. Nur, Tirol ist nicht Österreich. Diese Argumentation lenkt doch nur ab vom eigentlichen Problem. Steuerungsmaßnahmen, um vom Sitzen wieder zum Gehen zu kommen, gäbe es genug. Aber, wehe, ÖAMTC und ARBÖ wissen das geschickt zu verhindern. 




Nachfahrverbot für Mopeds

Gestern Abend fand im "Grauen Bären" eine Diskussionsrunde zum Thema: "Nachfahrverbot für Mopeds aufheben - Ja oder Nein" statt. Am Podium waren ein Vertreter der Polizei, Franz Gruber, Walter Peer, Patrizia Zoller-Frischauf, Christian Kogler und meine Wenigkeit. Christian Kogler fordert schon seit einiger Zeit das ersatzlose Streichen des Verbots, weswegen das Stadtblatt die Diskussion organisierte. Das Interesse der BürgerInnen und va. der Jugendlichen war mäßig (was höchstwahrscheinlich auch am Veranstaltungsort selbst lag).

Das Nachtfahrverbot existiert seit den 70er Jahren und wurde vorrangig als Lärmschutzmaßnahmen verordnet. Wir Grünen verstehen die Sorgen der BürgerInnen, die sich über die, leider auch hochgetunten Mopeds, ärgern. Der Lärm ist ja wirklich nervtötend. Die Mopeds können recht leicht entdrosselt werden, was dann zu den hohen Lärmfrequenzen führt, weil die Schalldämpfung nicht darauf ausgelegt ist. 

Wir möchten als Alternative die Förderung von Elektro-Scootern, die als Anreiz vom Nachtfahrverbot ausgenommen werden sollen. Das bringt auch untertags weniger Lärmstörungen. Klar, Elektro-Scootern fehlt noch etwas der Coolheitsfaktor, aber der lässt sich mittels entsprechender Kampagnen  verändern. Ziel muss sein, dass es zukünftig attraktiv ist, mit E-Scootern die neue Freiheit zu genießen. Die Wirkung neuer Technologien auf Jugendliche tut ihr übriges. Klar kann man nicht alle überzeugen, einige wenige werden übrigbleiben, die immer noch dem alten Mythos, je lauter desto stärker, anhängen werden.  

Deshalb wurde gestern vereinbart, eine Lärmschutzverordnung auszuarbeiten, in der alle Fahrzeuge mit erhöhten Lärmwerten fallen, also auch aufgetunte Motorräder und Autos. Das ist eine vernünftige Alternative. Ziel muss aber bleiben, den Weg zu den Jugendlichen (und auch Erwachsenen) für die neuen Technologien zu ebnen.

Übrigens. Wer sich am meisten gewunden hat und sich als einziger nicht festlegen wollte, war unser Verkehrsstadtrat. Mein Kollege Martin hat dazu einen köstlichen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen: http://www.martinhof.net/2009/09/walter-peer-symptom-der-spo.html


Wie kommen Bus und Tram besser voran

Hier ein interessanter Link mit informativem Filmchen, warum Bus und Tram nicht gscheit weiter kommen. Abgesehen davon, dass Verspätungen für die Leutln nervig sind + ein Servicemanko, kostet der Spaß auch einiges. Dieses Geld fehlt dann natürlich wieder für Fahrplanverdichtungen und -erweiterungen. Nehmt euch Zeit und schaut euch den Film an.

Wo gehst du gerne?

Unsere Stadt bietet recht hübsche Gehwege, aber auch solche, bei denen man am liebsten gleich wieder verschwindet. 
Wo gehst du gerne? Welchen Abschnitten auf deinem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, für die Freizeit gibst du ein Plus und welchen ein Minus. Geh einmal bewusst deine täglichen Strecken, mach Fotos und mail sie mir mit deinen Kommentaren und Gedanken zu. Wenn gewünscht, kann ich die Fotos dann auch auf dem Blog veröffentlichen.




Karwendelbrücke


Auch bei der Karwendelbrücke wurde ja fleißig von der Polizei abgestraft. Kann mir bitte jemand erklären, wie man Rad schiebend aneinander vorbei kommen soll? Soll ich das Rad im Begegnungsfall über die Brücke hinaushängen? Oder wie?

Leider wurde bei der Sanierung der Eisenbahnbrücke verabsäumt, mit der ÖBB (ist nämlich ihr Eigentum) gscheit zu verhandeln. Ist ja alles viel zu kompliziert, schließlich geht es nur um die vernachlässigbaren FußgängerInnen und RadfahrerInnen.


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