Grüner Innenhof versus Tiefgarage


Seit längerem schon kämpfen wir gemeinsam mit MieterInnen des Mozartblocks in Saggen für den Erhalt eines wunderschönen Innenhofes mit großen Bäumen. Die Wohnbaugesellschaft will um 1 Stockwerk erweitern (40 Wohnungen) und zeitgleich den Innenhof für eine Tiefgarage (80 Plätze) ruinieren. Für die Tiefgarage würden die schönen alten und großen Bäume geopfert und ein paar Alibibäumchen nachgepflanzt werden, die aufgrund des fehlenden Erdreichs in ihrem Wachstum stehen bleiben werden.

Vor ein paar Tagen war nun die Bauverhandlung, zu der die MieterInnen keinen Zugang hatten. Gespräche wurden einfach verweigert. Die Baugesellschaft braucht auch gar nicht mit den engagierten Menschen, die die großen Bäume erhalten wollen, reden. MieterInnen haben nämlich nichts mitzureden. Sie braucht auch keine Angst zu haben, dass die Tiefgarage leer stehen würde. Die 40 neuen Wohnungseigentümer müssen sowieso einen Tiefgaragenplatz nehmen und die restlichen 40 Stück verteilen sich auf die MieterInnen, deren Parkbewilligungen am frühesten auslaufen. Mit Tiefgarage im Haus gibts keine AnwohnerInnenparkkarte. Glücklich können sich jene MieterInnen schätzen, die gar kein Auto haben und es auch nicht für notwendig erachten, eines zu besitzen. Sie ersparen sich die Kosten für die Tiefgarage. Aber auch ihnen wird der Innenhof kaputt gemacht.

Der Mozartblock und auch alle angrenzenden Blockverbauungen im Saggen sind infrastrukturell bestens erschlossen. Geschäfte für die Nahversorgung und Straßenbahn bzw. Busse queren den Saggen und führen in die Innenstadt. Am Rennweg ist der Anschluss an die Regionallinien für das Umland. Saggen liegt ja nicht im Nirgendwo, wo es keine Geschäfte und keinen öffentlichen Verkehr gibt. Und trotzdem folgt die Stadtplanung der Autologik, dass pro Wohnung ein Autoabstellplatz unterirdisch geschaffen werden muss (und wenn schon gegraben wird, gleich noch ein paar mehr).

Es braucht ein Umdenken. Viel zu viele Innenhöfe wurden für Tiefgaragen zerstört oder so wie früher, einfach niederplaniert und oberirdisch Autoabstellplätze geschaffen. Ist die Karre das wirklich alles wert?

3 Kommentare:

  1. Leider ist es eben so, dass jeder Wohnung (sprich Wohngemeinschaft) statistisch 1 Kfz zuzuordnen ist. Im Umland der Städte geht die Statistik sogar hin zu den 2 Kfz pro Wohngemeinschaft, dazu kommen noch Besucherstellplätze, Einsatzkräftezufahren, Aufstellflächen für die Feuerwehr und Müllabfuhrzufahrten etc.

    Ich wohne in Graz, und kann berichten, dass es auch hier so ist, dass Innenhöfe mit Tiefgaragen unterkellert werden. Allerdings sieht in Graz das Verhältnis von Grünraum zu Einwohner ganz anders aus, als in Wien, und hier in Graz obliegt im Stadtgebiet jeder größere Baum einem besonderem Schutz, bzw. einer Neupflanzungsverordnung.

    Aber, ich möchte schon auch anmerken, dass wir auch den Menschen eine Chance geben müssen, ihr Kfz, das sie nun einmal besitzen, auch irgendwo abstellen können müssen. Und zum anderen müssen wir Investoren bzw. Eigentümern auch das Recht einräumen, ihre Immobilien zu bewirtschaften bzw. in Sinne einer wirtschaftlichen Verwertung auch Erweiterungen und Verbesserungen eingestehen. Liegenschaften gerade in Innerstädtischen Lagen unterstehen einem enormen wirtschaftlichem Druck, die durch zusätzliche Auflagen oder in so einem Fall zusätzlichen Interessen außenstehender Dritter wirtschaftlich gefährdet werden können. Man kann Liegenschaften durch das hinten hineinreklamieren durch Proteste und Anraineraufhetzung nachhaltig im Wert runinieren. Bitte bedenken Sie das!

    Dass Mieter nur begrenzt Mitspracherechte bei Bauverfahren haben ist auch gut und richtig, weil sonst in Österreich kein einziges Mietobjekt auch nur irgendwann ausgebaut, saniert, renoviert oder sonst irgendwie behandelt werden könnte. Zudem ist anzumerken, dass ein Einspruchsrecht auch für Eigentümer unter den Anrainern nur begrenzt vorliegen, und per Gesetz als Nachbarrecht geregelt sind.

    Leider wird immer von Aussenstehenden Dritten gerne medial die Illusion geweckt, ein Bauverfahren könne von allen möglichen Befindlichkeiten von allen möglichen "Betroffenen" beeinflusst werden. Dazu bitte ich Sie, einfach in der jeweils für das Bundesland gültigen Fassung des Baugesetzes nachzulesen.

    Zum Thema: Ich bin dafür, und plane selbst, immer Teifgaragen, die oberirdisch derart begrünt und bepflanzt werden, dass Lebens- Kinderspiel- und Erholungsraum im Grün wieder möglich wird. Dazu gehört auch die richtige und umsichtige Planung einer derartigen Anlage. Mit derartigen "Hetzen" eine Anti-Tiefgaragen-Stimmung zu erzeugen, ist meiner Meinung nach falsch und treibt in lokalpolitisch stürmischen Zeiten immer nur Konflikte in Sackgassen. Verbote bringen nichts, sinnvolle, nachhaltige und umfassende Planungen sollen das Ziel sein!
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  2. mir geht es nicht darum, die tiefgarage per se zu verteufeln. ich stelle den automatismus in frage, dass tiefgaragen immer zu bauen sind. in graz gibt es zu autobesitz, infrastruktur und erschließung mit öffentlichen verkehrsmitteln eine interessante und sehr detaillierte studie. auch dort stellen sie sich nämlich die frage, ob wohnbau automatisch durch tiefgaragen verteuert werden muss oder ob es auch anders geht. ein weiteres interessantes projekt steht auch in wien - die autofreie siedlung. da wurden nur ein kleiner bereich in die tiefgarage gesetzt und die anderen räume für fahrräder, gemeinschaftsräume etc. verwendet. auch dazu gibt es einen bericht, wo hoch die zufriedenheit der bewohnerInnen nach 10 jahren ist.
    die frage, ob tiefgarage ja oder nein stellt sich va. im städtischen bereich und nicht in einem schlafdorf, wo keinerlei infrastruktureinrichtungen vorhanden sind und das auto die einzige mobilitätsform ist.
    daher ist, wie sie geschrieben haben, eine sinnvolle, nachhaltige und umfassende planung das ziel, die auch die umgebung einschließt und nicht den wohnblock isoliert betrachtet.
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  3. tschuldigung, hab mich vertippt. soll natürlich "wie" heißen und nicht "wo"
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