Was für eigenartige Bilder haben wir in unseren Köpfen

In der heutigen TT steht auf Seite 1 zum Tiroler Mindestsicherungsgesetz: "Arbeitswille muss da sein", ansonsten drohen Kürzungen des Bezugs. Soziallandesrat Reheis wollte nur 30%, Gemeindeverband und Stadt Innsbruck forderten 50% und setzten sich durch.
Als ehemalige Kammerrätin kenne ich die Ansuchen beim AK-Sozialfonds. Die Menschen, die um Unterstützung ansuchen, sind am Ende. Da spielt sich nicht mehr viel mit Arbeiten. Sie sind krank. Wer den Leuten die paar Euros neidig ist, soll auch ihre Krankheit nehmen.
Wenn es nämlich so lustig wäre, um Mindestsicherung anzusuchen und sich beschämen zu lassen, dann müssten doch Schlangen vor den Sozialämtern stehen. Es gibt aber keine Schlangen vor den Ämtern.

Im Jahr 2009 bezogen 11.300 Menschen (= 1,6% der Tiroler Bevölkerung) Grundsicherung. Anspruch hätten mehr, z.B. MindestpensionistInnen. Sie schämen sich, nicht aus eigener Kraft den Lebensunterhalt bestreiten zu können und gfretten sich lieber Monat für Monat durch, anstatt "der Gesellschaft zur Last zu fallen".

Und, Arbeitswille ist ja gut und recht. Aber schauen wir uns mal die Arbeitslosenzahlen an und die offenen Stellen (Österreich Juni 2010: 212.000 Gemeldete zu 34.000 offenen Stellen). Da wünsche ich dem Sozialamt viel Erfolg bei der Vermittlung von Arbeitsstellen.

Und wer eine sicheren Arbeitsplatz (Verwaltungsbeamter) im Sozialamt hat, soll nicht auf andere herunterschauen und Unwilligkeit unterstellen. Und selbst wenn 1 Promille der Unterstützten "unwillig" sein sollte, können wir uns das wirklich nicht leisten? Für welchen Blödsinn gibt denn zb. die Landesregierung Geld aus: 1,5 Millionen Euro für neue Büros des Herrn Platter und des Herrn Switak - für 2 Leute!

Die Bilder in unseren Köpfen sind konstruiert, genial konstruiert von den Rechten unter Zuhilfenahme von ÖVP und SPÖ. Schmeißen wir diese Bilder raus.

Blog-Archiv