Wer hat die Definitionsmacht?


Vor längerer Zeit beantragte ich die Errichtung eines Zebrastreifens in der Innstraße, womit sich ein umwegfreier Zugang von der St.-Nikolaus-Gasse zur Innpromenade ergeben hätte. Dass der Zebrastreifen technisch machbar wäre, zeigt die Plankopie. Dass er trotzdem nicht errichtet wird, liegt am Nichtwollen.


Wie ist die Argumentation dieses Nichtwollens:?
  • die Abstände zu den nächstgelegenen Übergängen wären zu gering. Nun, da gibt es genug Beispiele in Innsbruck, wo die Abstände wesentlich geringer sind. Umwege, die va. für nicht so mobile Menschen schwierig sind, werden aber lapidar als Ist-Halt-So abgetan.
  • man wolle keine Sicherheit suggerieren, wo es keine gäbe. Befürchtet wird ob der sogenannten geringen Abstände, dass die AutofahrerInnen nicht Rücksicht sondern Gewalt walten lassen und die FußgängerInnen mit ihren Autos bedrohen
  • außerdem würde die Adaptierung des Straßenraums was kosten. Nonanet, aber für die Beschleunigung des Autoverkehrs am Südring (Stichwort Graßmayrkreuzung) gibts 38 Millionen.
Was heißt das?
Die Definitionsmacht, wie städtischer Raum geregelt wird, wird mit einem Bedrohungspotential abgesichert. Es wird nicht danach gefragt, warum AutofahrerInnen ihre Schüssel als Bulldozer verwenden und wie das geändert werden könnte.
Das Bedrohungspotential ist übrigens auch die Begründung, warum die Grünzeiten für FußgängerInnen bei ampelgeregelten Kreuzungen meist viel zu kurz sind.

Der Städtebund macht sich so seine Gedanken

Städte haben so ihre liebe Not mit der üblichen Stellplatzverordnung, induziert jeder Stellplatz doch automatisch auch den Gebrauch des darauf befindlichen Vehikels. Nun wird im Städtebund daran gearbeitet, diese Verordnung zu novellieren. In Innsbruck wurde mein Antrag zur Novellierung abgelehnt, mit dem ziemlich dümmlichen Argument, wo denn die Menschen ihr Auto dann abstellen sollen. Dass es Menschen ohne Auto gibt, existiert in deren Vorstellung nicht. Und dass vor allem im städtischen Umfeld eine ökologischere Mobilität umsetzbar ist, dh. Ausbau der Infrastruktur für FußgängerInnen, RadfahrerInnen und Öffentlichen Verkehr, geht in die Köpfe der Autofahrerparteien nicht hinein. Es geht auch nicht hinein, dass wir auf eine ordentliche Ressourcenkrise zusteuern und wir Maßnahmen ergreifen müssen, die es den Menschen ermöglicht, auch in Zukunft mobil zu sein.
Übrigens: das Thema ist deswegen jetzt in Diskussion, weil wir im Städtebund eine kompetente grüne Vertreterin sitzen haben.

Hier ein Auszug (der Link am Ende führt zum Konzeptpapier. Sehr umfangreich, aber interessant)

Stellplatzvorschreibung der landesrechtlichen Garagenordnungen:

die Stellplatzvorschreibung in den Garagenordnungen ist in der Regel ohne Berücksichtigung des Standortes in Abhängigkeit von der Erschließungsqualität des öffentlichen Verkehrs sowie zur zentralen Lage im Stadtgebiet geregelt. Dies führt in Großstädten häufig zu einer in Bezug auf den öffentlichen Verkehr verkehrs- und umweltpolitisch unerwünscht hohen Ausstattung mit privat verfügbaren Stellplätzen und damit zu unerwünschter Verkehrsnachfrage mit dem Auto. Gerade an optimal durch den ÖPNV erschlossenen Standorten sollte eine restriktive Stellplatzpolitik erfolgen, um den vorhandenen ÖPNV optimal zu nutzen und auszunützen (siehe auch: IN-STELLA, Instrumente zur Steuerung des Stellplatzangebotes für den Zielverkehr. Universität für Bodenkultur Wien, im Auftrag der Stadt Wien, MA18; http://www.rali.boku.ac.at/fileadmin/_/H85/H856/downloads/Endbericht_Teil_2.pdf).

Sand in den Augen tut selten gut

Benzinpreis rauf, runter oder sonst was - bei jeder Diskussion um dieses Thema wird sofort das Killerargument der armen PendlerInnen gezückt und schon ist man mundtot gemacht. Das sollte man sich aber mal näher ansehen.
Wer profitiert von einem günstigen Benzinpreis? Also weder das arme Mutterl noch GeringverdienerInnen. Die haben nämlich nicht das Geld zum viel Herumfahren. Es sind nicht arbeitende Menschen, die im selben Ort arbeiten oder mit dem Bus günstig und komfortabel den Arbeitsplatz erreichen können. Es sind auch nicht Menschen, die mit Müh und Not so viel verdienen, dass sie über die Runden kommen.
VielfahrerInnen profitieren von günstigen Benzinpreisen. Sie bekommen auch eine steuermindernde Pendlerpauschale. Die wiederum nützt GeringverdienerInnen überhaupt nix, weil sie eh schon im Negativsteuersatz drinn sind.
Ich hab mir eine sehr aufschlussreiche PendlerInnenstudie des Bezirkes Landeck angesehen. Und siehe da: Menschen im oberen Einkommensbereich pendeln weit, im niederen Einkommensbereich pendeln kurz. Das Killerargument, dass eine Benzinpreiserhöhung die einkommensschwachen PendlerInnen treffen würde, greift also zu kurz.
Das viele Steuergeld, das im Gießkannenprinzip in die Subventionierung des Autopendelverkehrs gesteckt wird, würde ich lieber in der Verbesserung und Vergünstigung des Öffentlichen Verkehrs sehen, damit auch Einkommensschwache mobil sein können und im Glücksfall, ihre Einkommenssituation verbessern können. Das wäre gscheiter, als den Menschen aufgrund mangelnder Erschließung durch den öffentlichen Verkehr ein Auto aufs Aug zu drücken, wo monatlich mehr als 1/3 des Haushaltseinkommens verbraten wird.

PS: Und für diejenigen einkommensschwachen PendlerInnen, die aufgrund irgendeiner blöden Situation weit mit dem Auto fahren müssen, wird man ein Lösung und Unterstützung finden.

Bin ganz erschrocken ....

... als ich heute durch Wilten radelte und beim Wiltener Platzl vorbeikam. Ich wollte mich nur in aller Ruhe den Baufortschritt ansehen und plötzlich entdeckte ich 2 neu gepflanzte Bäume. Einer war ja geplant, der hat mich nicht überrascht. Aber der 2te? Wo kommt denn der plötzlich her? Ist das ein kleines zartes Zeichen, dass sich bezüglich "Mehr grün in die Stadt" endlich was tut? Es freut mich auf alle Fälle, dass nun 2 Bäume am neu gestalteten Platz stehen.

Das ewiggestrige Projekt Graßmayrkreuzung


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Nun hab ich den Film endlich fertig. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Baumaßnahmen und deren Auswirkungen am Schauplatz selbst. Der zweite Teil wird dann ins Detail gehen und die Auswirkungen für die BewohnerInnen Wiltens aufzeigen, va. rund um den Pechegarten bis zum Wiltener Platzl (muss ich aber erst noch drehen und schneiden, dauert daher noch etwas).

Ich nenne das Graßmayrprojekt ganz bewusst "ewiggestrig". Es ist weit entfernt von einer tragfähigen zukünftigen Mobilität. Es sollte uns klar sein, dass weiter so, wie bisher, nicht mehr funktionieren wird. Die 38 Mio. Euro, die dieses Projekt verschlingt, würde ich lieber in die Rückstufung des Südrings stecken, damit der getrennte Stadteil Wilten endlich wieder zusammenfinden kann. Der Südring kann zur Feinverteilerfunktion herabgestuft werden. Für den Durchzugsverkehr brauchen wir keine Beschleunigung, der kann auf die Autobahn ausweichen.



Sonne - die Zukunft ist elektrisch


Die Sonne schickt uns jeden Tag 15.000 mal mehr Energie auf die Erde als wir weltweit verbrauchen. Gratis und ohne Umweltschäden à la Öldesaster vor der Küste der USA. Was wir noch brauchen, ist die Technologie, die die Sonnenstrahlung in Strom und Wärme umwandelt.
Besonders in Städten wird sich die Elektromobilität durchsetzen. Eine Kombination aus Öffentlichem Verkehr und Elektrorädern/-scootern ermöglicht es uns, auch in Zukunft mobil zu bleiben. Der Strom für die Elektromobilität muss aber aus erneuerbarer Energie kommen - von der Sonne.
Was alles schon möglich ist, präsentierten unsere Partnerfirmen am Franziskanerplatz: Ein Kreislauf aus Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung, Stromtankstelle und Elektroräder und -scooter.

Bäume in der Stadt

Im gestrigen Stadtsenat gab es einen Überblick über die Stadtbäume mit interessanten Details. In Innsbruck stehen rund 60 Baumgattungen herum, die sich wiederum in 250 Arten bzw. Sorten unterteilen lassen.

Die häufigsten Gattungen sind:
• Ahorn – 2249 Stück
• Kastanien – 778 Stück
• Birken – 633 Stück
• Hainbuchen – 352 Stück
• Eschen – 665 Stück
• Zierkirschen – 860 Stück
• Eichen – 332 Stück
• Linden – 1256 Stück

Interessant sind auch die genannten häufigsten Probleme für den Straßenbaum:
• zu kleiner Standtort
• Grabungen im Wurzelbereich
• Baustellen und Baustellenverkehr im Wurzelbereich
• laufende Kabelverlegungen Internett, Kabelfernsehen, Telefon...
• Streusalzbelastung
• Oberflächenverdichtung
• Straßenentwässerung in die Baumscheibe
• Trockenheit
• Anfahrschäden - Verkehrsunfälle
• Schäden durch Anbringen diverser Werbungen
• Verschmutzung der Baumscheibenabdeckung (IVB Haltestellen)
• Verschmutzung durch Müllablagerung und Hundekot

Die Schädigungen und Beeinträchtigungen dürften sich wohl ändern lassen, schließlich ist direkt der Mensch inkl. dazugehörenden Hund der Hauptverantwortliche. Die von uns Grünen geforderte Baumschutzsatzung ist dringend notwendig, um städtische Bäume vor der Unachtsamkeit und Willkür des Menschen zu schützen.

Dem Akt liegt auch ein großer Plan bei, wo sich die Bäume befinden. Wen es interessiert, soll mir ein email senden und ich schick es zu. Für den Blog ist der Plan zu detailliert, als dass man noch was erkennen würde.

sonja.pitscheider@gruene.at

ElektroDrive Tirol

Nun gibt es endlich auch ein Leasingmodell für Elektro-Fahrräder, Elektro-Scooter und Segway in Tirol. Die erste Modellregion war übrigens Salzburg. Anbieter sind die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB). Die dazugehörenden Elektrotankstellen werden auch noch aufgestellt. Das ist sicher eine gute Möglichkeit, auf Elektromobilität umzusteigen, ohne dass man gleich ein teures Gerät kaufen muss.



Einziger Wermutstropfen: Die Werbebotschaft, dass der Strom aus sauberer Wasserkraft kommt, stimmt so ja nicht. Der Atomstromanteil bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben ist ja doch beträchtlich. Um wirklich einigermaßen ökologischen Strom anbieten zu können, muss die IKB den Weg ins Solarzeitalter einschlagen.

Nein, so was

Der Verkehrsrechner am Südring funktioniert nun so, wie es sich die Beschleuniger für AutofahrerInnen vorgestellt haben. Eine Fahrt von 16 Minuten auf 12 Minuten reduziert. Bin beeindruckt. So ein Pech auch, dass für die Grünphasen der FußgängerInnen Zeit weggenommen werden musste und sich deren Wegzeit verlängert. "Den Grünphasen der Fußgänger am Südring wurde laut Peer Zeit abgezwackt, um den Verkehr flüssiger zu halten" wird im letzten Absatz des Artikels erwähnt.Beschleunigung, Zeitersparnis ... für wen und auf wessen Kosten?
Das Zitat ist übrigens sehr hübsch. Verkehrsstadtrat Peer vergisst dabei aber, dass der Dirigent immer noch der Mensch und nicht eine Maschine ist. Und der Dirigent gibt vor, wie gespielt wird.

Doppelklick auf das Bildl, dann wird's größer.


Forstbewirtschaftung in der Stadt




Entlang des Inns wurde mit dem Totschlagargument "Hochwasserschutz" radikal geholzt. Nun auch entlang der Igler Straße mit dem anderen Totschlagargument "Verkehrssicherheit". Was allerdings Schlägerungen bis 50 Meter von der Straße entfernt mit der Verkehrssicherheit zu tun haben sollen, ist mir schleierhaft. Vielleicht befürchtet das Forstamt, dass sich Bäume von selbst auf die Straße werfen.

Forstwirtschaftlich gesehen handelt das Forstamt richtig. Nur, wir befinden uns in einer Stadt und nicht im Wald. Die AnrainerInnen und Erholungssuchenden sind zu recht verärgert und erbost. Im städtischen Umfeld muss eine andere Bewertung der zu bewirtschafteten Flächen her. Wir brauchen eine naturnahe Holzwirtschaft und einen sensiblen Umgang mit unserer Umwelt.

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