Die Eintönigkeit unserer Straßen aufbrechen

Verparkte und verstopfte Straßen, alltäglich in Innsbruck. In der Euphorie der letzten Jahrzehnte, die das Auto gleichgesetzt hat mit ewigem Fortschritt, verwandelten sich die Straßenräume von Begegnung zur Isolation. Ich empfinde das Auto als modernes Schneckenhaus. Leider verdrängt das Schneckenhaus die zu Fuß Gehenden, lässt Bus und Straßenbahn im Stau versauern und ist für RadlfahrerInnen lebensgefährlich. Nicht nur das: die Eintönigkeit verdrängt Handel und Gastronomie. Und je verödeter die direkte Umgebung, desto weiter die Strecken, die wir zurücklegen, um Erleben und Begegnung wiederzufinden.
Das lässt sich ändern. Schließlich ist die Monotonie kein Naturgesetz. Breite Gehsteige fürs Quatschen, Bekannte treffen oder spielende Kinder. Bäume pflanzen. Parkbänke zum Plauschen.

Ich wünsche allen ...

... ein frohes Weihnachtsfest und geruhsame Feiertage.

Weg wieder geöffnet - bei der Abfahrt Mitte

Ein Telefonat mit dem zuständigen Herren (der war nicht einfach zu finden), und ein paar Stunden später, gibt es nun wieder einen Durchgang beim Kreisel Abfahrt Mitte. Der Zaun, der gegen Falschparker errichtet wurde, hat nun ein Loch zum Durchgehen.

Das ist ein kleiner netter Erfolg. Im neuen Jahr werden sich mein Kollege Thomas Carli und ich darum kümmern, wer denn jetzt eigentlich für den schleißigen Gehweg auf der Resselbrücke und die Wartung der FußgängerInnenunterführung zuständig ist. Da herrscht ein ziemlicher Kompetenzenwirrwarr zwischen Stadt und Land. Wir werden das schon herausfinden.

Innenstadtkaufleute finden Radabstellverbot einen Blödsinn

Das gefällt mir natürlich. Die Innenstadtkaufleute haben schon längst verstanden, dass RadfahrerInnen gute und treue KundInnen sind. Die sogenannte Wirtschaftspartei = ÖVP hat es offensichtlich noch nicht kapiert. ÖVP-Vizebürgermeisters Gruber, der immer seine Wirtschaftskompetenz betont, betonte in der Debatte im Gemeinderat, wie geschäftsschädigend die RadfahrerInnen seien. Hat wohl nicht mit den Innenstadtkaufleuten gesprochen.

Hier der Artikel der Innenstadtkaufleute

Verlängerung der Straßenbahnlinie 3



Ganz still und heimlich wurde es im Stadtsenat beschlossen - die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 in die Philippine-Welser-Straße. Durch die Autobahneinhausung bei Amras können die Leute endlich wieder aufatmen. Und natürlich wird neu gebaut. Es entstehen nicht wenige Wohnungen in dieser Straße. Damit die Menschen den Öffentlichen Verkehr direkt vor der Haustür haben, verlangten wir Innsbrucker Grünen, dass die 3er-Linie bis Amras Dorf verlängert wird. Anfänglich noch belächelt, konnten wir durch stetiges Bretterbohren ein Umdenken erreichen. Jubel.

Schilda lässt grüßen - Weg in den Wald endgültig versperrt



Vor Jahren wurde die neue Autobahnabfahrt Innsbruck-Mitte gebaut. Ein beliebter Spazierweg in den angrenzenden Wald war dadurch betroffen. Die UVP schrieb daher vor, eine Unterführung für FußgängerInnen zu bauen, damit die Menschen die neu entstehende Fahrbahn weiterhin queren können. So weit, so gut.
Die Unterführung wurde gebaut. Behinderungen der zu Fuß gehenden bestanden von Anfang an. Der Gehsteig zur Unterführung ist zu schmal und gar nicht als Gehsteig gedacht. Trotz mehrfacher Urgenz meines Kollegen Thomas Carli und mir wurde nichts am Zuweg geändert. FußgängerInnen sollen also zur Unterführung fliegen. Dann kam der nächste Streich. Der Bau wurde nicht gewartet und wucherte zu. Damals machten wir wieder darauf aufmerksam, dass diese Unterführung gefälligst gepflegt werden müsse. Das geschah dann auch. Das mir bis zu den Hüften reichende Gras wurde gemäht.
Damit diese zu Fuß gehenden Gfraster aber nun endgültig ausgeschlossen werden, wurde ein Zaun errichtet. Jetzt heißt es drübersteigen.
Das ganze ist ein einziger Witz. Dieser Weg ist DIE Verbindung zum Wald. Ja natürlich. Man kann einen großen Umweg gehen und zur nächsten Brücke, die über die Autobahn geht, spazieren. Aber hallo. Geht es noch?
Die Leute der UVP gaben die Vorschreibung, diese Verbindung zu erhalten. Die Stadt Innsbruck tut alles, um ein gefahrloses Erreichen des Waldes zu verhindern.

Salz, Salz und nochmal Salz



Kaum fallen die ersten Schneeflocken, rückt der Räumdienst aus und wirft nebstbei viel Salz auf die Fahrbahnen. Das schädigt natürlich die Bäume am Straßenrand. Die Bäume an der Kranebitter Allee bekommen das besonders zu spüren. Es ist eine Bundesstraße und da muss 50 km/h und mehr gefahren werden, gleich wie die Wetterverhältnisse sind.
Die Bäume müssen einer nach dem anderen ersetzt werden. Sie schaffen diese Vergiftung nicht mehr. Es gäbe mehrere Möglichkeiten, diese permanente Belastung herunterzufahren.

Eine gute Idee hatten unsere Berater zur Straßenbahn. Warum nicht die Straßenbahn auf der Allee fahren lassen und die Autos südlich davon. Laut Planung soll derzeit alles beim Alten bleiben, und die Straßenbahn auf eigenen Gleisen (die auch von Regiobussen benützt werden können) südlich davon. Mit diesem Vorschlag, der übrigens mehrheitlich im Gemeinderat zur Prüfung angenommen wurde, könnten mehrere Vorteile lukriert werden:
a) die Salzbelastung bei der Allee würde stark sinken - das täte den Bäumen gut
b) die Straßenbahn wäre bei den Häusern - die BenützerInnen ersparen sich mühsame Querungen
c) da die südliche Fahrbahn herabgesetzt wäre, ergäbe sich ein natürlicher Lärmschutz

Anstatt immer nur hinten nach zu richten, Bäume zu ersetzen und alles beim Alten zu lassen, sollte diese Überlegung ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Skatingpool in Abgaswolke

Die Idee eines Skatingpools ist super. Profis können sich dort austoben. Nur, der Standort ist ein Schnappsidee. Der Skatingpool soll im geplanten Kreisel der Graßmayrkreuzung errichtet werden. Oben auf der Brücke 46.000 Autos, im Kreisel selbst 12.000 Autos - und mitten drinn Jugendliche, die Leistungssport betreiben.

Das ist wieder einmal ein undurchdachter Schnellschuss der SPÖ. Warum kommt sie auf die Idee? Der innere Platz des Kreisel drohe zu veröden. Ja, liebe SPÖ, das passiert bei Bauten und Straßen für den Durchzugsverkehr. Anstatt aber Jugendliche in eine Abgaswolke zu schicken, sollte das gesamte Projekt Graßmayrkreuzung in Frage gestellt werden. Der Südring ist bereits verödet. Durchzugsverkehr hemmt jegliche Entwicklung für Mensch und Wirtschaft.

Politik für Jugendliche verstehe ich etwas anders. Nicht als Behübschung und Antiverödungsplatzhalter, sondern als ernstzunehmende junge Menschen, die mehr verdient haben. Das Projekt Skatingpool find ich cool. Suchen wir doch bitte einen Standort, wo Jugendliche nicht von Abgasen der Erwachsenen vergiftet werden.

Kurze Grünphasen für FußgängerInnen ...

... und eine lustige Geschichte aus dem Gemeinderat dazu.

Die viel zu kurzen Grünphasen für FußgängerInnen sind mir, aber nicht nur mir, schon lange ein Dorn im Auge. Dementsprechend versuche ich auch, öffentlich Wirbel zu machen. Das goutieren manche im Gemeinderat nicht. So geschah es bei der Budgetdebatte, Bereich Verkehr.

Langatmig und untergriffig wurde ich dafür gescholten, dass ich mich über die kurzen Phasen so aufrege. Ich informiere falsch, es sei doch alles beim Besten und überhaupt stimme es nicht, dass FußgängerInnen über die Zebrastreifen gehetzt werden. Und das alles von einem, der sich, in einem anderen Zusammenhang, darüber aufgeregt hatte, dass er mit dem Auto hinter einem IVB-Bus sage und schreibe 17 sec. warten musste und er eine Busbucht verlange, damit er nicht mehr warten muss.

Daher, lachen meinerseits ob der Schelte.

Wir können auch woanders einkaufen



So nicht. Im Gemeinderat wurde wieder einmal lautstark über die RadfahrerInnen hergezogen und mehrheitlich ein Radabstellverbot in der Maria-Theresien-Straße beschlossen. Eingebracht wurde der Antrag von Vizebürgermeister Gruber und Verkehrsstadtrat Pechlaner erklärte, mit 1. April das Abstellen von Fahrrädern in der Maria-Theresien-Straße zu verbieten.

Radfahren ist unerwünscht in Innsbruck. Gerade musste der Fehler beim Viadukt/Bruneckerkreuzung korrigiert werden. Aber die Autoparteien geben nicht auf. Einheitlich spielten sich FI, ÖVP und SPÖ als große Beschützer der FußgängerInnen auf. Jaja, sobald es gegen RadfahrerInnen geht, wird alles aus dem Hut gezaubert.

Das Spiel ist aber leicht zu durchschauen. RadfahrerInnen sollen verschwinden, damit AutofahrerInnen endlich wieder freie Fahrt haben. An den Drüberhetzampeln wird nämlich nichts geändert.

Warten, warten ... zu Fuß gehen ist echt mühsam

TAZ, 30.11.2010 - Berlin:
"Während einer mehrstündigen Beobachtung tagsüber an einem Wochentag gelang es einzig einem Jogger, der sich während der Rotphase in Position brachte und beim Umspringen auf Grün lossprintete, in einem Rutsch und elf Sekunden zum Bahnhofsvorplatz zu gelangen. Die anderen, von Norden kommenden Passanten warteten allesamt auf der Mittelinsel etwa eine Minute und 20 Sekunden. In dieser Zeit schoben sich die Autos dicht an dicht vorbei. Die FußgängerInnen warten in einer Wolke aus Autoabgasen."

Wieso kommt mir das so bekannt vor? Wobei sie in Berlin noch großzügig sind. FußgängerInnen müssen sich mit 1,2 Meter pro Sekunde fortbewegen, um nur annähernd die andere Straßenseite zu erreichen. Bei uns in Innsbruck heißt es schneller sein: 1,5 Meter pro Sekunde.

Radverkehrsförderung verschwunden



Eigentlich war es ein ambitioniertes Programm. 5 Millionen Euro sollten für Infrastrukturprojekte in Innsbruck auf mehrere Jahre investiert werden. Damit nicht die Stadt alles zahlen muss, wurde auch der KlimaAktiv-Fonds ins Boot geholt und hätte mit 1,5 Millionen gefördert. Es hatte nur von Anfang an einen Haken. Im Beschluss war zu lesen „nach Maßgabe der budgetären Mittel“.
Nun, ich ging nicht davon aus, dass man so blöd ist, Geld liegen zu lassen. Mit den Infrastrukturprojekten wären einige Lückenschlüsse behoben worden, die den Komfort für Radfahren gehoben hätten.
Nichts, aber schon gar nichts, findet sich im Doppelbudget 2011/2012. Das Programm ist gestorben. Die Projekte, die Innsbruck bereits baut, zB. Sillbrücke beim Lodenareal, können wir zu gänze selber bezahlen.

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