Der Run auf die besten Volksschulen

Heftig hat es im Zeitungsblätterwald geraschelt. Vizebürgermeister Kaufmann will Eltern, die ihre Kinder in andere Volksschulen bringen, schärfer kontrollieren. Damit sollen "Ghetto-Schulen" (© Kaufmann) verhindert werden.
Meiner Meinung nach liegt das Problem ganz woanders. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Die Volksschule Innere Stadt wird anscheinend überrannt. Das versteh ich gut. Die Volksschule Innere Stadt ist eine moderne pädagogische Bildungseinrichtung und führt zudem eine Ganztagsklasse (also Unterricht und Freizeit verteilt auf den ganzen Tag). Andere Volksschulen können das nicht leisten, weil ihnen die Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt werden. Und natürlich gibt es Probleme in manchen Volksschulen, weil die LehrerInnen keine Übermenschen sind. Auch ihre Energie ist irgendwann mal am Ende.

LehrerInnen die ganze Verantwortung überzustülpen, ohne zu schauen, wo eigentlich das Problem liegt, finde ich nicht ok. Ich seh das ja bei der Klasse meines Sohnes. 16 Nasen hoch und so unterschiedlich wie unsere Gesellschaft halt ist. Und Eltern dafür zu rügen, dass sie sich nur um ihre Kinder kümmern und sich nicht für eine Verbesserung an der Volksschule vor ihrer Haustür einzusetzen, find ich auch nicht ok. Was sollen Eltern alles noch leisten? Mit Kindern werden einem schon genug Prügel vor die Füße gelegt (das weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung).

Volksschulen, die bestens mit Ressourcen ausgerüstet sind, sind politische Verantwortung. Gleich gute Bildungschancen für alle Kinder haben für mich oberste Priorität in der Bildungsdebatte. Das Vorzeigemodell Volksschule Innere Stadt wünsch ich mir in jedem Sprengel. Dann hört sich auch das Problem der "Abwanderung" auf. Ja, das kostet Geld. Mir ist es das wert, denn jedes Kind soll die besten Startvoraussetzung für das Erwachsenenleben bekommen.

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