Quo vadis Sonderschule

Die ÖVP wird von Skandalen durchgeschüttelt, Milliarden werden neuerlich für ein Bankenrettungspaket investiert (beim Euro-Rettungsschirm geht es ja um nichts anderes) und dabei werden die alltäglichen lebensbestimmenden Belange in den Hintergrund gedrängt.

Bildung und Inklusion bleiben auf der Strecke. Im letzten 6020 fand sich ein Artikel zu "Auslaufmodell Sonderschule", der sehr treffend die Situation in Tirol umreißt. In Innsbruck steht ein Neubau für eine Sonderschule an, das wir mit viel Bretterbohren wenigstens so hingebogen haben, dass dieser Neubau nach einer Schulgeneration zu einer inklusiven Schule wird. Aber warum eigentlich nicht gleich ein Sonderpädagogisches Zentrum für Beratung und Schulung? Weil in Tirol immer noch die Meinung herrscht, Kinder, die nicht der Norm entsprechen, gehören weggesperrt. Mehr schlecht als recht gibt es ein paar inklusive Ansätze (Bezirk Reutte ist die rühmliche Ausnahme). Auf grünes Bretterbohren hinauf, wurde in Innsbruck eine Enquete zur inklusiven Schule abgehalten. Was ich da zu hören bekam, war haarsträubend.

Seitdem kann ich Herrn Schilcher, ehemaliger Landesschulratspräsident der Steiermark, nur zustimmen: "Weil es um eine tiefsitzende Haltung aus Zeiten des Ständestaates geht, die in Tirol offensichtlich nicht so einfach abzustreifen ist. Man will unter sich sein. Alle mit Problemen - die Blinden, die Tauben (eigentlich heißt es Gehörlose, Anm.von mir), die Ausländer, die Schlechten - gehören laut diesem ständischen Denkmodell nicht dazu und müssen ausgesondert werden" (6020, S.16). Und weiter: "Daher rührt diese Sonderschulidee, die im Übrigen eine österreichische und deutsche Spezialität ist. Das gibt es in dieser Form sonst nirgends auf der Welt" (ebda).

Dazu brauch ich nichts mehr sagen. Mir ist schon klar, dass, wenn es an Ressourcen mangelt (LehrerInnen, SonderpädagogInnen, Ausstattung der Schule ...), der Widerstand groß ist. Wir sollten endlich die Barrieren in unseren Köpfen rausschmeißen. Und wenn die ÖVP einträchtig herunterbetet, dass Eltern für ihre Kinder doch die Wahlfreiheit hätten, dann ist das nichts anderes als
a) die Bestätigung der Aussagen des Herrn Schilcher
b) die Unwahrheit

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