Das gefällt mir - das 1te SharedSpace-Projekt

Gestern vormittag weilte ich bei der Präsentation der verschiedenen Gruppen zur "Marke Innsbruck". Da wird ja an allen möglichen Dingen gebastelt. Unter anderem auch an Anbruggen, dem ältesten Stadtteil Innsbrucks. Anbruggen ist St.Nikolaus. St.Nikolaus ist ein lebendiger Stadtteil, mit historischer Bebauung, vielen kleinen Geschäften, Lokalen und Kreativgeschichten Das hat sich in den letzten Jahren entwickelt, weil der Stadtteil sich generationenmäßig verändert. Und trotzdem wird es unter seinem Wert geschlagen. Das hat historische Wurzeln. Die Innstraße und mit ihr die Mariahilfstraße waren Ende der 30er-Jahre als Nordring geplant. Das blieb dem Stadtteil picken und so sieht er aus - eine Straße für den Auto-Durchzugsverkehr. Durchzugsverkehr bedingt, dass wenig Platz für Menschen bleibt und auch wenig Platz für wirtschaftliche Aktivitäten - sei es für kleine Geschäfte, Gastronomie oder Kunst/Kultur. Die durchfahrende Autoschlange kauft nicht ein, verweilt nicht in Cafés und hat keine Muse für Kunst und Kultur. Weil sich der Stadtteil verändert (er verjüngt sich vor allem), beginnt er wieder zu pulsieren und fordert auch sein Recht ein, endlich wahrgenommen zu werden.

Als ich vor mehr als 10 Jahren in den angrenzenden Stadtteil Mariahilf zog, war ich ganz erstaunt, welch Potential hier brachliegt und wie die Politik dieses ignoriert. Ich knüpfte an die damals vor Ort arbeitende BürgerInneninitiative an und war noch mehr erstaunt. Jahrelang haben die Bürgerinnen und Bürger vor Ort um ihren Stadtteil gekämpft und sind nur gegen Mauern gelaufen. Auch ich habe mich bemüht, den Wert dieses Stadtteils auf die politische Bühne zu heben. Sie und auch ich wurden schlicht und einfach von der Politik ignoriert, als Querulanten und Modernitätsverweigerer hingestellt. Meine Güte, was für einen Blödsinn habe ich mir im Gemeinderat immer anhören müssen. Liebe Leute, va. liebe PolitikerInnen der ÖVP und SPÖ, Modernität ist nicht gleichzusetzen mit Autoschlangen. Das ist falsch. Ich weiß schon, dass das ICH und das AUTO immer gleichgesetzt wird. Die jahrzehntelange Werbeflut der Autoindustrie hat schließlich diesen Mythos geschaffen. Aber es ist und bleibt ein Mythos. Das ICH ist das ICH und das AUTO ist ein Ding. Das Ding kann vernünftig oder unvernünftig eingesetzt werden.

Bevor ich mich jetzt aber in einen philosophischen Diskurs verliere, komme ich wieder zurück zum gestrigen Vormittag. Endlich hat sich modernes Stadtleben einen Weg gebahnt. Stadt heißt Leben auf der Straße, Raum für die Menschen. Und SharedSpace bietet Raum. Raum für alle. Autofahrende sind weiter erwünscht. Nur, die Exklusivität gibt es nicht mehr. Der Straßenraum wird geteilt und ist für alle da.

Das Pflänzchen SharedSpace, das nun in St.Nikolaus Fuß fässt, kommt nicht von ungefähr. Manchmal muss man andere Wege gehen und man kommt doch zum Ziel -:))
Nun ist es wichtig, diesen Prozess zu unterstützen und das Projekt umzusetzen. Es werden mit Sicherheit noch genug Torpedos abgeschossen, um einen gemeinsam genutzten Raum zu verhindern. Die Gemeinderatswahl 2012 wird ein entscheidender Meilenstein für die Umsetzung sein.

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