Die ÖVP macht schon lange gegen die Gesamtschule mobil. Ihr Argument ist das Schreckgespenst "Einheitsbrei". Nun frage ich mich schon, wie das begründet ist. Wir haben JETZT einen Einheitsbrei. Alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse müssen zur selben Zeit, im selben Tempo, auf gleiche Weise, dasselbe lernen. Das ist ein uniformierter Unterricht, der die Unterschiedlichkeit der Kinder negiert. Wer nicht mitkommt, soll gefälligst in den privaten Nachhilfeunterricht und wessen Eltern sich das nicht leisten können, bleibt halt sitzen. Das ist ein Defizitherumreiten der schlimmsten Sorte. Und ein Ausgrenzen - ein ausgrenzendes System, das schlussendlich frustrierte Jugendliche zurücklässt.
Ich frage mich, wie lange wir uns das noch leisten wollen?

Der Anzahl jener nach, die das Bildungsvolksbegehren unterschrieben haben leider noch sehr lange!
AntwortenLöscheneinige fakten zum nachdenken: wir haben - nicht nur in ö - einen massiven facharbeitermangel, obwohl es in diesen berufen viel zu verdienen gibt und sie auch durchaus attraktiv sind. wir haben offensichtlich wahnsinnig viele schülerInnen, die sich in ihrer ausbildung schwer tun und deshalb nachhilfe in anspruch nehmen (müssen?), wenn es die eltern denn finanzieren können. viele lehrlingsausbildner klagen über ein sinkendes niveau bei den schulabgängern. bedauerlich viele studis brechen ab oder wechseln nach x semestern das fach. frage: kann es nicht sein, dass sehr viele kinder und jugendliche (aus welchen gründen auch immer - prestige?)einen (aus-)bildungsweg einschlagen (müssen?), der nicht ihren talenten entspricht? letzter gedanke, um den kreis zu schließen: warum keine studiengebühren (auch für wohlhabende), aber sehr wohl teure kursgebühren für fortbildungswillige (fach-)arbeiter, z.b. am wifi? sozial gerecht? politisch gewollt?
AntwortenLöschenja, wir haben einen facharbeiterInnenmangel. es gibt aber noch einen grund, warum das so ist. betriebe bilden immer weniger aus. sie wollen fixfertige facharbeiterInnen. das spart die kosten der lehrlingaausbildung. gute mittelständische unternehmen bilden selbst aus und haben diese probleme viel weniger als die großen unternehmen, die leider immer weniger ausbilden.
AntwortenLöschenund warum für meisterprüfungen so viel geld hingelegt werden muss, habe ich noch nie verstanden. das hängt aber wiederum mit der wirtschaftskammer zusammen, die sich die prüfungsgebühren und teuren kursgebühren einverleiben will (das WIFI gehört wirtschaftskammer).
ich sag jetzt mal ganz spitz: die wirtschaft jammert und steht sich selbst im weg.
Liebe Sonja! dass du den facharbeitermangel einfach auf die wirtschaft schiebst finde ich feig! ich bin seit jahren in der privatwirtschaft und bilde auch lehrlinge aus! wie sich die qualität der bewerber auf eine lehrstelle in den letzten jahren entwickelt hat ist gelinde gesagt, eine frechheit! dafür mache ich aber auch unser bildungssystem verantwortlich, denn wenn es einem schüler immer einfacher gemacht wird, auch ohne genügend wissen aufzusteigen, warum sollte er sich denn dann eine lehrstelle suchen, wo er dann leistungsdruck ausgesetzt ist? was aber noch viel enttäuschender ist, ist wenn dann politiker ganz einfach die schuld auf die wirtschaft schieben!
AntwortenLöschenlieber anonym! da scheint ein missverständnis zu sein. ich schreibe "es gibt aber noch einen grund ...". das problem liegt nicht allein an jugendlichen. es gibt ja nicht NUR jugendliche mit schlechter ausbildung. ich kenne genug klein- und mittelbetriebe, die engagiert lehrlinge ausbilden. manchmal ist es auch schwierig mit pubertierenden, das bestreitet niemand (wir waren, glaube ich, in diesem alter auch nicht die einfachsten -:)) meine kritik richtet sich unternehmen, die darauf warten, fertige facharbeiterInnen von den anderen klein- und mittelbetrieben zu bekommen.
AntwortenLöschendass auch jugendliche in der lehrlingsausbildung sind, die defacto analphabeten sind, liegt wiederum an unserem bildungssystem.
ich hoffe, ich konnte in aller kürze das missverständnis aufklären.
auch nur in aller kürze ein paar beispiele grosser unternehmen mit sehr guter lehrlingsarbeit!
AntwortenLöschenhttp://www.lehrlingswettbewerb.at/download/Industrie2011/Ergebnisse/BATirol-Ergebnisheft-Industrie2011.pdf
ausserdem meinte ich, dass bei mehr schulausscheidern automatisch ein grösserer andrang und damit wettbewerb um lehrstellen entsteht. damit muss jeder schüler mehr leisten, auch wenn er nicht unbedingt matura machen will! wenn ich aber mehr maturanten will, was im bildungsvolksbegehren auch gefordert wird, dann wird der wettbewerb um lehrplätze kleiner und dadurch die qualität (noch)schlechter! jugendliche einfach nur bis zur matura durchzuschleifen halte ich für einen angriff auf österreichs wirtschaft! nicht nur akademiker braucht das land (auch wenn diese auch sehr wichtig sind), sondern auch qualifizierte lehrlinge!
das problem kenn ich auch, gute lehrlinge sind immer schwerer zu finden! wobei es leider auch nichts mehr heisst, wenn jemand die matura hat! dass grosse firmen auf fertige facharbeiter warten, ohne sie auzubilden, halte ich auch für falsch. die besten beispiele sind z.b. hofer, thöni, swarovski,...
AntwortenLöschendass aber immer mehr "vollpfosten" die matura haben stimmt sicher auch, ich würde mich auch über ein strengeres schulsystem freuen, aber auch dafür muss der erste schritt getan werden!
ich finde, anonym gestern am abend hat es gut getroffen!
ich glaube mich zu entsinnen, dass es schon einmal ein anreizsystem für mehr und bessere lehrlingsausbildung gegeben hat: die blum-prämie unter schwarz-blau, hat da einiges positives bewegt. solange aber die lehre und somit eine facharbeiterkarriere nicht auch gesellschaftlich (=bringschuld der politik)positiv bewertet werden, wird sich wenig ändern. die leute, die heute unter großen (finanziellen) opfern zur matura und in weiterer folge zum studium "getragen" werden und dann häufig kreuzunglücklich sind, haben eben früher eine lehre absolviert und so ihr lebensglück gefunden. viele, die heute eine lehrausbildung machen, wären früher eben hilfs- oder angelernte arbeiter geworden - auch nichts verwerfliches. der status quo ist aber für alle beteiligten unzufriedenstellend, weil viele eben nicht gemäß ihren talenten ausgebildet werden.
AntwortenLöschennachtrag: die grünen setzen sich - stichwort studiengebühren, zu denen man stehen kann, wie man will - sehr für die belange studierender ein. wo ist ihr engagement für arbeiter, lehrlinge und co. in ausbildungsfragen? provokant gesagt, hat j. haider damals als erster die freifahrt für lehrlinge in kärnten eingeführt. sonst hat sich damals wie heute niemand groß um diese klientel gekümmert und der unsägliche hc sahnt wahl für wahl bei dieser gruppe kräftig ab. eine möglichkeit wäre es, sich für das alte lif-modell des bildungsschecks einzusetzen. umsetzbar und sozial gerecht(er).
AntwortenLöschenwas ist denn ein "vollpfosten"? das ist ja ein lustiges wort.
AntwortenLöschenund ich stimme zu, dass bei den grünen das thema lehrlinge unterentwickelt ist. wahrscheinlich, weil so gut wie niemand eine lehre gemacht hat. ich habe eine gemacht und war damals schon erstaunt, wie niedrig das bildungsniveau in der berufsschule war. hat sich mit sicherheit nicht gebessert. freifahrt hat es allerdings gegeben - vom und zum arbeitsplatz, so wie bei den schülerInnen - vom und zur schule.
um gute lehrlinge zu bekommen, braucht es eine gute elementarausbildung, vom kindergarten bis zur 9ten schulstufe. wie bereits weiter oben geschrieben, kann es doch nicht sein, dass nach 9 schuljahren frustrierte analphabeten herauskommen, die auch die grundrechnungsarten nicht beherrschen. da stimmt doch was nicht.
haha, die bildungsreform beginnt, ich bringe dir wörter bei! ;) beim wort "vollpfosten" kann man den wortteil "pfosten" beliebig gegen diverse schimpfwörter wie "idiot", "depp" oder ähnliches austauschen.
AntwortenLöschenwas hast du gelernt?
ich glaube, dass wir nun ein riesenproblem der grünen angesprochen haben (m.m.n. das grösste): bei vielen grünen fehlt das verständnis für nichtakademiker, bzw "das einfache volk". klar, es fehlt auch durch die hohe akademikerquote der zugang im job! nimm einmal deine eigene gr-liste her und schau wieviele aus einem lehrberuf kommen!
ein weiteres wunderbares beispiel ist der gebi mair! bei allem gscheit, aber noch nie wirklich ausserhalb der politik gearbeitet! so werd ich halt auch keine akzeptanz eines arbeiters bekommen, wenn ich ein reiner theoretiker bin!
in der bevölkerungsschicht hat das grüne system total versagt. da muss man die strategen der freiheitlichen loben, denn diese gruppe ist riesig und sicher nicht grün! aber wer weiss, vielleicht erkennen die grünen chefs auch noch einmal, dass österreicher nicht nur auf den unis sind!
Das mit der Freifahrt finde ich eigenartig. Anfang der 90er bin ich im Rahmen meiner Lehre von Ibk nach Imst gependelt. Dabei musste ich immer eine Monatskarte berappen, die ich teilrefundiert bekommen habe. Als ich 95 mein Powi-Studium an der LFU begonnen habe, musste ich gar nichts zahlen, Studentenfreifahrt bis zum 27. Lebensjahr, sogar ohne Leistungsnachweis, wenn ich mich richtig erinnere. Fast alle meiner Kollegen haben damals übrigens zu Blau tendiert, einfach weil Haider der Einzige war, der ihre Lebensrealität angesprochen hat. Die Roten, die traditionell für uns "zuständig" gewesen wären, haben sich schon damals in anderen Sphären bewegt. Leider setzt sich diese Tendenz bis heute fort.
AntwortenLöschendeine meinung zum bildungsscheck würde mich nach wie vor interessieren, ganz kurz zu den grundzügen:
AntwortenLöschenDer Bildungsscheck soll mehr Fördergerechtigkeit bringen. Jeder österreichische Staatsbürger soll einmal in seinem Leben Anspruch auf einen Bildungsscheck haben, mit dem er sich die Weiterbildung nach vollendeter Lehre oder ab Maturaniveau finanzieren kann. Über die Höhe kann diskutiert werden, 5.000 Euro wären aber ein Ansatz. Damit könnte man auch sozial abgefedert wieder Studiengebühren einführen und so den Zustrom von Studierenden aus dem Ausland regulieren oder gegenfinanzieren. Wer den Scheck nicht in Form von (Fort-)bildung in Anspruch nimmt, hat natürlich keinen Rechtsanspruch auf Barablöse o. Ä.
melde mich morgen. hab heute gemeinderat.
AntwortenLöschenhaha, danke für das schließen der bildungslücke -:))
AntwortenLöschenich hab die typografie-lehre gemacht - die kunst der schrift und dort, wo ich gelernt habe, die kunst des buches. diese lehre gibt es in dieser form heute nicht mehr.
ende 80er-jahre gabe es die freifahrt für lehrlinge noch. ich hab zum arbeitsplatz allerdings keine bekommen, da die firma unter 2 km lag. zur schule hab ich freifahrt voll bezahlt bekommen. da hat es offensichtlich eine änderung gegeben. auch bei der uni-freifahrt hat es änderungen gegeben. als ich zu studieren begann, bekam ich alle 5 tage, dann wurde reduziert und man musste die wochenplanung vorlegen und bekam nur mehr die tage, die man auf der uni war. außerdem musste man vorweisen, dass man in der mindeststudiendauer + 2 toleranzsemester herumschwirrte. da ich später zu studieren begann, weil ich davor ja die lehre gemacht habe, bin ich mit 27 dann sowieso aus dem freifahrtsystem rausgefallen.
zum bildungscheck: ja, finde ich keine schlechte idee, würde allerdings eine einkommensgrenze einziehen. wenn jemand zb. bereits 5000 euro netto im monat verdient, brauchts das wirklich nicht mehr. zusätzlich bräuchte es zum angebot auch motivationsschübe dazu, um den leuten die weiterbildung schmackhaft zu machen. ist ja nicht ohne, wenn man den ganzen tag arbeitet, sich am abend noch bildung reinzuziehen bzw. wenn noch kinder da sind, arbeit, haushalt/erziehung und bildung unter einen hut zu bringen.
AntwortenLöschenüber details wie einkommensgrenzen kann man sicher noch diskutieren. motivation für bildung aller art ist der scheck aber sicher, wer will schon 5.000 euro brachliegen lassen? wenn die grünen sich tatsächlich ernsthaft für dieses modell, das deutlich gerechter wäre, als alles, was wir jetzt haben, einsetzen würden, obwohl es vom politischen gegner stammt, wähle ich sie sofort. versprochen.
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