Strafe muss sein. Muss Strafe sein?

Das ist eine interessante Frage und wurde gestern Abend bei einer Podiumsdiskussion des Vereins "Neustart" mit hochkarätiger Besetzung diskutiert - von Kriminologen, Senatspräsident Oberlandesgericht, Strafrechtler und Staatsanwältin. Es wurde auch klar eine Trennung zwischen Kapitalverbrechen (wie z.B. Serienmörder) und Vergehen, die bis zu einem Jahr Haft bedeuten würden, unterschieden.

Folgende Aussagen gab es:
  • die Frage der juristischen Strafe versus gesellschaftlicher Strafe
  • Tatausgleich wirke mehr als Haft (1 Monat Haft kostet so viel wie 1 Jahr Begleitung durch Bewährungshilfe)
  • es gibt keine Generalprävention durch längere Strafandrohung
  • mehr Sicherheit durch weniger Haft (dh. Ausgleich und soziale Dienste wirken besser als 2-3 Monate in Haftanstalt verbringen)
  • rasche Reaktion durch Justiz ist wichtig, nicht die Verschärfung der Haftstrafen
  • die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, schrecke ab
  • Anlassgesetzgebung durch die Politik bringe gar nichts
Wobei immer berücksichtigt werden müsse, dass Taten aus dem Affekt heraus nicht rational sind und daher die höhere Strafandrohung gar nichts verhindere. Aber das ist eh logisch. Wenn alle Sicherungen im Hirn durchbrennen, dann wird nicht über die Konsequenz des Tuns nachgedacht. Vor allem bei Jugendlichen hat der Verein "Neustart" wesentliche bessere Erfolge mit ihrer Begleitung als das Einsperren bringen würde.

Im Gesamten war es eine gelungene Veranstaltung mit mehr als 100 BesucherInnen. Da dieses Thema ja nicht unbedingt mein Spezialgebiet ist, habe ich mit dem Chef von "Neustart" gleich ein Treffen ausgemacht, um mehr Informationen zu bekommen und somit tiefer in die Materie eintauchen zu können.


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