Kinderlärm als Störfaktor

Am Schönblickweg in Arzl steht das Kinderheim Jugendland. Das angrenzende Grundstück soll nun bebaut werden. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Nun verlangt aber der zukünftige Bauherr eine Art Lärmschutzwand, getarnt als Kletterwand. Das Land Tirol (denen gehört das Grundstück) bemüht sich eifrigst, in einer eigenen Reallastvereinbarung mit Präambel zum Kaufvertrag die Lärmschutzwand schön zu reden. Diese getarnte Kletterwand verläuft mitten durch den Spielplatz und wäre 13 Meter lang und 3 Meter hoch.
Hier geht es um Grundsätzliches. Ist Kinderlärm durch Spiel und Spaß ein Störfaktor in unserer Gesellschaft? Offensichtlich Ja. In Deutschland sind schon richtungsweisende Urteile ergangen, dass Kinderlärm bei Spielplätzen "grundsätzlich nicht als Störung angesehen werden könne, der die Brauchbarkeit einer Wohnung vermindere".
Und wie sieht es im sogenannten "familien- und kinderfreundlichsten Bundesland" (das sagen Platter und Co so) aus? Wenn es den zukünftigen Nachbarn stört, dann ziehen wir mitten durch den Freiraum für Kinder eine Wand auf. Bravo. Ich würde das ganze doch umdrehen. Wenn es Erwachsene stört, dann brauchen sie sich dort keine Wohnung zu kaufen. Aber wahrscheinlich hat der Immobilienentwickler was dagegen - könnte ja auf seinen teuren Wohnungen picken bleiben.

Die Kinder- & Jugendanwaltschaft Tirol ist empört. Zurecht. Das Kinderheim steht auf einem als Sonderfläche gewidmeten Grundstück "Kinderheim". Das bedingt viele Kinder. Wenn sich diese nun im Garten austoben wollen, sind sie plötzlich Störfaktoren.

Die Kinder- & Jugendanwaltschaft Tirol hat unsere vollste Unterstützung. Wir werden mit Sicherheit nicht der Umwidmung des zu bebauenden Grundstücks zustimmen, wenn damit die Lärmschutzwand mitten durch den Spielplatz verknüpft sein sollte.


Tanzen, tanzen ...



Bei bestem Wetter und guter Laune tanzten die Leute von Tango bis Hiphop. Danke an alle, die mitgemacht haben. Und nicht vergessen. Das war erst der Anfang.

Ohne Tanzhaus tanzen wir auf der Straße

Am Samstag, 29.10., startet um 15 Uhr eine Aktion der vielen tanzbegeisterten Gruppen, die sich in Innsbruck um Räume bemühen. Ort ist die Rotunde, Rennweg 39. Nach vielen Jahren des Leerstehens und Überlegens soll die Rotunde als Beispiel für ein Tanzhaus dienen. Vor allem Kulturschaffende brachten etliche Ideen ein, die endlich einer ernsthaften Diskussion und Auseindersetzung zugeführt werden sollen. Die freie Tanzszene tanzt sich quasi in den Prozess hinein.
In den letzten Jahren ist viel entstanden. Das Haus des Theaters für die freie Theaterszene ist bereits im Umbau. Das Haus der Musik ist nun hoffentlich auch in den Startlöchern. Neben Theater und Musik gibt es eine ausgeprägte freie Tanzszene in Innsbruck. Die gehört unterstützt und Raum fürs Tanzen geschaffen.

Vorbeikommen, mittanzen, mitdiskutieren.


Was ist anders in Freiburg?

Nein, nicht dass sie sich vor mehr als 15 Jahren schon auf den Weg gemacht haben, die Energieversorgung auf eigene Füße zu stellen. Auch nicht, dass sie Radfahren forcieren oder ein Regionsticket für den Öffentlichen Verkehr haben, von dem wir nur träumen können.

Es ist das Motto "Geht nit, gibt es nit". Und das bei allen 4 Bürgermeistern (das ist bei uns Stadtrat und von 4 verschiedenen Parteien) und dem Oberbürgermeister (Grün). Klar gäbe es mal Fehler, aber daraus wird gelernt und neu nachgedacht, wie man es zum Wohle der Freiburgerinnen und Freiburger besser machen kann und dann auch umgesetzt. Wenn sich herausstellt, dass die Idee wirklich nicht umsetzbar ist, wird sie nicht versenkt. Es wird nach einem Weg gesucht, wenigstens Teile, die sinnvoll sind, umzusetzen.

Bei uns ist das anders. Zuerst wird mal deponiert "Das geht nicht". In mühsamer Überzeugungsarbeit muss man dann die Bretter vorm Kopf durchbohren, damit etwas Licht die Entscheidungsträger und -trägerinnen trifft. Viel Zeit und Energie geht dabei verloren. Ich wünsch mir in Innsbruck auch so ein aufgeschlossenes Klima.


Parteikassen offenlegen

Inserate hier, Spenden dort und die Forderung nach Transparenz wird mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Nicht nur unserer Kolleginnen und Kollegen im Landtag forcieren dieses Thema.  Im Innsbrucker Gemeinderat wurde ohne viel Worte zu verlieren, unser grüner Antrag versenkt. Außer die FPÖ. Die will die Offenlegung. Was zwar erstaunlich ist, aber vielleicht haben sie dazugelernt.




Besuch der Partnerstadt Freiburg

Freiburg ist schon seit ewigen Zeiten Partnerstadt von Innsbruck. Diesen Montag und Dienstag statten wir unserer Partnerstadt einen Besuch ab. Das Programm ist dicht, aber interessant. Freiburg ist eine Vorzeigestadt für grüne Technologien und hohe Umweltstandards. Kein Wunder - da gibt es auch einen grünen Oberbürgermeister -:))
Freu mich schon auf die kommenden Tage und bringe sicher viele viele gute Beispiele mit.

Die ÖVP und die Innsbrucker Lobbyistenaffäre

Es sei alles nichts gewesen und die Opposition übertreibt doch maßlos. Der Deal mit dem gekauften Bürgermeister im Kaunertal mit gestellter Rechnung Grubers sei selbst vom Landesrechnungshof abgenickt worden. Ach ja, und die 1,5 Stunden verdeckte Einflussnahme zugunsten der TIWAG und zum Nachteil der Stadt und somit zum Nachteil aller Innsbruckerinnen und Innsbrucker sei doch bitte auch ganz normal. Jede und jeder im Gemeinderat gehe doch einem Brotberuf nach. So die Argumentation. Und dann deckt man Medien mit Inseraten ein und schon hat man die gewünschte Berichterstattung.

Wer glaubt, nur Faymann und Co nehmen Einfluss auf Medien, der irrt. Wer glaubt, dass ein Rechnungshof die Moral beurteilt, irrt auch. Wer glaubt, dass Einflussnahme nur auf EU-Ebene vorkommt, irrt ebenso.

Schweigen, nichtreagieren und aussitzen ist die Methode Grubers. Ist bewährt und hat sich schon beim sogenannten "Schweigekanzler" Schüssel als wirkungsvoll erwiesen.

Energieentwicklung in Oberösterreich versus Tirol



Letzten Freitag lud die Grüne Wirtschaft zu einem interessanten Gespräch. Rudi Anschober, Landesrat in Oberösterreich und zuständig für Energieentwicklung, versus Buno Wallnöfer, Chef der TIWAG. Da prallten 2 Welten aufeinander. Der eine, der einen landesweiten Prozess gestartet hatte und der nun in der Umsetzung ist und der andere, der außer Wasserkraft nix sieht.
Und, damit es jetzt kein Missverständnis gibt. In der oberösterreichischen Energieentwicklung ist Wasserkraft selbstverständlich enthalten, es werden sogar Kraftwerke gebaut. Jedoch immer in einem breiten Beteiligungsprozess mit den Leuten vor Ort und so schonend wie möglich für die Natur.
Ein wichtiger Bestandteil der oberösterreichischen Energieentwicklung ist Sanierung und Effizienz. Wir haben nun mal kalte Winter und brauchen warme Wohnungen. Selbst ökologisch gewonnene Energie darf nicht beim Fenster hinausgeheizt werden. So viel könnten wir gar nicht herstellen. Wir brauchen die Energie ja auch noch für andere Sachen - fürs Wirtschaften und für unsere Mobilität. Alles zu Fuß gehen, wird sich halt nit spielen und Treträder fürn Computer auch nicht.
Da haben wir in Tirol noch einen weiten Weg vor uns. Wir müssen alle Energie nutzen - Sonne, Wasser, Biomasse und auch Wind, um aus der Falle Öl, Gas und Atomstrom herauszukommen.

Die Markthalle Innsbruck

Die Markthalle Innsbruck gehört zu gleichen Teilen der Landeslandwirtschaftskammer und der Wirtschaftskammer. Jahrelang bilanzierte die Markthalle negativ. In den letzten Jahren ist es gelungen, wenigstens ausgeglichen, dh. mit einer schwarzen Null, zu bilanzieren. Das Gebäude selbst ist stark sanierungsbedürftig. Es wurde auch nie ins Gebäude investiert (außer Kleinigkeiten), sodass der Zustand jenseitig ist. Damals bei der Errichtung in den 50er-Jahren hat man nicht auf Energieeffizienz oder Bausubstanz im Allgemeinen geschaut.

Nun wollen die beiden Gesellschafter die Markthalle der Stadt Innsbruck um 1 Euro schenken.
Es gibt aber ein paar ungeklärte Sachen. Da gibt es zum Beispiel die ungeklärte Dienstbarkeit der Ärztekammer. Diese besagt, dass die Markthalle nicht höher als ebenerdig sein darf, damit die Aussicht bei ihrer Immobilie nicht gestört wird. Das klingt jetzt im ersten Moment lächerlich. Aber so eine Dienstbarkeit kann jeglichen Neubau und bessere Nutzung der Markthalle verhindern.

Das Gebäude ist hinfällig. Das noch zu sanieren, wäre hinausgeschmissenes Geld, dh. Abriss und Neubau. Aber was für ein Neubau? Darüber schweigt sich die Stadt aus. Und vor allem, machen wir das selbst und tragen dann auch selbstverständlich die Kosten oder wird das Gebäude einem Investor angeboten? Hotelpläne schwirrten ja schon mal herum.

Es hätte schon seinen Charme, sich die Markthalle zu schnappen. Da könnte ein tolles Projekt in diesem Grätzel entstehen. Die Hochgarage haben wir uns ja schon geholt, dann hätten wir auch die Markthalle und den Marktplatz. Daraus ein neues, für die Allgemeinheit nutzbares, multifunktionales Kleinzentrum zu schaffen, hätte was.

Davor müssen wir aber die Ungereimtheiten klären. Ansonsten kaufen wir die Katze im Sack und stehen vor unkalkulierbaren Kosten. Das könnte dazu führen, dass wir es gezwungenermaßen an einen Investor verklopfen müssten. Und das ist das letzte, was wir Grüne wollen.

Der Sumpf ist tief in Tirol

Nun ist die Geschichte heraußen. Franz Xaver Gruber lobbyierte im Interesse der TIWAG beim gewünschten Ausstieg der IKB bei den CBL-Geschäften. Die Nebelbombe, die nun gelegt wurde, ist wirklich sagenhaft. Es arbeiten ja auch andere Gemeinderäte in stadt- und staatsnahen Betrieben und da sei es doch nicht verwerflich, wenn man bei der Lobbyagentur Hofherr Communication Lobbying betreibe. Jaja.

Wer es genau wissen will - hier.

Quo vadis Wohnbauförderung

Leistbares Wohnen ist vor allem in Tirol eine dringende Forderung. Die Preise für Mieten und Eigentum klettern in die Höhe. Wenn man sich so die Immobilienseiten durchliest, frage ich mich schon, wer sich das noch leisten kann. Aber nicht nur Tirol ist von hohen Preisen betroffen. Lange Zeit hat die Wohnbauförderung (bezahlt aus den Lohnnebenkosten der ArbeitnehmerInnen) einiges abgefangen. Seitdem aber die Zweckbindung dieser Gelder gefallen ist, spielt sich in jedem Bundesland das Gleiche ab. Plötzlich werden nicht mehr nur Wohnungen gefördert, sondern Einrichtungen für die Allgemeinheit - Bahnhöfe, Kindergärten, Altenheime. Klar, das brauchts auch. Ob dafür allerdings die Gelder der Wohnbauförderung verwendet werden sollen, stelle ich schon in Frage. Interessant ist ja, dass sich nun auch die Wirtschaftskammer darüber aufregt - im speziellen diejenigen Abteilungen, die mit Bau beschäftigt sind. Natürlich haben die Eigeninteressen - ist ja ihre Arbeit. Dass wir leistabere Wohnungen brauchen, stellt hoffentlich aber niemand in Abrede.

Hier ihre Forderungen.

Grund genug für die Bausozialpartner, die Politik wachzurütteln und Maßnahmen für eine neue gesicherte und bedarfsorientierte Wohnbauförderung zu präsentieren.
Gemeinsam mit Wohnbau-ExpertInnen wurde ein Vier-Punkte-Programm erarbeitet:

1. Gesicherte bedarfsorientierte Wohnbauförderung
Eine gesicherte bedarfsorientierte Wohnbauförderung unter Berücksichtigung der prognostizierten Bevölkerungszuwächse ist unumgänglich. Dabei sind energieeffiziente leistbare Normen fortzuführen.

2. Dynamischer Wohnbauförderungsbeitrag durch Indexierung
Die Wohnbauförderung muss an die aktuellen Baunormen und höheren Ansprüche im Bereich Wohnen angepasst werden. Fakt ist, die Basis für den Wohnbau ist durch die Lohnerhöhungen gestiegen – die Wohnbaufördermittel wurden im Gegensatz verringert.

3. Die Wohnbauförderung muss wieder ausschließlich den Wohnbau fördern
Finanzierung der Wohnbeihilfen, Heizkostenzuschüsse und sonstige Geldleistungen sowie vorgeschriebene nicht bauliche Auflagen sind den zuständigen Budgets zuzuordnen.

4. Wohnbauförderungsbeiträge, Bundesmittel und Rückflüsse aus den Länderbudgets in einen „Zukunftsfonds Wohnen” ausgliedern
Wir benötigen gesicherte Fonds in den Ländern, um leistbares Wohnen auch in Zukunft finanzieren zu können.

Wem gehören die Rating-Agenturen?

Diese Frage stelle ich mir schon lange. Es kann doch nicht sein, dass 3 private Firmen die Welt beherrschen.




Weg mit dieser blöden Zoneneinteilung beim Öffentlichen Verkehr

Wien hat es geschafft. Das Jahresticket wird um einiges günstiger. Für 1 Euro pro Tag kann man zukünftig durch die Stadt kurven.
Und wo steht Innsbruck? Noch weit davon entfernt.

Um das Tarifsystem verständlich erklären zu können, muss ich jetzt ein wenig ausholen. Innsbruck ist nicht für die Tarife verantwortlich. Die werden vom VVT (VerkehrsVerbundTirol) diktiert. Der VVT hat über ganz Tirol ein engmaschiges Zonensystem gezogen. Wenn ich nun von Innsbruck nach Hall fahren will, benütze ich 3 Zonen. Wenn ich von Völs nach Götzens will, benütze ich 4 Zonen. Und jetzt wird es erst richtig kurios: Um den Weg Völs-Götzens zu bestreiten, muss ich von der Zone Völs in die Zone Innsbruck fahren (Umstieg ist beim Zieglstadtl). Von der Zone Innsbruck fahr ich dann in die Zone Götzens. Und weil ich die Zone Innsbruck mit einer Haltestelle angefahren bin, zahle ich 2x für Innsbruck. Ja, wirklich. Ich hab auch ein Zeiterl gebraucht, um das zu kapieren. Je mehr Zonen, desto teurer wird der Spaß. Abgesehen davon, dass man erst mal das Zonensystem kapieren muss, um überhaupt die richtige Ticketwahl zu treffen. Für den VVT macht das engmaschige Zonensystem natürlich Sinn. Je kleiner eine Zone gefasst ist, desto mehr müssen gequert werden und desto mehr Einnahmen hat der VVT. Betriebswirtschaftlich macht das also Sinn. Um Leute für den Umstieg auf den Öffi zu gewinnen, ist es fatal.

Wir werden es in Tirol auch nicht so einfach haben wie in Wien. Wien ist Stadt und Land zugleich und muss sich nicht mit einem Verkehrsverbund herumschlagen. Was jetzt nicht heißt, dass wir den Kopf hängen lassen. Der VVT ist zwar eine harte Nuss, aber nicht unknackbar.
Unsere Forderung lautet: Weg mit dem kleinstrukturierten Zonensystem, hin zu einem Großraumticket Innsbruck.

Welche Energie schöpfen wir?



„Grünen Wirtschaft“ am Freitag, 14. Oktober 2011,
19.30 Uhr, Siftskeller Innsbruck
Anschober (Grüner Landesrat OÖ) vs. Wallnöfer (TIWAG) –
„Grüner Strom? Fragen, Positionen, Antworten“

Ja, es gibt eine „Grüne Wirtschaft“. Und es gibt die Möglichkeit, die Stromerzeugung wieder auf die lokale Ebene herunterzubrechen und sich vom Diktat der Energiekonzerne zu befreien. Wir haben alles vor Ort - Sonne, Wasser und Wind. Diese unerschöpflichen Energiequellen gilt es, im Einklang mit der Natur, zu nutzen.
Rudi Anschober ist schon in der zweiten Periode in der oberösterreichischen Landesregierung und in dieser Zeit hat sich einiges in Oberösterreich getan.


Das funktioniert wohl nicht so wie gedacht



In der Ing.-Etzel-Straße ist es eng. Parkspuren, Fahrbahnen und die Tram sollen Platz finden. Nun versuchte die Verkehrsplanung, die Tramspur freizubekommen, indem sie Linien und Straßenbahnsymbole aufmalte. Das ist auch wichtig, da die Tram in diesem Teilstück sehr viel Zeit verliert und nicht in die Haltestelle einfahren kann. Es war nun der erste Versuch, mit Linien die AutofahrerInnen zu leiten, bevor man großartig an Umbau denkt. Das ist ja auch vernünftig. Ein Umbau kostet gleich sehr viel Geld. Leider funktioniert es nicht berauschend. Im kommenden Verkehrsausschuss werden wir über weitere Möglichkeiten beraten, um die Tram schneller vorankommen zu lassen.

Es ist vollbracht - Innsbruck bekommt Bürgermeisterdirektwahl

Im gestrigen Landtag wurde die Novellierung des Innsbrucker Stadtrechts inklusive Bürgermeisterdirektwahl beschlossen. Nachdem sich nach und nach die Einwände der Tiroler ÖVP in Luft aufgelöst hatten, blieb noch ein Punkt, auf dem herumgeritten wurde - die Anzahl der Mitglieder des Stadtsenats.
Das überparteiliche Stadtrechtskomitee der Stadt Innsbruck hatte sich auf 9 fixen Mitglieder geeinigt. Und das aus gutem Grund. Nach jeder Wahl begann die Liste Für Innsbruck (ÖVP) bei den Koalitionsgesprächen mit einem politischen Kuhhandel à la "Wenn ihr da und dort zustimmt, dann bekommt ihr einen Sitz im Stadtsenat. Wenn nicht, dann wird die Anzahl so festgelegt, dass man nicht dabei ist". Damit dieses leidige Machtspielchen ein Ende hat, wurde die fixe Zahl von 9 im Stadtrecht verankert.
Und was tut die Tiroler ÖVP unter dem Kuratell des ÖVP-Landtagspräsidenten Van Staa, vormals Bürgermeister von Innsbruck.  Das gehe so nicht, und überhaupt und jetzt erst recht nicht und daher wolle man eine Zahl von 7 bis 9. Jaja, der politische Kuhhandel soll erhalten bleiben. Und was machte die Landes-SPÖ? Sie fiel wieder einmal im Liegen um. Hätte sie sich getraut und sich nicht dem Wunsch der Tiroler ÖVP gebeugt, hätte es eine Mehrheit gegen die ÖVP im Landtag gegeben. 

Unabhängig vom politischen Geplänkel hat Innsbruck nun ein modernes Stadtrecht und eine Direktwahl des/der BürgermeisterIn. So wie im Land Tirol und in anderen Bundesländern schon lange üblich.


Damit es auch mal was zum Lachen gibt



Das bin ich, noch ganz jung bei einer SPÖ-Hall-Veranstaltung. Man beachte auch das Plakat im Hintergrund. Das war noch eine SPÖ.

Es wird eine spannende Oktober-Landtagssitzung


In dieser Oktober-Sitzung (5.-7. 10) wird das Innsbrucker Stadtrecht und die Direktwahl beschlossen. Das Stadtrechtskomitee hat sich bereits öffentlich geäußert und wünscht, dass der Innsbrucker Konsens nicht von der Tiroler ÖVP oder SPÖ zerfleddert wird.

Da man ja nicht Zeit hat, immer dort zu sein, gibt es auch die Möglichkeit, sich über Livestream einzudocken. 

Straßenkunst gehört auf die Straße

Eh klar, sonst würde sich ja nicht Straßenkunst heißen. Nur, in Innsbruck herrscht eine restriktive Ordnung, was Straßenkunst betrifft. In der Maria-Theresien-Straße ist Straßenkunst verboten. Daher meldete die KulturGuerilla eine Demonstration an, um ihre Kunst im öffentlichen Raum zeigen zu können.


Was sind ihre Forderungen:
  • Weg mit den Erschwernissen für StraßenkünstlerInnen in der Innenstadt
  • Klare Rahmenbedingungen und Maßnahmen zur Förderung der Straßenkunst
  • Öffentliche Plätze zur kreativen Gestaltung, mehr Freiräume in Innsbruck
  • Enge Zusammenarbeit mit Jugendeinrichtungen und dadurch Förderung der nachhaltigen künstlerischen Kreativität
  • Freie Bahn für Kunst und Kultur im öffentlichen Raum
Ihr Slogan: Straßenkultur ist Leben, ist Kreativität, ist Stadt.

Ja, Stadt ist mehr als hübsch arrangierte Touristenattraktionen. Stadt ist Freiraum.

Eine Schule für alle

In Innsbruck wird ein Sonderpädagogisches Zentrum (SPZ) gebaut. Wir befürchten allerdings, dass es nichts anderes wie eine neue Sonderschule wird. Meine Kollegin Ulli Schindl-Helldrich hat es letztes Jahr geschafft, dass die Mehrheit des Gemeiderates eine Enquete zur Inklusion von Menschen mit Behinderung einberufen ließ (sehr zum Missfallen der Bürgermeisterin). Die Tagung hat eines gezeigt: Es mangelt an Wissen, es mangelt an politischen Willen und es mangelt am Zuhören. Als eine mittlerweilen Erwachsene mit Behinderung erklärte, sie sei nie gefragt und einfach in eine Sonderschule gesteckt worden, folgte Schweigen. Erwachsene urteilen über Kinder, Erwachsene entscheiden, was ihnen vermeintlich gut tut. Und eigentlich geht es um ganz was anderes: ausgrenzen und verstecken.

Gehen - dafür brauchen wir Platz



Fröhliche Urständ der Lobbyisten

Konzerne wünschen sich nicht nur freie Fahrt für ihr Quer-durch-Europa-Waren-Schicken, sondern irgendwo müssen diese Dinger ja auch abgestellt werden.

Angath, Vomp, Innsbruck - überhaupt das ganze Inntal und auch das Wipptal werden zugemüllt mit Abgasen und Lärm. Und immer steht über allem "das öffentliche Interesse". Ich habe noch nie verstanden, was "das öffentliche Interesse" ist. Es kann doch nicht im öffentlichen Interesse sein, Menschen mit Abgasen und Lärm über Gebühr zu belasten und damit die Gesundheit schwer zu belasten. Aber, was gilt schon die Gesundheit vieler gegen das Interesse weniger.

Das gefällt mir - das 1te SharedSpace-Projekt

Gestern vormittag weilte ich bei der Präsentation der verschiedenen Gruppen zur "Marke Innsbruck". Da wird ja an allen möglichen Dingen gebastelt. Unter anderem auch an Anbruggen, dem ältesten Stadtteil Innsbrucks. Anbruggen ist St.Nikolaus. St.Nikolaus ist ein lebendiger Stadtteil, mit historischer Bebauung, vielen kleinen Geschäften, Lokalen und Kreativgeschichten Das hat sich in den letzten Jahren entwickelt, weil der Stadtteil sich generationenmäßig verändert. Und trotzdem wird es unter seinem Wert geschlagen. Das hat historische Wurzeln. Die Innstraße und mit ihr die Mariahilfstraße waren Ende der 30er-Jahre als Nordring geplant. Das blieb dem Stadtteil picken und so sieht er aus - eine Straße für den Auto-Durchzugsverkehr. Durchzugsverkehr bedingt, dass wenig Platz für Menschen bleibt und auch wenig Platz für wirtschaftliche Aktivitäten - sei es für kleine Geschäfte, Gastronomie oder Kunst/Kultur. Die durchfahrende Autoschlange kauft nicht ein, verweilt nicht in Cafés und hat keine Muse für Kunst und Kultur. Weil sich der Stadtteil verändert (er verjüngt sich vor allem), beginnt er wieder zu pulsieren und fordert auch sein Recht ein, endlich wahrgenommen zu werden.

Als ich vor mehr als 10 Jahren in den angrenzenden Stadtteil Mariahilf zog, war ich ganz erstaunt, welch Potential hier brachliegt und wie die Politik dieses ignoriert. Ich knüpfte an die damals vor Ort arbeitende BürgerInneninitiative an und war noch mehr erstaunt. Jahrelang haben die Bürgerinnen und Bürger vor Ort um ihren Stadtteil gekämpft und sind nur gegen Mauern gelaufen. Auch ich habe mich bemüht, den Wert dieses Stadtteils auf die politische Bühne zu heben. Sie und auch ich wurden schlicht und einfach von der Politik ignoriert, als Querulanten und Modernitätsverweigerer hingestellt. Meine Güte, was für einen Blödsinn habe ich mir im Gemeinderat immer anhören müssen. Liebe Leute, va. liebe PolitikerInnen der ÖVP und SPÖ, Modernität ist nicht gleichzusetzen mit Autoschlangen. Das ist falsch. Ich weiß schon, dass das ICH und das AUTO immer gleichgesetzt wird. Die jahrzehntelange Werbeflut der Autoindustrie hat schließlich diesen Mythos geschaffen. Aber es ist und bleibt ein Mythos. Das ICH ist das ICH und das AUTO ist ein Ding. Das Ding kann vernünftig oder unvernünftig eingesetzt werden.

Bevor ich mich jetzt aber in einen philosophischen Diskurs verliere, komme ich wieder zurück zum gestrigen Vormittag. Endlich hat sich modernes Stadtleben einen Weg gebahnt. Stadt heißt Leben auf der Straße, Raum für die Menschen. Und SharedSpace bietet Raum. Raum für alle. Autofahrende sind weiter erwünscht. Nur, die Exklusivität gibt es nicht mehr. Der Straßenraum wird geteilt und ist für alle da.

Das Pflänzchen SharedSpace, das nun in St.Nikolaus Fuß fässt, kommt nicht von ungefähr. Manchmal muss man andere Wege gehen und man kommt doch zum Ziel -:))
Nun ist es wichtig, diesen Prozess zu unterstützen und das Projekt umzusetzen. Es werden mit Sicherheit noch genug Torpedos abgeschossen, um einen gemeinsam genutzten Raum zu verhindern. Die Gemeinderatswahl 2012 wird ein entscheidender Meilenstein für die Umsetzung sein.

Blog-Archiv