Die Insellösung Grassmayrkreuzung

"Das Projekt, das Sie mir gezeigt haben, konnte ich an und für sich nicht fassen. So ein Projekt kann nur jemandem einfallen, der die Stadt Innsbruck massiv schädigen will. Einer, der der Stadt Innsbruck dienen will, der müsste schauen, dass die Fußgängerzonen erweitert werden, der Radverkehr gefördert wird, dass auf jeden Fall verhindert wird, dass Autoverkehr zusätzlich in die Innenstadt geleitet wird, weil die Stadt Innsbruck ist ja eigentlich in einer Fußgängerdimension, zumindest bis zum Südring auf jeden Fall und man müsste den Südring zurückbauen und nicht eine zweite Ebene einziehen, - das ist ja verrückt, dass man heute so etwas macht. Das hat man im Osten gemacht. In den Oststaaten hat man solche Lösungen noch unter der kommunistischen Ära gemacht. Dort baut man sie heute ab. Das Argument, dass das Geld da wäre, ist nach meiner Ansicht nach überhaupt kein Argument weil mit den 40 Millionen angeblich, die da zur Verfügung stehen, schadet man der Stadt um hunderte Millionen. Das heißt, da kann ich das Geld beruhigt zurückgeben, überhaupt keine Frage, wenn man das Geld für die Stadt Innsbruck ausgeben muss, dann sicherlich nicht in dieser Art und Weise: da sollen sie es für den öffentlichen Verkehr ausgeben, sollen sie es für die Straßenraumgestaltung ausgeben, für den Rückbau des Südringes ausgeben. Das ist eine zukunftsorientierte, sinnvolle Investition, aber nicht zur Stadtzerstörung.
Also genau genommen ist das ein städtebauliches Projekt. Ich weiß, Innsbruck hat eine Universität, und eigentlich müssten ein wacher Städteplaner, Städtebauer, Stadtarchitekt ja schon auf den Dächern von Innsbruck unterwegs sein, weil er auf die Palme hinaufgestiegen ist, wenn er ein solches verrücktes Projekt dort gesehen hätte. Das heißt, hier müsste man dieses Porjekt zunächst einmal vollkommen vom Tisch entfernen, gar keine Frage, sich einmal klar darüber werden, was Innsbruck in Zukunft sein soll, und dann müsste man schauen, ob in dieses Zukunftsbild Innsbrucks solche Löcher hineinpassen. Solange man das nicht weiß, kann man keine Verkehrslösung machen. Man kann den Verkehr nicht aus dem Verkehr herauslösen, sondern Verkehr hat immer eine dienende Funktion, ein Mittel zum Zweck, aber niemals Selbstzweck. Das heißt: Übergeordnet müsste man sich zunächst einmal klar werden, wie will man denn in Innsbruck in Zukunft leben: Mit Lärm und Abgasen, mit einem Loch oder auf der Erdoberfläche menschenwürdig, langsam - und damit international wettbewerbsfähig, - oder man versinkt in den Irrtümern der 60er Jahre. Die sind in diesem Projekt deutlich dokumentiert."
Univ.-Prof. DI Dr. techn. Hermann Knoflacher, aus dem Film "Rasender Stillstand - der Innsbrucker Südring", 7.11.2012

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