Podiumsdiskussion zu Fahrradverbot Maria-Theresien-Straße

Das Fahrradverbot in der Maria-Theresien-Straße wurde in der gestrigen Podiumsdiskussion, zu der die Tiroler Tageszeitung lud, sehr emotionsgeladen diskutiert. Am Podium waren Bürgermeisterin Oppitz-Plörer und ARGUS-Vertreterin Martina Gura.

Bei der ganzen Debatte befinden wir uns auf einer Metaebene des "Gefällt mir"-"Gefällt mir nicht". Alles, was nicht gefällt, muss verboten werden. Konservative und Rechtskonservative Parteien konstruieren zu schützende Gruppen, um Verbote durchdrücken zu könne. Diese Verbotsparteien schüren Ängste und Unsicherheit und schaffen damit ängstliche, unsichere Menschen, die wiederum die Verbotsparteien wählen, um sich sicher zu fühlen. Verbotsparteien trennen und spielen gegeneinander aus, um ihre Machtinteressen durchzudrücken. Wenn ich permanent damit beschäftigt bin, mich über das Verhalten anderer zu empören, habe ich reichlich wenig Zeit und Energie, auf das eigentlich Empörende zu schauen. Schwache müssen vermeintlich geschützt werden, um die Interessen der Starken durchzusetzen.

Verbote, Verbote, Verbote - wohin geht denn da die Reise? Wir können alle Überlegungen zu Begegnunszonen bzw. SharedSpace vergessen, wenn nicht einmal in der Maria-Theresien-Straße ein Miteinander möglich ist. Mittlerweile sind die Emotionen schon so hochgeschaukelt, dass, wenn ich das Fahrrad schiebe, von älteren Leuten beschumpfen werde.


Ich finde ja interessant, dass FußgängerInnen als "schwache" VerkehrsteilnehmerInnen bezeichnet werden. Interessant ist, dass es zwar die Defintion "schwache" Verkehrsteilnehmende gibt, aber nicht die Definition "starke" Verkehrsteilnehmende. Im Umkehrschluss muss es "starke" VerkehrsteilnehmerInnen geben. Wer sind die? Die Autofahrenden wurden dazu gemacht, die Kraft ihrer großen Box (= 1,5 Tonnen), stark erscheinen. Dh. mittels eines Vehikels erhöht sich Mensch über andere. Da kann das Ding nichts dafür, es ist nur Mittel zum Zweck. Mit einer modernen Ritterrüstung ausgestattet, werden FußgängerInnen an den Rand gedrängt. Auch Radfahrende werden als "schwache" VerkehrsteilnehmerInnen bezeichnet und auch sie werden an den Rand gedrängt. Beide Gruppen werden im Verkehrsgeschehen als lästig, aber notwendiges Übel, betrachtet und in der Verkehrsplanung auf die Restflächen, die im Straßenraum übrig bleiben, verteilt.

Hängen diese Emotionen damit zusammen, dass Fahrradfahrende in Innsbruck bereits mehr als 1/5 sind, Platz beanspruchen, sich nicht mehr unterwürfig verhalten, sondern fordern. Haben "starke" Verkehrsteilnehmende Angst, das ihnen "ihr" Platz streitig gemacht wird? Dass sie zu teilen beginnen müssen? Werden beide, als "schwach" bezeichnete Gruppen - FußgängerInnen/RadfahrerInnen - gegeneinander ausgespielt, um beide in der schwachen Position zu halten? Diese Fragen beschäftigen mich aber schon länger. Antwort habe ich noch keine gefunden.

Was gestern bedenklich war, waren die respektlosen und unhöflichen Reaktionen des älteren Publikums gegenüber anderen Meinungen. Nicht-Genehmes wurden ins Lächerliche gezogen, Nicht-Ausreden-Lassen war üblich.

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