FußgängerInnenzonen - immer ein Augen- und Hörschmaus ob der politischen Blüten

In Mayrhofen nutzen die Menschen die probeweise eingeführte FußgängerInnenzone auf der Hauptstraße mit Genuss. Die Resonanz ist durchaus positiv - bei den Gästen, bei den AnrainerInnen, bei den Geschäftstreibenden. Natürlich sind nicht 100% zufrieden, das wäre kühn zu behaupten. Wenn ich aber lese, dass 95% zufrieden sind, dann ist das ein schöner Wert.
In Schwaz ticken die Uhren etwas anders. In der Innenstadt gibt es eine FußgängerInnenzone. Derzeit gibt es dort Diskussionen, diese wieder aufzulassen. Ein Argument: Es stehen Geschäfte leer. Dass in der angrenzenden Straße, wo der Autoverkehr durchbraust, auch Geschäfte leerstehen, sei mal nur so nebstbei erwähnt. Das weitere Argument: Trotz Eröffnung des Einkaufszentrum gebe es in der FußgängerInnenzone zu wenig Frequenz. Logo. Dafür brauche ich keine Expertin sein, dass ein Einkaufszentrum in der Nähe einer FußgängerInnenzone kaum zur Belebung führt.
Nun kommt noch Wien. In der Mariahilfer Straße, die Einkaufsmeile in Wien, sollen abschnittsweise FußgängerInnenzonen entstehen. Die WirtschaftskammervertreterInnen laufen natürlich Sturm. Was ich persönlich eigentlich nicht verstehe. Wer die Mariahilfer Straße kennt, muss sich die Frage stellen, was die im Schneckentempo durchkriechenden Autofahrenden (Parkplatz gibt es eh kaum), dort verloren haben. Erreichbar ist die Straße wunderbar, zum Durchfahren braucht man sie nicht.

Wenn man eine FußgängerInnenzone machen will, braucht es davor ein paar Vorarbeiten. Einfach verordnen und schauen, was daraus passiert, ist der falsche Weg. Man braucht den richtigen Mix aus Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten, man braucht die VermieterInnen, die die Mieten im überschaubaren Rahmen halten, man braucht engagierte HändlerInnen und man braucht auch die AnrainerInnen, die mit einer beschränkten zeitlichen Zufahrt einverstanden sind und ihre unmittelbare Wohnumgebung auch mit Leben erfüllen wollen. Die Attraktivität einer FußgängerInnenzone entsteht nicht von heute auf morgen. Manchesmal braucht es auch Zwischenschritte, um dorthin zu kommen. Allein bei der Maria-Theresien-Straße hat es ca. 20 Jahre gedauert, bis sie ihr Gesicht von heute hatte. Wobei ich bei der Maria-Theresien-Straße schon verwundert war, dass das so lange gedauert hat.



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