Die Frage der Infrastruktur

LR Tratter äußert mutige Worte, ist doch jedeR GemeindechefIn interessiert daran, rund um den Kirchturm alles zu bieten. FreundInnen macht sich LR Tratter damit nicht. Nur, die Kosten für die Gemeinden sind im steigen - von der zeitgemäßen Kinderbetreuung bis zum Alters-/Pflegeheim. Leistbares Wohnen gehört hier auch dazu und veraltete und nun zu erneuernde Infrastruktur bei Frischwasser/Abwasser/Strom.
Wir versuchen im Planungsverband (Zusammenschluss von Innsbruck und Innsbruck-Land) die Debatte zu führen. Wo macht zB. welche Freizeiteinrichtung Sinn? Eine 50m-Schwimmhalle muss nicht in Innsbruck entstehen. Sie kann ohne weiteres in der Inntalfurche errichtet werden, bestens erschlossen mit dem Öffentlichen Verkehr.
Wo hat welches Skigebiet noch Sinn und wenn ja, mit welchem Schwerpunkt? Wenn die Skigebiete in Innsbruck und Innsbruck-Land alle das gleiche bieten, nehmen wir uns selbst die NutzerInnen dieser Gebiete weg. Das macht wenig Sinn. Daher: Reden wir darüber, was sich wo finanzieren lässt, ohne beim Sozialen einsparen zu müssen. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass auch Freizeiteinrichtungen ein Sozialthema sind: Bewegung, Sport, gemeinsame Aktionen. Nur, es muss uns auch bewusst sein, dass die Gemeinden auf Dauer dieses Spiel-mir-alles-Konzert nicht finanzieren werden können.

Hier die Artikel der TT:

Knappe Gemeindekassen sind das Regulativ
Was tun mit leeren Hotels und Hallen? Landesrat Tratter will mit der Wohnbauförderung einwirken, SPÖ und Liste Fritz vermissen ein Konzept.
Von Anita Heubacher
Innsbruck – Ein Schwimmbad oder gar ein Hallenbad baut heute kaum eine Gemeinde mehr. Es hat sich herumgesprochen, dass die Bäder nicht wirtschaftlich zu führen sind. Sie zu bauen ist eines, sie zu betreiben ein anderes Thema. „Ab und zu schaut man noch immer zu wenig über den Zaun, aber das hört sich auf, weil überall in den Gemeinden das Geld fehlt“, erklärt Sportlandesrat Josef Geisler (VP). Für große Sportstätten hat das Land ein Konzept. Wo das 50-Meter-Schwimmbecken oder das Leistungszentrum für Klettern entstehen soll, ist darin festgehalten. Was nicht geregelt ist, sind Freizeitsportstätten. Es gibt beispielsweise keinen Gesamttiroler Plan, wo eine Kletterhalle oder eine Freizeitarena gebaut werden soll. So entsteht beispielsweise in Telfs eine Kletterhalle, neben der schwer defizitären Eishalle. Das Land zahlt bei beiden Projekten mit. Fulpmes und Telfes bauen ein Erlebnisbad, während Neustift pro Jahr mit seinem Schwimmbad ein Minus zwischen 300.000 und 400.000 Euro einfährt.
„Neustift sitzt im Planungsverband und hat dem Bau zugestimmt“, erklärt Raumordnungslandesrat und Gemeindereferent Johannes Tratter (VP). Er verweist darauf, dass über seinen Fördertopf gemeindeübergreifende Projekte besonders unterstützt würden. „Wo Neues gebaut wird, ist nicht die Frage, sondern was man mit der alten Infrastruktur macht.“ Tratter lässt an einer neuen Richtlinie für die Wohnbauförderung basteln. Wer ein leerstehendes Gebäude im Ortskern wiederbelebt, soll besonders gefördert werden. Das Land setze auf die Ortskernbelebung und Tratter findet, „dass das auch seit zwei Jahren gut läuft. Die Arbeit meiner Vorgänger will ich nicht kommentieren. Das wäre vermessen.“
Eine Reglementierung ähnlich dem Seilbahn- oder dem Golfplatzkonzept sei bei Sportstätten schwierig. „Ein Zusperrkonzept kann das Land aufgrund der Gemeindeautonomie nicht erlassen“, erklärt Tratter. „Bäder oder Lifte zu schließen, halten Bürgermeister politisch schwer aus. Da ist der Druck zu groß.“
Die Landesregierung möge steuernd eingreifen, fordert die Liste Fritz. „Statt politischer Von-Fall-zu-Fall-Entscheidungen braucht es ein tirolweites Konzept“, erklärt Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. „Das Land könnte Gemeinden unterstützen, die sich trauen, alte Infrastrukturen zu schließen.“ Die SPÖ vermisst „den Mut festzulegen, wo welches Sportangebot entstehen soll“. Dafür brauche es ein Strategiepapier, sagt SP-Landtagsabgeordneter und Ex-Sportlandesrat Thomas Pupp.

Was, wenn Kletterhallen die neuen Tennishallen sind?
Von Anita Heubacher
Da ist den vorherigen Generationen schlecht ein Vorwurf zu machen. Im Wirtschaftsaufschwung glaubten die Veranwortlichen daran, dass in jedem Kuhdorf das Potenzial für eine Tourismusmetropole steckt. Dementsprechend wurde gebaut. Schwimmbäder, Tennishallen, Lifte und natürlich Hotels. Noch dazu kommt die Kleinstrukturiertheit des Landes, wo die politische Macht bis zur Gemeindegrenze reicht. Dementsprechendes Wettrüsten zwischen den Gemeinden führt jetzt zum Problem der veralteten touristischen Infrastruktur.
Mit dem heutigen Wissensstand und den Forschungsmethoden geht es vor allem darum, alte Fehler nicht mehr oder sie, soweit es geht, wiedergutzumachen. Da spießt es sich. Für einen Bürgermeister ist es fast unmöglich, einen Lift oder ein Schwimmbad zu schließen. Über Jahre werden der marode Lift und das alte Schwimmbad subventioniert, um am Ende festzustellen, dass es nicht mehr geht. Das hätte man billiger haben können, wenn Bürgermeister und Gemeinderäte keine Wahlen gewinnen müssten. Noch dazu kommt, dass die alte, defizitäre Infrastruktur Geld verschlingt, das für neue, sinnvolle und zukunftsträchtige Projekte fehlt.
Umso mehr braucht es ein Konzept, wo was Sinn macht und wo was entstehen soll. Tirol muss endlich gesamtheitlicher denken. Das Land ist überschaubar, die Entfernungen zumutbar und der öffentliche Nahverkehr immer besser ausgebaut. Nicht jede Gemeinde kann alles bieten. Schwerpunkte gehören gesetzt, da hat die Opposition aus SPÖ und Liste Fritz schon Recht. Da die Kletterdestination, dort die Ski-Zentren et cetera pp. Allerdings müsste der Gestaltungswille der Landespolitik sehr stark sein. Schließlich ist die Gefahr groß, Bürgermeister und Parteigänger zu vergraulen. Ohne Konzept poppt da und dort neue Infrastruktur auf. Was, wenn die neu gebauten Kletterhallen die leerstehenden Tennishallen von morgen sind?


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