Innsbruck ist bunt und vielschichtig

Ein erfreuliches Ergebnis brachte das Innsbruck-Stadt-Panel mit dem Thema "Integration und Diversität". Knapp mehr als 3/4 der Befragten empfinden die Vielfalt der Menschen, die in Innsbruck leben, als große Bereicherung. Knapp 5 % können dem gar nicht zustimmen.
Anders sieht es im direkten Wohnumfeld aus. Knapp 40% sagen, dass sie keine Probleme mit Menschen anderer Kulturen haben, 30% sprechen von immer wieder mal kleineren Problemen und wiederum 30% von kleinen wie auch großen Problemen mit Menschen aus anderen Kulturen. Da muss sicherlich seitens der Politik noch mehr getan werden, um bei auftretenden Problemen den richtigen Rahmen zur Bewältigung von Problemen zu bieten. Dass man sich nicht einfach abputzen kann und beide Seiten sich bemühen müssen, finden knapp über 60% als richtig. 
Trotz des erfreulichen Ergebnisses dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Ängste und Sorgen der Bevölkerung dürfen wir nicht außer Acht lassen. Daher ist es wichtig, wenn die Stadt gemeinsame Begegnungsräume ermöglicht (als kleines Beispiel können hier die Willkommensspaziergänge erwähnt werden). Wichtig ist, den Rahmen zur gegenseitigen Verständigung anzubieten und zu unterstützen. "Mit Reden kommen die Leute zusammen" - besagt schließlich ein altes Sprichwort.

Ergebnisse im Detail findet man unter: http://www.innsbruckinformiert.at/meinung

Interessantes aus Hamburg - IBA 2013

Letzte Woche war eine Delegation aus Innsbruck in Hamburg bei der IBA 2013. Hauptthema der Bauausstellung ist: Wie kann der notwendige energetische, soziale und städtebauliche Umbau der Stadt des 21. Jahrhunderts gelingen.


In Hamburg redet man von Hektar. Die Insel Wilhemsburg war eine Insel für Arbeitssuchende und Gestrandete aus Europa. Zuerst kamen hauptsächlich polnische Arbeiter, um am Hafen Arbeit zu finden. Nach dem II. Weltkrieg kamen Flüchtlinge, die von der Insel aus weiter wollten und ein Teil geblieben ist - ein Übergangsort ohne besonderen Charme, durchschnitten von Schnellstraßen.

Neben Neubauten, die noch nicht ganz fertig sind, war vor allem die Revitalisierung des sozialen Wohnbaus interessant. Die Häuser und die Wohnungen sind Energieschleudern und meist entsprechen die Wohnungen auch nicht mehr dem Bedarf (zu klein/zu groß). Sensibel beginnt man nun, die Häuser zu sanieren und zu erweitern. Die BewohnerInnen haben ein Rückkehrrecht + garantierte Mieten auf 20 Jahren. Das finde ich gut: keine Gentrifizierung durch Sanierung, der bunte Stadtteil mit ca. 100 Nationen muss erhalten bleiben.

Spannend war auch die Nachnutzung eines Flakturms aus dem II. Weltkrieg. Die Allierten hatten diesen innwändig komplett zerstört und eigentlich hätte er zusammenbrechen sollen. Tat er aber über die Jahrzehnte nicht. Die Überlegungen spannen sich von Abriss bis Neunutzung. Nun gibt es dort ein riesiges Wasserreservoir, das mittels Photovoltaikanlage am Dach und an der Südwand mit Sonnenenergie erwärmt wird und für die Versorgung des Stadtteils verwendet wird.

Die IBA 2013 eröffnet offiziell erst am 23./24. März. Wir standen teilweise noch in Baustellen bei den Neubauten. Einige innovative kleine Neubauten sind beinahe fertig. Es wird mit verschiedensten ökologischen Materialien herumprobiert, um Häuser energieautark zu machen. Auf unsere Frage, ob man schon abschätzen könne, ob das auch funktioniert, gab es die Antwort: in 5 Jahren wisse man mehr. Das kann man nun natürlich kritisieren. Ich finde Probephasen wichtig, um für die verschiedensten Standorte die Möglichkeiten abklopfen zu können. Im Labor allein wird man nicht weiter kommen.


Wasserliberalisierung innerhalb der EU

EU-Abgeordneter Eva Lichtenberger zum Thema "Wasserliberalisierung" und wie Städte und Gemeinden damit umgehen können.




Innpromenade im O-Dorf

Auch im O-Dorf tut sich einiges. Mit dem Bau des neuen Alten- und Pflegeheims wollte die Stadt, dass Ausgleichsmaßnahmen wegen des Eingriffs bei der Innpromenade getroffen werden. Nun liegt ein neues Promenaden-/Uferpflegekonzept vor. Dies wurde im letzten Gemeinderat ausführlich präsentiert und wird weiterführend auch im O-Dorf präsentiert. Wie bei allen Promenaden und Uferbereichen wächst im Laufe der Zeit alles zu, wenn die dementsprechende Bewuchspflege fehlt. So ist es auch in diesem Bereich des O-Dorfes. Der Zugang zum Inn ist verwachsen und es gibt nur mehr eine winzigkleine Sandbank zum Spielen und Verweilen. Das wird nun alles hergerichtet, zusätzlicher differenzierter Bewuchs gepflanzt, der Spielplatz wird hergerichtet und auch die dort sich befindende Freizeitanlage besser gemacht.



Das O-Dorf ist ein sehr grüner Stadtteil, mit viel Grünraum und Bäumen. Mit dem Projekt wird nun der Zugang zum Wasser verbessert, sodass die Bürgerinnen und Bürger des O-Dorfs eine weitere Erholungsoase erhalten. Da die Innpromenade aber auch von vielen anderen Innsbruckerinnen und Innsbruckern genutzt wird, ist dieses Projekt für ganz Innsbruck ein gutes Beispiel, wie der Zugang zum Wasser gefördert werden kann.

Neues im Stadtteil Pradl


Am Eck der Amraser Straße zu den Viaduktbögen soll dieses neue Gebäude entstehen. Spätestens 2015 soll der Bau stehen. Derzeit ist dort ein etwas heruntergekommenes kleines Krätzel. Beim Vorbeigehen oder -fahren missachtet man diesen Fleck. Die zukünftige Nutzung spielt sich auf mehreren Ebenen ab. Begonnen wird mit einer Einkaufspassage im Erdgeschoß, dann weiter zu kultureller Nutzung und natürlich Gastronomie, weiter geht es mit Büros und ganz oben gibt es noch ein paar Wohnungen. Es gibt deswegen keinen gesamten Wohnbau, weil - wie auf dem Bild ersichtlich - auf der einen Seite die Amraser Straße mit hohem Verkehrsaufkommen liegt, auf der anderer Seite noch der Frachtenbahnhof zu finden ist. Am Frachtenbahnhof geht es vor allem in der Nacht ziemlich laut zu. Da gibt es Spitzenwerte, die einen erholsamen Schlaf nicht zulassen würden. Ganz oben des Gebäudes können Wohnungen von Innen mit einer Loggia belichtet werden. Weiter unten spielt sich das nicht mehr.
Ich bin mal gespannt, ob sich dieser kleine Teil von Pradl durch den neuen Anziehungspunkt entwickeln kann. Wünschenswert wäre es schon, dass sich in diesem Eck von Innsbruck mit seinen vielfältigen Funktionen was tut.

Was ist in unserer Stadt los?

So weit sind wir nun schon in Innsbruck. Eine Frau, die Kopftuch trägt, wird in einem Lokal beschimpft und tätlich angegriffen. Wo sind wir denn? Als ich von diesem Vorfall erfahren habe, hat es mir die Nackenhaare aufgestellt. Diese Geschichte erinnert mich an vergangen geglaubte Zeiten. Es ist beschämend, wenn sich selbsternannte Richter aufspielen. Solchen Angriffen ist klar und deutlich entgegenzutreten.

Unsere Stadt ist vielfältig und bunt. Unsere Bundesverfassung schützt die Vielfalt der religiösen Bekenntnisse. Die Stadtregierung hat ein klares Bekenntnis und Ziel: das friedliche Zusammenleben und den freundschaftlichen Austausch unter den verschiedenen Religionen und Kulturen zu fördern und zu verteidigen.
Stadtrat Gerhard Fritz verurteilt diesen Angriff aufs Schärfste und hat sich bereits im Namen der Stadtregierung bei der Betroffenen entschuldigt.

Bewuchspflege entlang des Innufers

2009 herrschte große Aufregung entlang des Inns (Berichte auf meinem Blog). Die Motorsägen des Forstamtes mähten ganze Abschnitte ab. Nach längerem hin und her hatte meine Kollegin Uschi Schwarzl es geschafft, die Rodungen zu stoppen. Die Stadt hat damals etwas ihre Kompetenzen überschritten. Die Innufer unterstehen dem Land Tirol, übertragen durch den Bund (der Inn ist als Bundesgewässer ausgewiesen). Der Ärger war natürlich groß.

Nun gibt es ein neues Uferpflegekonzept. In drei Bereichen (Sieglangersteg, Karwendelbrücke und im Bereich des Finanzamtes als Pilotprojekte) wird gemeinsam mit dem Land "aufgeforstet". Die Weiden, die schnell und stark wachsen, müssen herausgenommen bzw. zurückgestutzt werden. Dazwischen werden schöne Laubbäume gepflanzt. Im Vordergrund steht die Entwicklung des Flussraums, der möglichst hochwassersicher, aber auch ökologisch wertvoll sein soll.

Dieses Projekt wird personell und finanziell durch den Bund mitgetragen und ist über Jahre gesichert. Das freut besonders. Weil nur pflanzen und einfach dann wachsen lassen, bringt es nicht. Die stärkeren und schneller wachsenden Sträucher/Bäume würden die langsam Wachsenden niederdrücken und nicht aufkommen lassen. Ein Dank auch an alle Dienststellen, die sich hier ins Zeug gelegt haben und einem tollen Projekt für die Innsbruckerinnen und Innsbrucker Leben eingehaucht haben.

Lärm bedeutet Stress

Lärmbelastung wird immer noch sehr unterschätzt, obwohl vor allem Dauerlärmbelastungen der Gesundheit sehr abträglich sind. Daher gibt es auch schon länger von der Europäischen Union die Vorgabe, Lärm als Krankmacher anzuerkennen und dementsprechende Handlungen folgen zu lassen.
Das Anliegen ist hehr, nur bekommen die Städte und Gemeinden in Österreich wenig Handlungsmöglichkeiten in die Hand. Eine Möglichkeit zB. den Lärm entlang von Landesstraßen im Stadtgebiet zu reduzieren, wäre zB eine 30er-Beschränkung für den Auto/Bus/LKW-Verkehr. Aber, da sagt das Land gleich Nein, weil ja die Leichtigkeit, Flüssigkeit und Sicherheit dieser Verkehrsart leiden würde. Ja, das stimmt. Aber was ist höher zu bewerten. Die Reduktion der Belastung der Menschen oder die Geschwindigkeit. Das ist natürlich eine sehr emotionale Sache, das ist mir schon klar. Die einfachste Variante ist, Lärmschutzfenster zu fördern - dh. die passive Variante. Das wird ja auch von Städten und Gemeinden (auch in Innsbruck) oft gemacht. Nur, ich bin der Meinung, es ist sinnvoller, auch bei der Lärmquelle anzusetzen und nicht nur bei der passiven Variante. Lärmschutzfenster sind eine gute Sache, als alleinige Maßnahme ist mir das zu wenig. Natürlich betrifft das auch den Zuglärm und den Fluglärm. Auch diese beiden Lärmquellen sind nicht außer Acht zu lassen. DIE Lösung zur Entlastung der lärmgeplagten Menschen habe ich jetzt leider auch nicht parat.
Daten haben wir mittlerweile quer über Österreich genug. Wen es interessiert, kann sich hier mal auf die Bundesseite einklinken.

Infos zu den möglichen Förderungen bei Gebäudesanierungen

Der Innsbrucker Energeientwicklungsplan kommt in die Umsetzungsphase. Wir haben ja im Budget als ersten Schritt einige Mittel für Förderungen zur Gebäudesanierung vorgesehen. Wir warten nun natürlich nicht, dass Innsbruckerinnen und Innsbrucker aus Zufall auf die Förderungen stoßen und basteln schon an der Homepage und an der Broschüre. Selbstverständlich folgt auch noch dementsprechende Öffentlichkeitsarbeit in den Medien.
Hier aber mal eine Vorabübersicht unserer Homepage (sie ist noch nicht ganz fertig)

Willkommens-Spaziergänge in Innsbruck

Gute Projekte dauern manchesmal etwas länger. Meine Kollegin Renate Krammer-Stark hat vor Jahren einen Antrag im Gemeindrat gestellt, Neuzugezogenen ihren Stadtteil mittels geführten Spaziergängen näher zu bringen.

Nun ist es so weit. Ab Frühjahr 2013 gibt es bei jeder Neuanmeldung beim Meldeamt auch gleich die Einladung zum Willkommens-Spaziergang dazu. Hauptschwerpunkt ist: Wo gibt es was zu finden und welche Möglichkeiten des Einklinkens in die bereits bestehenden Strukturen eines Stadtteil gibt es. Organisiert wird das Ganze nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche, die natürlich ein ganz anderes Interesse im neuen Wohnumfeld haben als Erwachsene. Und es wird da einiges zu tun geben. Jedes Monat melden sich ca. 1.000 neue BürgerInnen (Haupt- und Nebenwohnsitz) in unserer Stadt an.

Ich wünsche dem Projekt einen guten Start und viel Erfolg.

Votivkirche und das Streben nach Glück

Ich habe mir lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt was schreiben soll. Die Berichterstattung war - je nach Ausrichtung der Zeitung - erschütternd. Ich möchte ein Kommentar hier veröffentlichen, das eine andere Stimme erhebt.

Asylproteste: Die Angst vor dem Streben nach Glück

Kommentar der anderen | Georg Bürstmayr, 7. Jänner 2013, 16:38
Unterkunft, Essen und medizinische Betreuung bekommen sie, und dennoch protestieren Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche. Das ist verständlich, denn das Wichtigste wird ihnen vorenthalten: Das Streben nach Glück wird ihnen nicht zugestanden

... Flüchtlingswünsche in der Votivkirche
Wieso, fragt sich der gelernte Österreicher, geben sich diese komischen Asylwerber in der Wiener Votivkirche nicht damit zufrieden, dass es ihnen in jeder österreichischen Asylwerberunterkunft besser geht als in den kleinen, löchrigen Hütten ihrer Heimat? Wieso sind sie nicht dankbar für ein Dach über dem Kopf, drei Mahlzeiten täglich und medizinische Grundversorgung, alles auch noch gratis? Wieso haben sie die Frechheit, bei allem, was Österreich doch seit jeher für Flüchtlinge getan hat, auch noch Forderungen zu stellen? Nach freiem Zugang zum Arbeitsmarkt, Bewegungs- und Reisefreiheit - geht's noch?
Einem US-Amerikaner könnten alle diese Fragen mit einem einzigen Verweis beantwortet werden: Im zweiten Absatz der US-Unabhängigkeitserklärung benennen die Gründerväter der Verfassung drei gottgegebene, unveräußerliche Rechte, die allen Menschen zustehen: life, liberty and the pursuit of happiness - Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.
Österreich, in dessen Verfassung nichts Derartiges steht, gewährt illegalen Migranten und Asylwerbern zwar das Recht auf Leben, bietet ihnen Unterkunft und Verpflegung für die Dauer von Asylverfahren. Aber schon ihre Bewegungsfreiheit wird auf einzelne Bezirke eingeschränkt, und ihre persönliche Freiheit hängt an einem seidenen Faden, praktisch jederzeit und überall kann ein Asylwerber in Österreich verhaftet und eingesperrt werden. Und das Streben nach Glück? Ja gern, aber bitte nicht bei uns. Und genau da liegt des Pudels Kern.

Teil der Gesellschaft Denn diese Menschen wollen gar keine Gratisunterkunft in abgewirtschafteten Pensionen, keine Gratismahlzeiten, Gratisrechtsberater und was immer man noch für sie vorgesehen hat. Sie wollen einfach arbeiten. Selber Geld verdienen, wohnen und leben hier bei uns, in unserer Gesellschaft, als Teil von ihr. Selbstständig, selbstbewusst und selbst verantwortlich für ihr Leben und - ihr Glück.
Das mag auch darin bestehen, einen Teil ihres Arbeitslohns noch abzuzwacken und in die Heimat zu schicken, zu ihren Familien, die zusammengelegt haben, um die "Reise" dieser meist jungen Männer in den angeblich goldenen Westen zu finanzieren. Aber dieses Glück, das seinerzeit auch zehntausende burgenländische Auswanderer in den USA gesucht haben, gefährdet nach heutiger Lesart unser eigenes.
Deshalb kriegen illegale Migranten und Asylwerber bei uns zwar ein Dach überm Kopf - aber zugleich sagt man ihnen in allen Sprachen dieser Welt: Du bist hier nicht willkommen. Du bist bestenfalls geduldet, und nur so lange, bis wir es uns anders überlegen, und sei das nach drei, fünf oder zehn Jahren. Bis dahin beweg dich nicht, gib keinen Laut, und wenn, dann als Bittsteller.

Unser, unser, unser Diese radikale Aus- und Abgrenzung gegenüber Menschen, die ohne Einladung zu uns gekommen sind, hat ihre Wurzel in der Überzeugung, dass wir all das dürfen, weil das hier unser Land ist, mit allem, was dazugehört. Unser Sozialstaat, unsere Arbeitsplätze, unser Wohlstand.
Wir schützen ihn mit einer europaweit einzigartig strengen Arbeitsmarktpolitik und wenn es sein muss mit Gewalt: Wer sich diesen Regeln der Ausgrenzung nicht beugt, wird geschlagen, verhaftet, eingesperrt, gefesselt, ins Flugzeug getragen und abgeschoben. Das alles halten wir für notwendig, denn sonst, so sind wir überzeugt, könnt ja ein jeder kommen - buchstäblich.
Wir dürfen das, wir müssen das, weil anders "unser" Europa nicht zu halten ist. Das in etwa ist das Credo europäischer Migrationspolitik, seit gut 20 Jahren, und es wird europaweit von einer großen Mehrheit mitgetragen, obwohl (oder vielleicht: gerade weil) sich viele kein Bild machen über das Ausmaß der Gewalt und das Ausmaß an Leid, das mit der Durchsetzung dieses Credos verbunden ist.

Ins Herz der Politik Die Forderung der hungerstreikenden Asylwerber in der Votivkirche, ihnen Freiheit und Glück in Europa zu gewähren, sie frei reisen, leben und arbeiten zu lassen, zielt mitten ins Herz dieser Politik. Das weckt enorme Aggressionen - symbolisch dafür mögen die riesigen Baggerschaufeln stehen, mit denen das Protestcamp vor der Votivkirche zerquetscht worden ist (wozu eigentlich?). Das lässt diese Forderungen und ihre Unterstützer als naiv erscheinen. Dass "nicht alle Welt zu uns kommen" kann, ist ein Allgemeinplatz, den sogar die Grünen europaweit mit unterschreiben - aber ist er auch richtig? Und wenn ja, wie lange noch?
Wertehaltungen verändern sich. Vor zweihundert Jahren galt die Sklaverei in weiten Teilen der freien Welt als unverzichtbar für den Erhalt der Wirtschaftsordnungen. Forderungen nach allgemeinem Wahlrecht, für Frauen zumal, nach Rede-, Gedanken- und Versammlungsfreiheit waren noch vor wenigen Generationen schlicht naiv. Es könnte sein, dass schon unsere Kinder uns ernsthaft fragen werden, was um Himmels willen wir uns gedacht haben bei unserer Politik der radikalen Ausgrenzung.
Darüber jetzt schon zu reden könnte lohnend sein - und lehrreich. Die Gelegenheit dazu böte sich zum Beispiel in einer pseudogotischen Kirche mitten in Wien, die seit zwei Wochen so viele ständige Besucher hat wie schon sehr lange nicht mehr. Sie sind keine Europäer und zumeist gar keine Christen, aber sie werfen Fragen auf, die unsere christlich geprägten europäischen Gesellschaften seit Jahrhunderten beschäftigen: nach den angeborenen, jedem einzelnen Menschen mitgegebenen, unveräußerlichen Rechten des Menschen an sich. Mit Baggerschaufeln allein kriegen wir diese Frage nicht vom Tisch. (Georg Bürstmayr, DER STANDARD, 2.1.2012)


Feinstaubentwarnung für das Jahr 2012

Zuerst muss ich mich entschuldigen, dass so lange nichts mehr auf meinem Blog los war. Ich habe mich über die Feiertage in Internetabstinenz geübt -:) Jetzt geht es aber wieder los und es kommen wieder laufend Berichte.

Ein wichtiges Gesundheitsthema ist natürlich die Feinstaubproblematik. Für 2012 gab es in den letzten Tagen Entwarnung. Dank gutem Wetter sank die Belastung unter die gesetzten Grenzwerte. Wir können uns aber nicht immer auf das gute Wetter verlassen. Ich habe mir die Überschreitungstage seit 2002 angesehen. Jänner und Feber sind die Monate, in denen die Belastung steigt. Klar, da wird es so richtig kalt, die Inversionswetterlage nimmt zu. Je nach Jahr kommen März, November und Dezember noch dazu.

Mit den gesetzten Grenzwerten hab ich so meine liebe Müh und Not. Bei mehreren EU-Kongressen zum Thema Feinstaub & Co waren selbstverständlich auch Umweltmediziner, die ihre Vorträge hielten. Für die gibt es die Grenzwerte nicht, dh. jede noch so kleine Belastung schädigt die Gesundheit. Einen Teil werden wir wahrscheinlich immer ertragen müssen. Je weniger jedoch die Konzentration an Feinstaub ist, desto besser ist es für uns. 

Von einer Entwarnung der Gesundheitsbelastung sind wir weit entfernt. Wir hatten 2012 einfach nur Glück. Handeln ist angesagt, damit es erst gar nicht so weit kommt. Einen Weg haben wir mit 2013 nun beschritten - die Hausbrandproblematik. Mit dem Geld für den Energieentwicklungsplan können wir da einiges - allerdings nur schrittweise - erreichen. Wir bräuchten um einiges mehr Geld, um schneller voranzukommen und bei Sanierung und Umstellung des Energiesystems gleichzeitig ansetzen zu können. Ich liebäugle ja immer noch mit den Geldern für die Graßmayrkreuzung. Mit diesen vielen Millionen könnten wir ein unglaubliches Fördersystem bereitsstellen, das die Umstellung für die Innsbruckerinnen und Innsbrucker sehr erleichtern würde. Aber, ich befürchte, da ist der Zug der alten Politik abgefahren.

Der nächste Schritt ist das "Mobil21"-Projekt. Wir brauchen dringend ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept mit dem Land Tirol gemeinsam. Mobilität ist ein Grundbedürfnis in unserem Gesellschaftssystem. Ich möchte nicht, dass irgendwann die Menschen ihr Mobilitätsbedürfnis nicht mehr befriedigen können, weil das System zu teuer wird. Da braucht es verzahnte Mobilität, die wir in der Politik vorausschauend einklinken müssen. Für personelle und finanzielle Ressourcen habe ich im Budget gesorgt, sodass wir 2013 mit der Konzepterstellung beginnen können.






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