Öffentliche Bäume sind wichtiges Gut


Hier ein unachtsames Abgraben, dort ein Anlehnen von Geräten an den empfindlichen Stamm. Alles Schäden, die langfristig unsere schönen Bäume kaputt machen. Daher freut es mich besonders, dass auf Initiative meines Kollegen Gerhard Fritz in Zusammenarbeit mit dem Gartenamt, neue Richtlinien ausgearbeitet wurden, um unsere Bäume besser zu schützen und zu pflegen. Schließlich ist Grün ein wichtiger Faktor in jeder Stadt - für Mensch, für Vögel/Käfer und Co und für Pflanzen, die bestimmte Baumsorten zum Leben brauchen.

 Mehr als nur Brennholzwert
Bauarbeiten, Verkehrsunfälle, Vandalismus: Innsbrucks Baumbestand ist hart im Nehmen. Wer das grüne Vermögen der Stadt jedoch beschädigt, wird verstärkt zur Kassa gebeten. Die Baumpflege wird neu organisiert.


Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck – Die Rechnung war gesalzen. Auf eigene Faust hatte ein Anrainer in Innsbruck zwei stolze Platanen auf städtischem Grund umschneiden lassen. Und musste am Ende dafür in Summe 56.000 Euro hinblättern, wie Thomas Klingler, Leiter des Amtes für Grünanlagen, aus dem Nähkästchen plaudert. Und auch jener Autolenker, der unlängst am Adolf-Pichler-Platz einen stattlichen Baum niedergefahren hatte, soll dafür rund 12.000 Euro gelöhnt haben. Hinzu komme eine Vielzahl an Beschädigungen, die durch Grabungsarbeiten entstehen würden.
Nicht immer können der oder die „Täter“ ausgeforscht werden. Wenn doch, irren aber diejenigen, die meinen, das beschädigte öffentliche Gut habe nur noch Brennholzwert. Diese Zeiten sind vorbei, wie auch der für die Grünanlagen politisch zuständige Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne) sagt. Eher würde der Wert der Bäume inzwischen bereits ähnlich einer Immobilie geschätzt. Denn schließlich stecke viel Arbeit und Geld in der Aufzucht und Pflege eines solchen Baums.
Und derer gibt es zur Genüge im Stadtgebiet der Landeshauptstadt. Fein säuberlich sind an die 26.000 Stück in einem Baumkataster erfasst. Ganz spezielle, wie eben die so genannte Blutbuche vor dem Landestheater, stehen mit dem Prädikat „Naturdenkmal“ unter einem besonderen Schutz.
Ein Baum mittleren Alters, also so an die 15 Jahre, sagt Fritz, stelle den Gegenwert von rund 15.000 Euro dar. Hochgerechnet ergebe sich da auf den gesamten städtischen Baumbestand schon ein „Vermögen im zweistelligen Millionenbereich“. Und selbiges müsse auch geschützt werden. „Wer Bäume beschädigt, muss auch zahlen“, so Fritz.
Eine Haltung, die sich speziell bei Firmen bereits herumgesprochen habe. „Totalschäden sind heute nicht mehr so häufig“, erzählt Klingler. Inzwischen würde bereits lange vor Beginn allfälliger Grabungsarbeiten Rücksprache mit dem Grünanlagenamt gehalten. Sei absehbar, dass Bäume gefällt werden müssen, würde bereits im Vorfeld über Abschlagszahlungen verhandelt. Hilfreich soll hier auch ein Merkblatt sein, welches gerade in Ausarbeitung sei, sagt Fritz. Darin finden sich auch – ähnlich zu anderen Bereichen – pauschalierte Sätze, die zur Wiederherstellung allfällig in Mitleidenschaft gezogener Grünanlagen der Stadt zu zahlen sind. Ungeachtet dessen seien die Mitarbeiter des Grünanlagenamtes aber stets dazu angehalten, auf ihren unzähligen Touren durch die Stadt ein wachsames Auge zu haben – auch nach der Beendigung einer Baustelle. So habe man auf der Hungerburg „schon einmal die Gräben wieder aufmachen lassen, um Schäden feststellen zu können“, berichtet Klingler.
Fritz möchte aber im kommenden Jahr auch eine Neuorganisation der Baumpflege angehen. In erster Linie bedeute das eine personelle Aufstockung. Zuerst solle das durch amtsinterne Umbesetzungen funktionieren, ab 2015 stünden aber auch zwei bis drei zusätzliche Dienstposten auf dem Wunschzettel.
Damit will Fritz auch der Präventionsarbeit im Grünanlagenamt mehr Platz einräumen. Wie beispielsweise dem „Erziehungsschnitt“. Wer damit bei den jungen Bäumen konsequent beginne, stärke sie in ihrem weitere­n Wachstum. Und sichere so in Folge auch eine längere Lebens­dauer. „Damit können wir auch Kosten sparen“, sagt Fritz. Im Schnitt müssen in Innsbruck pro Jahr rund 100 Bäume ausgetauscht werden.



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