Natura 2000 - ja, nein, vielleicht

Tirol hat eine wunderschöne Natur. Nicht überall, aber es gibt Gebiete, die ein umfangreiches ökologisches Gleichgewicht haben, und Fauna und Flora üppig sprießen lassen. Nachdem jahrelang österreichweit die Ausweisung von Schutzgebieten verschleppt worden ist, ist der Europäischen Union der Geduldsfaden gerissen. Tirol hat hier Nachholbedarf und es wird auch schon emsig daran gearbeitet, die möglichen Gebiete im Detail zu erfassen.
Die Befürchtungen seitens der Wirtschaft sehe ich nicht so. Wenn von ÖVP-Seite bejammert wird, dass es nur knapp 12 % Siedlungsraum gäbe und mit der Ausweisung der Natura2000-Gebiete die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindert werde, muss mal klar festgehalten werden, dass zb. am Berg kein neuer Siedlungsraum zu finden sein wird. Natürlich verstehe ich die wirtschaftlichen Interessen von Seilbahn und co-Investoren. Diese Interessen sind legitim, dürfen aber nicht dazu führen, dass wir der nächsten Generation Entwicklungsmöglichkeiten verbauen. Der Skimarkt stagniert und ist eher rückläufig. Die großen Skigebiete konkurrenzieren sich nieder, es kommt zu Gästeverschiebungen, aber Neues gibt es nicht mehr viel. Auch Wasserkraft ist legitim. Alle interessanten Flüsse zuzubauen ist aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch bei der Energiefrage muss das Motto lauten: alle Energieformen - Wasser, Sonne, Wind, Geothermie gekoppelt mit Energieeffizienz bei Gebäuden und Mobilität - verringern unsere Abhängigkeit von Öl und Gas. Nur auf Wasserkraft zu setzten, nützt zwar der TIWAG, aber nicht den Menschen, die die Natur als Ausgleich brauchen. Wer sich mal die Mühe macht, in den verschiedenen Naturräumen die Vielfalt und Schönheit der Fauna und Flora zu erforschen, weiß, wie wunderschön und vielfältig unsere Umwelt in geschützten Bereichen ist.
Interessant ist ja auch die Umfrage der Tiroler Tageszeitung zu Natura-2000-Gebieten, ob es sinnvoll sei, weitere Gebiete unter Schutz zu stellen. 61% ja, 11% nein, 28% meinen, die EU solle sich um Wichtigeres kümmern. Wenn ich jetzt noch eine Schwankungsbreite von +/- 4% rechne, bleibt aber eines klar: die Interessen der TirolerInnen sind wohl anders gelagert als die Interessen einiger weniger, jedoch mächtiger Wirtschaftszweige.
Ich bin zuversichtlich, dass neue Natura-2000-Gebiete Tirol reicher machen und das die Tiroler Landesregierung das Beste für Tirol und die Menschen erarbeitet.

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