Die Konflikte zu den Einspeistarifen bei der TIWAG nehmen kein Ende

Man kann nun zu den Einspeistarifen und diesem Fördermodell stehen wie man will. Wenn es langfristige Verträge gibt, hat man sich daran zu halten. Die TIWAG ließ ja schon einmal aufhorchen, als sie Privatbetreibern von Solaranlagen die Tarife stark kürzen wollte. Sie musste aufgrund zu großen öffentlichen Drucks wieder einen Schritt zurückgehen. Nun betrifft es Anlagen von Kleinbetrieben.

Derzeit spielt sich europaweit ein Kampf zwischen zentralistischen Energieversorgern und föderalistische Eigenversorgung ab. Natürlich wollen die großen Energieunternehmen den Markt alleine beherrschen und dementsprechend Geld verdienen. Und natürlich ist es für die Großen äußerst unangenehm, dass ihr jahrzehntelang funktionierendes Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Die TIWAG ist im europäischen Kontext nur ein kleiner Zwerg. Trotzdem hat der Landesversorger über Jahrzehnte schalten und walten können, wie es gerade gepasst hat. Die Energiepreise sind im Keller (an der Leipziger Strombörse, nicht für uns Kleinkunden) und zusätzlich noch Strom eingespeist zu bekommen, den man gar nicht will, ist selbstverständlich etwas nervig. Jedoch lässt sich die Energiewende nicht mehr aufhalten. Die Dinosaurier müssen umdenken und Beteiligungsmodelle erarbeiten oder sie werden langfristig überrollt.

Hier noch der Artikel aus der Tiroler Tageszeitung, der die Unternehmen zur Weißglut bringt.

Tiroler Unternehmer schäumen: Stellt sich ein Betrieb eine kleine Solarstromanlage aufs Dach, bekommt es von der Tiwag kein Einspeisegeld mehr.
Von Max Strozzi
Innsbruck – Wieder Wirbel um die Einspeisevergütung für kleine Solarstrom-Anlagen bis 5 kWp. Der Tiroler Landesversorger Tiwag hat nun Gewerbekunden vom Einspeisetarif für neue Photovoltaik-Kleinanlagen ausgenommen. Stellen sich also Unternehmen – Tischler, Gärtnereien etc. – künftig eine kleine Solarstromanlage aufs Dach, bekommen sie für Überschussstrom keine Einspeisevergütung mehr. Die Vergütung von 9 Cent/kWh bekommen nur Private.
Tiwag-Vorstand Erich Entstrasser bestätigt gegenüber der TT das Ende der Kleinanlagen-Einspeisevergütung für Gewerbebetriebe. „Wir haben die Einspeisevergütung immer schon auf Privatpersonen eingeschränkt, dies aber nie im Detail überprüft“, so Entstrasser. Nun aber würden Tiwag-Mitarbeiter speziell darauf hingeweisen, diesbezüglich nur noch Privathaushalte zu fördern, betont Entstrasser. „Die Kleinanlagenförderung ist nicht für Gewerbetreibende gedacht, sondern für Privatpersonen“, sagt der Tiwag-Vorstand. Zudem würden Betriebe den Großteil ihres Solarstroms ohnehin selbst verbrauchen, weshalb sich die Einspeisevergütung für Überschussstrom erübrige.
Bis zum Vorjahr hatte hingegen noch jeder – ob Privatperson oder Gewerbebetrieb – Zugriff auf die Kleinanlagen-Einspeisevergütung der Tiwag, betonen Unternehmen. Sie fühlen sich nun vor den Kopf gestoßen. „Ich verstehe nicht, warum man als Kleinunternehmer jetzt keinen Fördertarif mehr bekommt. Das ist absolut unfair“, kritisiert etwa Johann Hlavka, Gesellschafter der Wörgler Technowin GmbH, die unter anderem auch Photovoltaikanlagen installiert: „Beim Verbund spielt es hingegen keine Rolle, ob es ein Gewerbebetrieb oder ein Privater ist.“ Etwa 20 % seiner Kunden für kleine Solarstrom­anlagen seien Gewerbebetriebe. Hlavka prangert auch die fehlende Information seitens der Tiwag an. Viele Photovoltaik-Unternehmen wüssten noch gar nicht, dass Gewerbetreibende für neu installierte, kleine Solarstromanlagen keine Einspeisevergütung mehr bekommen, meint er. „Ich habe bei der Tiwag angefragt. Doch aus den Unterlagen, die ich erhalten habe, ist dies gar nicht ersichtlich“, so Hlavka. „Seitens der Tiwag heißt es lediglich: Gewerbebetriebe erhalten dies nicht mehr und basta.“
Auch Arthur Sief, Chef des Solarunternehmens Siko Solar, trafen die Änderungen der Tiwag völlig unerwartet. „Das ist mir jetzt völlig neu“, sagte Sief, als ihn die TT mit den Neuerungen der Tiwag konfrontierte. „Das Umweltbewusstsein des Bürgers wird mit Füßen getreten“, kritisiert Sief. Auch wenn Betriebe ihren Solarstrom großteils selbst nutzen würden, gehe es um ein psychologisches Argument. „Es geht darum: Wenn man am Wochenende keinen Betrieb hat, bekommt man ein paar Cent“, so Sief. Die Tiwag tue sich keinen guten Dienst. Sief: „Nicht alle Stromanbieter sind auf ihrer Linie. Andere wie etwa die Stadtwerke Wörgl machen das Gegenteil und sind Vorreiter bei der Solarstromförderung.“


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