Debatte um Verdrängung der Ärmsten geht in die nächste Runde

Wieder ist die Debatte um die Verdrängung der Ärmsten in unserer Stadt entflammt. Der "Störfaktor", angesprochen zu werden und auch der "Störfaktor" mit Armut konfrontiert zu werden, lässt sich natürlich politisch schön benutzen. Im kommenden Gemeinderat wird wahrscheinlich die Verordnung zur Verdrängung beschlossen werden. Während des Ostermarktes und während des Weihnachtsmarktes in der Altstadt soll Armut verschwinden. Ein schönes Zeichen der bei Bedarf hervorgekehrten Christlichkeit (die es ja schon auf Wahlplakate geschafft hat). Wie war das nochmal: Was ihr getan habt dem geringsten meiner Brüder (und Schwestern), das habt ihr mir getan (Matthäus).
Natürlich ist es nicht angenehm, mit Armut konfrontiert zu werden. Und natürlich nerven mich auch die Greenpeace-Leute (die sind allerdings nicht mit der Verordnung gemeint). Die sonstigen VerteilerInnen von Infomaterial oder die Verkäuferinnen der MO-Zeitung sind ebenfalls nicht mit der Verordnung gemeint. Es geht ausschließlich um die Entfernung der am Straßenrand sitzenden Armen, die um Geld betteln. Das kann natürlich in unserer schönen Warenglitzerwelt nie und nimma akzeptiert werden (Vorsicht, das ist sarkastisch gemeint).
Die Verdrängung schafft die Armut nicht ab. Sie schafft nicht ab, dass es Menschen gibt, die nie eine Chance auf Bildung, Ausbildung und somit eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Wir können natürlich hier in Innsbruck nicht die Armut in Rumänien/Bulgarien abschaffen, das ist schon klar. Die Akzeptanz, dass es arme Menschen gibt und dass diese auch im öffentlichen Straßenraum sein dürfen, ist aber wirklich nicht zu viel verlangt.

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